Nach Empfehlung der Evangelischen Landeskirche

Presbyterien in Bergkamen entscheiden über Verzicht auf Präsenzgottesdienste

Die Christuskirche in Rünthe könnte an Weihnachten in diesem Jahr leer bleiben. Zumindest empfehlen die Evangelische Landeskirche und auch der Kirchenkreis Unna, alle Präsenzgottesdienste abzusagen.
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Die Christuskirche in Rünthe könnte an Weihnachten in diesem Jahr leer bleiben. Zumindest empfehlen die Evangelische Landeskirche und auch der Kirchenkreis Unna, alle Präsenzgottesdienste abzusagen.

Die Presbyterien der beiden evangelischen Gemeinden in Bergkamen beraten am Mittwochabend darüber, wie sie mit der Empfehlung ihrer Landeskirche umgehen, zur Eindämmung der Corona-Pandemie in der Zeit des Lockdowns und damit auch zu Weihnachten auf Präsenzgottesdienste zu verzichten. Die Ergebnisse sollen den Gläubigen bis Freitag mitgeteilt werden. Bei einem Verzicht, so ist zu hören, könnte es alternative Angebote geben.

Bergkamen – Dr. Karsten Schneider, Superintendent des Kirchenkreises Unna, legt den zwölf Gemeinden in Bergkamen, Kamen, Unna, Holzwickede und Fröndenberg nahe, der Empfehlung ihrer Landeskirche zu folgen. „Die Gottesdienste sind zwar weiterhin erlaubt, wir möchten aber ganz bewusst Verantwortung übernehmen und Kontakte verringern, wo es geht. Damit setzen wir auch ein Zeichen der Solidarität mit allen, die, auf welche Weise auch immer, vom Lockdown betroffen sind.“

„Eilige Weihnachten – Evangelische Seelsorger sind an Heiligabend mit 15 Gottesdiensten gefordert.“ So hatte der WA mit Blick auf die Martin-Luther-Gemeinde (Rünthe/Oberaden) erst vor gut einer Woche getitelt. Nun steht ein riesengroßes Fragezeichen hinter den ambitionierten Plänen.

„Ein Gebot der Vernunft“

Am späten Dienstagabend wurde die Empfehlung der Evangelischen Landeskirche öffentlich. Für sie sei es ein „Gebot der Vernunft“, auf Versammlungen möglichst zu verzichten, um Menschen nicht zu gefährden, hieß es.

Laut Sophie Ihne, Pfarrerin in der Martin-Luther-Gemeinde und dort aktuell Vorsitzende des 16-köpfigen Presbyteriums, haben die hiesigen Gemeinden schon am gleichen Tag auf Ebene des Kirchenkreises vereinbart, gemeinsam zu kommunizieren, wie sie mit dieser Einschätzung umgehen.

Tatsache ist: Die Empfehlung ist keine Weisung. Gottesdienste wären auch nach den verschärften Corona-Bedingungen wie geplant möglich, und darüber können Gemeinden auch selbstständig entscheiden. Ihne hat das Presbyterium zu einer Sondersitzung eingeladen, die – natürlich – digital stattfand.

Wir würden nicht einfach alle Türen abschließen.

Pfarrerin Sophie Ihne

Den Beratungen des Gremiums könne und wolle sie nicht vorgreifen, sagt die Geistliche am Mittwochmorgen. Ihrer Einschätzung nach sei es aber wenig realistisch, dass die Ratschläge aus Bielefeld und Unna komplett unberücksichtigt blieben.

Ihr persönlich sei es im ersten Moment schwergefallen, die Empfehlung zum Verzicht auf Gottesdienste nachzuvollziehen, so Ihne. Mit Blick auf die steigenden Corona-Zahlen könne sie den Weg der Landeskirche aber mittragen. „Sicherheit und Gesundheit gehen vor.“

Ein möglicher Wegfall von gemeinsamen Feiern bedeute nicht, dass sich die Kirche zu Weihnachten zurückziehe, sagt Ihne. „Wir werden nicht einfach die Türen abschließen“, betont sie. Vielmehr sei man im Zweifel gefordert, alternative Ideen zu entwickeln und umzusetzen.

Suche nach Alternativen

So eine Idee könnte eine offene, geschmückte und festlich beleuchtete Christuskirche sein, in der Gemeindeglieder an Heiligabend unter Einhaltung der Corona-Regeln verweilen können. In jedem Fall biete die am Montag aufgestellte Krippe am Haus der Mitte Anlass zur Besinnung. Auf dem dortigen Parkplatz sollen den bisherigen Planungen nach zwei Open-Air-Gottesdienste stattfinden.

Noch wichtiger als Weihnachten sei ihr die Botschaft von Weihnachten, betont Ihne. Diese Botschaft könnten Kirchenbesucher etwa in Form einer kleinen Weihnachtsgabe mit nach Hause tragen, wenn sie die Christuskirche besuchten.

Auch das Presbyterium der Evangelischen Friedenskirchengemeinde (Weddinghofen, Mitte, Overberge) trifft sich am Mittwochabend am Bildschirm, um über die Aktivitäten zu Weihnachten zu beraten und Entscheidungen zu treffen. „Der Termin war ohnehin angesetzt“, berichtet Pfarrer Frank Hielscher. Auch er betont, dass ein kompletter Rückzug der Kirche zum Fest ausgeschlossen ist. Falls keine Gottesdienste stattfänden, müsse über anderen Formen der Besinnung nachgedacht werden, etwa über reines Orgelspiel in der Kirche. Auch hätten die Mitglieder des Posaunenchors Stücke eingeübt, die sie eigentlich beim Open-Air-Gottesdienst an Heiligabend an der Thomaskirche vortragen wollten.

„Absage gerade an Weihnachten sehr bitter“

„In einem Jahr, in dem wir auf so vieles verzichten mussten, haben Gemeinden gerade in die Vorbereitung dieser Gottesdienste viel Herzblut gelegt“, sagt Superintendent Schneider. „Da ist eine Absage gerade an Weihnachten sehr bitter und macht mich traurig. Aber ich teile die Auffassung von Präses Kurschuss, dass es ein Gebot der Vernunft und der Nächstenliebe ist, zurzeit auf Versammlungen von Menschen möglichst zu verzichten.“

Jetzt schon seien Gottesdienste geplant, die online stattfinden. Auch werden kleinere Formate wie offene Kirche mit der Gelegenheit zum Gebet und zur Stille vorbereitet, so der Kirchenkreis.

Heilig Geist: Besucherzahl bei den Open-Air-Gottesdiensten in der Marina Rünthe halbiert

Über die steigenden Corona-Zahlen ist auch die katholische Kirche besorgt. So hat das Erzbistum Paderborn die Regeln für Gottesdienste vor dem Hintergrund der neuen Corona-Bestimmungen am Mittwoch noch einmal verschärft. Laut Pfarrer Thorsten Neudenberger hält die Gemeinde Heilig Geist diese aktualisierten Regeln mit ihrem eigenen Hygienekonzepten aber bereits ein. Zwei freiwillige Änderungen seien indes für die beiden Open-Air-Gottesdienste an Heiligabend in der Marina Rünthe beschlossen worden. So sind hier nur noch 75 Besucher und damit die Hälfte der ursprünglich 150 je Feier zugelassen. Außerdem wird auf das gemeinsame Singen verzichtet, das in den Kirchen im Erzbistum ohnehin ausgesetzt ist. Der 15.30-Uhr-Gottesdienst unter dem Thema „Ein Licht erstrahlt“ richtet sich vor allem an Familien mit kleineren Kindern. Ist der Nachwuchs schon älter, bietet sich die 17- Uhr-Feier (Thema: „Weihnachtslob“) an.

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