Zurück in die Heimat

Nach Gastro-Betrug in Bergkamen: Mann aus Haft entlassen

Der Angeklagte, hier mit seinen Verteidigern Michael Liedtke (ganz links) und Gennaro Festa sowie Dolmetscher Lamberto Canal (ganz rechts), soll in der Gastro-Firma als „Strohmann fungiert haben.
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Der Angeklagte, hier mit seinen Verteidigern Michael Liedtke (ganz links) und Gennaro Festa sowie Dolmetscher Lamberto Canal (ganz rechts), fungierte in der Gastro-Firma als „Strohmann.

Dortmund/Bergkamen – Im Betrugsprozess gegen einen ehemaligen Gastro-Großhändler aus Bergkamen hat das Dortmunder Landgericht das Urteil gesprochen. Der Angeklagte durfte sich freuen – hatte aber gleichzeitig auch ein Problem.

Der Italiener war vor einem halben Jahr in seiner Heimat Neapel festgenommen und nach zweimonatiger Auslieferungshaft nach Deutschland geflogen worden. Nun wurde er wegen Beihilfe zum Betrug zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Das bedeutete: Noch am Nachmittag öffnete sich für ihn das Gefängnistor.

Was der Mann nun mit seiner neuen Freiheit anfangen sollte, wusste er allerdings bestimmt nicht. „Er ist natürlich ziemlich überrascht“, sagte Verteidiger Michael Liedtke. Er kündigte an, den Weg über das italienische Konsulat zu wählen, um den Angeklagten schnellstmöglich wieder nach Hause zu bringen.

Angeklagter unterschrieb, was ihm vorgelegt wurde

Die Taten des Italieners liegen inzwischen schon fast sechs Jahre zurück. Im Frühjahr 2015 war er von dem damaligen Geschäftsführer der Bergkamener XL Gastro GmbH angesprochen und ins Ruhrgebiet geholt worden. Hier schuftete er als Be- und Entlader von Lastern. Und irgendwann hatte der Chef da mal eine Frage.

Für ein paar Hundert Euro im Monat mehr erklärte sich der Angeklagte wenige Tage später dazu bereit, auf dem Papier die Geschäftsführung des Großhandels zu übernehmen. Und während er dann gutmütig alles unterschrieb, was ihm vorgelegt wurde, bestellte der inzwischen Ex-Chef munter tonnenweise Lebensmittel und verkaufte sie anschließend auf eigene Rechnung weiter.

Ex-Geschäftsführer bekam vier Jahre Haft

Der Betrugsschaden, der dem Angeklagten zugerechnet werden kann, liegt bei über 200 000 Euro. „Er hat mit Sicherheit geahnt, dass da was nicht korrekt lief“, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Beumer in der Urteilsbegründung. Man habe jedoch keine Feststellungen dazu treffen können, dass der Italiener wusste, was für Unterschriften er leistete oder sogar von der Beute persönlich profitierte.

Anders als der eigentliche Betrüger, der bereits 2020 zu einer Haftstrafe von vier Jahren und fünf Monaten verurteilt worden war, konnte sich der Strohmann-Geschäftsführer über eine Bewährungsstrafe freuen. Sollte er je wieder nach Deutschland kommen und innerhalb der nächsten drei Jahre eine weitere Straftat begehen, würde er ins Gefängnis müssen. Die Zeit in der Untersuchungs- und Auslieferungshaft bekäme er dann aber angerechnet.

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