Anlieferung über den Kanal

Nach langem Stillstand: Kraftwerk in Bergkamen braucht neue Kohle

Kohlekraftwerk Kohle Schiff Datteln-Hamm-Kanal
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Wendemanöver vor dem Kohlehafen mit den mächtigen Kränen: Die Lastkähne liefern seit Ende November wieder tonnenweise Kohle über den Datteln-Hamm-Kanal zum Kraftwerk, um die Vorräte in Heil aufzufüllen.

Fast acht Monate stand die mächtige Doppelkran-Anlage im Kohlehafen am Kraftwerk in Heil still. Nun legen dort wieder Lastkähne an, um den fossilen Brennstoff für die Dampfturbine zum Weiterbetrieb der Stromerzeugung heranzuschaffen.

Rünthe/Heil - Die Steag GmbH hatte den Hafen-Betrieb dort angesichts großer Vorräte und der zu erwartenden geringeren Stromabnahme von Frühjahr bis Frühherbst vom Netz genommen. „Ein wirtschaftlicher Betrieb des Kraftwerksblocks erschien über die Sommermonate nur bedingt möglich, weil dann üblicherweise insbesondere das Stromangebot aus regenerativen Quellen deutlich steigt und es in Bergkamen wegen der fehlenden Wärmeauskopplung auch keinen übergeordneten Grund gibt, das Kraftwerk am Netz zu belassen“, hatte Pressesprecher Daniel Mühlenfeld die Entscheidung der Steag-Verantwortlichen für die Produktionspause erläutert.

Zudem bestand in der Chef-Etage in Essen ja die Hoffnung, dass die Steag GmbH von der Bundesnetzagentur den Zuschlag für eine Stilllegungsprämie für die Abschaltung des Kraftwerkblocks in Heil kassieren könnte. Das hätte bekanntlich automatisch das Aus für die Kohleverfeuerung an diesem Standort nach sich gezogen.

Bis zu 5000 Tonnen Kohle am Tag

Bereits vor der Bekanntgabe der Entscheidung durch die Bundesnetzagentur war klar, dass die Kohlevorräte in Heil auch für einen auslaufenden Betrieb nicht ausreichen würden. Deshalb ließen die Kraftwerker in Heil bereits im November wieder Kohle über den Datteln-Hamm-Kanal anliefern.

Und das sind gewaltige Mengen wie Daniel Mühlenfeld berichtet (siehe Infoblock). „Aktuell hat Bergkamen noch Kohle für etwa drei Tage Volllastbetrieb“ sagte er vor einer Woche. „Pro Tag werden etwa vier- bis fünftausend Tonnen Kohle verfeuert. Die Belieferung ist bereits im November wieder aufgenommen worden und weitere Transporte kommen in den nächsten Tagen, so dass die Vorratshaltung dann wieder auskömmlicher ist“, erläuterte der Steag-Sprecher.

Steag in Schwierigkeiten

Unabhängig vom aktuellen Tagesgeschäft und den Prämien-Auktionen der Bundesnetzagentur zum Kohle-Ausstieg ist aber klar, dass die Steag GmbH in den nächsten Jahren die Kohleverstromung und Kraftwerk-Standorte in NRW und im Saarland komplett aufgeben muss. Bereits Ende September hatte der Essener Energieversorger angekündigt, dass er sein Unternehmen neu ausrichten will und deshalb rund 1000 Arbeitsplätze „sozialverträglich“ abbauen muss.

Dass möglicherweise einige Stadtwerke im Ruhrgebiet als Anteilseigner der Steag aussteigen wollen (unsere Zeitung berichtete), „kommentieren wir grundsätzlich nicht“, sagte gestern Unternehmenssprecher Daniel Mühlenfeld. Das gelte auch für die Nachricht, die RAG-Stiftung wolle der Steag möglicherweise treuhänderisch unter die Arme greifen.

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