Vorerst auf freiem Fuß

Nach Feuersbrunst in Rünthe: Drei Jahre Haft für Brandstifter

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Dem Angeklagten wurde im Urteil eine „narzisstische Persönlichkeitsstörung“ attestiert.

Bergkamen/Dortmund – Wegen Brandstiftung, räuberischer Erpressung und Körperverletzung muss ein 57-jähriger Bergkamener für drei Jahre ins Gefängnis. Nach eigenem Geständnis hatte der Handwerker am 28. Oktober 2016 sein ihm zur Hälfte gehörendes Eigenheim in der Straße Zum Füllort absichtlich abgefackelt und dadurch total zerstört.

Die Richter am Dortmunder Landgericht sind außerdem davon überzeugt, dass der Angeklagte knapp drei Jahre nach dem Bergkamener Totalbrand seine damalige Lebensgefährtin in Waltrop während eines Streits körperlich misshandelte, bedrohte und zur Herausgabe von rund 600 Euro zwang. Ihr hochwertiges Auto, mit dem das frisch getrennte Paar am Tattag unterwegs war, wurde von dem Angreifer versteckt und erst längere Zeit später dessen Standort genannt. 

Für den Angeklagten und seine beiden Verteidiger kam der Richterspruch mit den Worten des Vorsitzenden Richters Dirk Kienitz „sicherlich nicht überraschend“. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung hatten in ihren Schlussvorträgen übereinstimmend eine Haftstrafe von drei Jahren für ausreichend angesehen. Mit dem Ergebnis waren beide Seiten dann auch offenkundig zufrieden – noch im Gerichtssaal wurde der Richterspruch rechtskräftig. Unter strengen Meldeauflagen wurde zudem nach rund acht Monaten in Untersuchungshaft der Haftbefehl aufgehoben – der Verurteilte konnte somit als vorläufig freier Mann den Gerichtssaal verlassen. 

Strenge Auflagen

Er muss sich von seiner Bergkamener Wohnung aus zwei Mal in der Woche bei der Polizei melden und darf auf keinerlei Weise Kontakt mit seiner Ex-Ehefrau und seiner früheren Lebensgefährtin aufnehmen. Der Vorsitzende Richter skizzierte in der Urteilsbegründung noch einmal den Charakter des Bergkameners, dem ein Gutachter eine narzisstische Persönlichkeitsstörung attestiert hatte. Er sei leicht kränkbar, brauche stets Anerkennung und reagiere mit Aggression und heftiger Abwehr, wenn er nicht seinen Willen bekomme. 

Die Spuren des Brandes sind immer noch sichtbar.

Diese wesentlichen Charakterzüge hatten auch seine langjährige Ehe sowie die Beziehung zu der Waltroperin geprägt und immer wieder Konflikte hervorgerufen. Um seine Frau zu schädigen, hatte er im Oktober 2016 das mit viel Mühe und Kosten von ihm sanierte Eigenheim gezielt in Brand gesetzt. Es drohte die Zwangsversteigerung und die Aufteilung des Hauserlöses in zwei Teile. Die geschiedene Ehefrau konnte dem Gericht jedoch als Zeugin vor Gericht berichten, dass sie durch eine Brandversicherung mit rund 90 000 Euro entschädigt worden ist. 

Der Bergkamener steht nach Abschluss des Prozesses vor den Trümmern seiner Existenz, hat sämtliche familiäre Bindungen verloren und einen Berg an Schulden aufgetürmt.

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