Nach Räumung in Bergkamen: Helfen Gutachten und Versicherungen?

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Die geräumten Wohnhäuser sind abgeriegelt und werden überwacht.

Bergkamen – Die Evakuierung der beiden Hochhäuser an der Töddinghauser Straße aufgrund gravierender Brandschutzmängel war ein einschneidendes Ereignis. In Bergkamen war es das zweite Mal, dass die Stadtverwaltung eine sogenannte Räumungsverfügung erlassen musste: Der erste Fall liegt Jahre zurück und betraf den inzwischen abgerissenen Cityturm.

Ein Blick auf die Evakuierung des „Hannibal“ genannten Wohnblocks in Dortmund im Jahr 2017 und die Räumung eines Mehrfamilienhauses in Lünen-Brambauer im März weckt bei vielen Bewohnern und Besitzern von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern allerdings ein ungutes Gefühl. Sitzt man auf einem Pulverfass und läuft Gefahr, seine Wohnung vorübergehend zu verlieren? 

Zumindest mit Blick auf die Statistik kann Brandamtsrat Jens Bongers von der Brandschutzdienststelle beim Kreis Unna beruhigen. „Solche Räumungen sind eher ungewöhnlich. Mir ist im Kreis Unna aus 15 Jahren Erfahrung in der Einsatzleitstelle kein weiterer Fall bekannt“, so Bongers. Vorbeugend werden aber auch Brandverhütungsschauen durchgeführt. 

Teure Gutachten

Für bestimmte Gebäude wie Schulen, Kindergärten, Industriebetriebe oder auch Hochhäuser ab einer bestimmten Größe sind diese in Intervallen von drei bis sechs Jahren Pflicht. Gemäß der Gemeindeordnung des Landes sind sie aber auch kostenpflichtig. Freiwillige Überprüfungen von Gebäuden, die nicht der Kontrollpflicht unterliegen, gibt es daher selten. 

Evakuierung in Bergkamen an der Töddinghauser Straße

„Das wäre auch ein immenser Aufwand“, sagt Bongers, denn unterm Strich hat jeder Gebäudeeigentümer selbst dafür Sorge zu tragen, dass sein Haus sicher ist und alle Vorschriften der Bauordnung eingehalten werden. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann seinen Schornsteinfeger ansprechen, oder einen privaten Brandschutzsachverständigen beauftragen. 

Versicherung könnte helfen

In Rünthe, Oberaden, Lünen und Kamen sitzen Firmen, die sich darauf spezialisiert haben. Den Sinn einer solchen Untersuchung streiten die Fachleute nicht ab, doch es sei auch eine Kostenfrage, ob Immobilienbesitzer die Möglichkeit nutzen wollen. Manchmal lohne indes ein Gespräch mit der Gebäude-Versicherung, denn vorbeugende Aktionen könnten die Versicherungsprämie günstig beeinflussen. Was allerdings im Fall der Fälle versichert ist, steht im Kleingedruckten jedes einzelnen Vertrags. 

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Bei Hausbesitzern greift die Gebäudeversicherung, bei Mietern die Hausratversicherung. In jedem Fall, so sagt ein unabhängiger Versicherungsmakler, müsse man sich auf Diskussionen einstellen, manchmal sei auch juristischer Beistand nötig. 

Zwar könne man Elementarschäden durch Feuer, Wasser oder Sturm versichern, aber das beinhaltet nicht zwingend auch durch Rauch entstandene Schäden. Und ob beispielsweise Mietausfälle oder eine „alternative Unterkunft“ von der Versicherung gedeckt werden, hängt vom abgeschlossenen Versicherungsvertrag ab. 

Darüber hinaus sollten Versicherte prüfen, ob darin auch ein Passus zu „behördlichen Anordnungen“ zu finden ist.

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