Skurriler Fall in Bergkamen

Nach Grabraub in Rünthe: Madonna kehrt zur Besitzerin zurück

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Diese Madonna ist wieder bei ihrer rechtmäßigen Besitzerin.

Bergkamen – Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die kann sich Heike Müller nicht erklären: Und dazu gehört die Tatsache, dass die im März vom Grab ihrer Eltern in Rünthe gestohlene Madonna nun auf dem Friedhof in Oberaden wieder aufgetaucht ist.

Seit Dienstag ist die Madonna wieder zurück bei ihren rechtmäßigen Besitzern. „Das war wie ein Sechser im Lotto oder – ich weiß es nicht, das Gefühl war eigentlich unbeschreiblich“, sagt Heike Müller. Ein Bekannter hatte vor zwei Wochen den WA-Artikel gelesen, dass auf dem Friedhof in Oberaden sieben Madonna-Figuren und einige Pflanzschalen gefunden worden waren. 

„Das war dann merkwürdig. Man hofft plötzlich, obwohl man das Thema eigentlich abhaken wollte“, gesteht Heike Müller, doch das Abhaken war bei ihr nicht so leicht. 

Die Madonna, die auf dem Grab ihrer Eltern gestanden hatte, war von den beiden noch zu deren Lebzeiten selbst ausgesucht worden. „Beide waren schwer krank, und 1995 suchten sich meine Eltern daher schon die Grabstelle aus und auch diese Madonna. Das war ein Unikat“, erinnert sich Heike Müller. 

Friedhofsgärtner Jörg Kampmann wundert sich über die Madonna-Figuren.

Grabräuber wüsten in Rünthe

„Meine Mutter sagte damals, man wisse ja nicht, wer zuerst gehen würde. Aber diese Madonna sollte unbedingt auf das Grab.“ Als der Vater dann 1998 starb, kam die Madonna aufs Grab, und bis zu ihrem eigenen Tod 2008 freute sich die Mutter bei jedem Besuch des Grabes über die Figur. 

Als Anfang März dann Grabräuber auf dem Rünther Friedhof ihr Unwesen trieben, war Heike Müller im Urlaub. „Wir wussten erst gar nicht, ob wir auch betroffen sind“, erinnert sie sich an die bange Zeit. „Doch es war so. Das war ein Schock. Wie ein Schlag in die Magengrube, zumal auch noch zwei Bronze-Lichter gestohlen wurden.“

Der emotionale Verlust war am schlimmsten 

Schlimmer als der materielle Verlust war jedoch der ideelle Wert. „Die Madonna stand für eine tiefe Erinnerung“, beschreibt Heike Müller. Die Polizei, die die Anzeige aufnahm, machte keine Hoffnungen, dass Heike Müller die Figuren zurückbekommen würde. 

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Doch als der Anzeiger über den skurrilen Fund berichtete, kam die Wende. Heike Müller rief bei der Polizei an, und die verwies zunächst an den Oberadener Friedhofsgärtner Jörg Kampmann: „Der sagte, ich solle die Figur mal beschreiben und dann dachte ich nur, ich höre nicht richtig, als der sagte: ‚Ich glaube, die Figur steht hier.‘“ 

Den Moment, als Kampmann dann beim Treffen die Tür zum Lagerraum öffnete, wird Heike Kampmann wohl nicht mehr vergessen: „Ich schaute sofort unserer Madonna ins Gesicht. Da ging mir das Herz auf.“ Eine Weile dauerte es jedoch, bis sie ihr Eigentum wieder in Empfang nehmen konnte. Zunächst musste das Diebesgut durch Polizei und Staatsanwalt freigegeben werden, doch am Dienstag konnte Heike Müller die Figur abholen. 

Verhalten der Täter nicht nachvollziehbar

Das Verhalten der Täter kann Heike Müller indes nicht nachvollziehen. „So einen Verlust kann man doch nicht ersetzen“, sagt Müller, auch wenn sie es selbst versucht hat und inzwischen eine neue, ähnliche Madonna das Grab ihrer Eltern ziert. „Das war der letzte Wille meiner Eltern, dass dort eine Madonna steht. Den wollte ich erfüllen.“ 

Ob die Täter die Reue packte, weiß Heike Müller nicht. Aber ihre Tochter habe eine These: „Die meinte, das wäre meine Mutter gewesen. Die hätte die ganze Zeit irgendwo gesessen und ‚So nicht! Das ist meine Madonna‘ gesagt.“ Und weil deren Platz auf dem Grab inzwischen neu besetzt, wird die „richtige“ Madonna nun woanders einen Ehrenplatz bekommen. „Das hat sie verdient“, sagt Heike Müller.

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