1. wa.de
  2. Lokales
  3. Bergkamen

Dreifacher Großvater soll 14-Jährige auf Kirmes sexuell belästigt haben

Erstellt:

Von: Jana Peuckert

Kommentare

Amtsgericht in Kamen
Vor den Richtern in Kamen stritt der 58-Jährige die Tat ab. Die Juristen glaubten aber der Jugendlichen. © Bellgardt, Katharina

Die Kirmes in Bergkamen am 3. April wird eine 15-Jährige wohl nicht mehr vergessen. Aber nicht etwa, weil der Tag so schön war – im Gegenteil. Die Schülerin wurde Opfer einer sexuellen Belästigung.

Bergkamen/Kamen - Das Mädchen ist mit einer Freundin und einem Kumpel unterwegs, als ein angetrunkener Mann auf sie zukommt und sie anspricht. Er will den Mädchen unbedingt eine Karussellfahrt spendieren. Offenbar ist der 59-Jährige dabei derart aufdringlich, dass die Freundinnen nachgeben.

Nach der Fahrt auf der Kirmes in Bergkamen wollen sich die damals 14-Jährigen entfernen. Doch plötzlich nimmt der Bergkamener eine der beiden in den Arm, küsst sie auf die Wange, greift ihr an den Po und versucht, ihre Brüste anzufassen.

Aus eigener Kraft schafft es die Schülerin nicht, sich aus dem Griff zu befreien. Erst das Eingreifen ihres Kumpels kann die Umarmung lösen. Der 59-Jährige verschwindet. Mitarbeiter der Security nehmen seine Verfolgung auf und verständigen die Polizei.

15-Jährige muss aussagen

Und so landete der Mann auf der Anklagebank des Amtsgerichts Kamen. „Ich kann mich nicht erinnern. Ich sehe sie (die Geschädigte/Anmerkung der Redaktion) hier das erste Mal“, erklärte der Mann. Er sei dreifacher Opa und würde nie ein Mädchen sexuell motiviert anfassen. Er bezichtigte die Schülerin der Lüge, erklärte, dass sie ihn vielleicht erpressen wollte. Dass er alkoholisiert gewesen war, gab der Angeklagte zu. Die Tat an sich stritt er ab.

Damit blieb der 15-Jährigen eine Aussage im Zeugenstand nicht erspart. Der Mann sei auf sie zugekommen, als sie auf einer Bank gesessen hätten, begann ihre Schilderung. Dann sei er ihnen gefolgt: „Er hat uns angesprochen, ob Kirmes ist. Ich hatte schon ein komisches Gefühl im Bauch.“ Nach der spendierten Karussellfahrt habe er sie einfach in den Arm genommen, geküsst und angefasst, so die Schülerin.

Der Angeklagte blieb weiter dabei, nichts Unrechtes getan zu haben. Vielleicht habe er das Mädchen freundschaftlich umarmt. Das konnte die Geschädigte nicht auf sich sitzen lassen: „Sie haben mich angefasst, als wäre ich Ihre Freundin.“

„Sehr massives Verhalten“

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft glaubte letztlich der Zeugin und sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte die Schülerin sexuell belästigt hatte: „Er meinte, er hatte mit der Karussellfahrt auch die Erlaubnis erkauft, sie anzufassen. Das ist schon ein sehr massives Verhalten, das der Angeklagte hier an den Tag gelegt hat.“

Bis zum Schluss zeigte sich der Bergkamener zu Unrecht beschuldigt: „Es ist unglaublich. Für mich ist das ein Schock. Ich bin kein gefährlicher Mann, ich bin ein Opa.“ Der Richter verurteilte den Mann zu 1800 Euro Geldstrafe. Er betonte, dass er keinerlei Zweifel an der Aussage der 15-Jährigen habe.

Auch interessant

Kommentare