1. wa.de
  2. Lokales
  3. Bergkamen

Nach dem Hausbrand steht Bergkamener Familie vor dem Nichts

Erstellt:

Von: Sabine Pinger

Kommentare

Am zweiten Weihnachtstag brannte der Dachstuhl des Wohnhauses am Westenhellweg in Bergkamen-Heil völlig aus.
Der Dachstuhl des Hauses von Oliver Fliegner ist durch das Feuer total zerstört. Auch im übrigen Gebäude haben die Flammen und das Löschwasser zu enormen Schäden geführt. © Volkmer

Retten, was noch zu retten ist. Damit sind Oliver Fliegner und seine Familie derzeit beschäftigt. Ein Feuer im Haus der Bergkamener hat am zweiten Weihnachtstag fast alles vernichtet, was ihnen gehört, das Löschwasser ein Übriges getan. Zum Glück stehen Fliegner, seine Frau Petra Stange, sein Stiefsohn Tim und seine 78-jährige Mutter nicht alleine da: Die Hilfsbereitschaft der Menschen in ihrer Umgebung ist enorm.

Bergkamen-Heil - „Es geht uns den Umständen entsprechend gut“, sagt der 53-Jährige. Er wirkt dennoch angespannt, denn natürlich sitzt der Schock noch tief. Vor allem für seinen Stiefsohn bestand schließlich Lebensgefahr. Der 20-Jährige hielt sich zum Unglückszeitpunkt in seinem Zimmer im Dachgeschoss auf. Dort, im Obergeschoss, war das Feuer in der Nacht mutmaßlich ausgebrochen. Der junge Mann wurde gänzlich von den Flammen eingeschlossen. Oliver Fliegner hat versucht, ihm zur Hilfe zu kommen, nachdem er von der herausspringenden Hauptsicherung geweckt und auf das Feuer aufmerksam gemacht wurde. Durch das Treppenhaus war jedoch kein Durchkommen mehr, wie er später berichtet. Die Flammen hätten dort wie eine Wand gestanden. Mit dem Feuerlöscher konnte er dagegen nichts mehr ausrichten.

Seine Frau und er bemühten sich daher, mit einer Leiter von Außen zum Sohn zu gelangen, was sich aber äußerst schwierig gestaltete. Dass der 20-Jährige den Brand trotzdem überlebt hat, verdankt er wohl nur dem Zufall. Ein Mann, der gerade in der Gegend unterwegs war, entdeckte nämlich den Feuerschein am Westenhellweg. Der Lünener ist Feuerwehrmann. Er eilte sofort zum brennenden Haus und half. Mithilfe der Leiter holte der Lebensretter den jungen Bergkamener aus einem Giebelfenster aus dem lichterloh in Flammen stehenden Dachstuhl.

Hund hat das Unglück nicht überlebt

Tim wurde dann später gemeinsam mit seinem Stiefvater in eine Klinik gebracht. Es bestand der Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung, zudem hatten die Zwei mehrere Brandverletzungen. Nach kurzer Zeit konnten die Beiden das Krankenhaus aber wieder verlassen.

Für den Hund der Familie kam hingegen jede Hilfe zu spät. Er hat das Feuer nicht überlebt. Fliegners Frau und seine Mutter blieben unverletzt. Sie konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Die Zeit, wichtigen Besitz mitzunehmen, blieb ihnen indes nicht. Der Brand weitete sich blitzschnell aus.

Die 78-jährige Mutter von Oliver Fliegner ist zu ihrer Tochter nach Weddinghofen gezogen. Er selbst wohnt im Augenblick mit seiner Frau und seinem Sohn bei seiner Schwägerin in Oberaden. „Ende der Woche ziehen wir aber in eine Wohnung nach Selm“, erzählt der Maschinenbautechniker. Die stellt ihm sein bester Freund zur Verfügung. „Er hat sie gerade hergerichtet und wollte sie eigentlich vermieten. Jetzt dürfen wir erst mal einziehen“, ist der Bergkamener dankbar für das großzügige Angebot. Miete verlangt der Freund nicht dafür. „Aber vielleicht zahlt die Versicherung einen Anteil“, hofft Fliegner.

Auch die sei sehr kooperativ. „Es läuft super“, ist der Bergkamener froh, dass der Makler ebenfalls ein Bekannter der Familie ist und sich sehr für sie einsetzt.

Hausbrand am Westenhellweg in Bergkamen-Heil
Mit rund 100 Kräften war die Feuerwehr am zweiten Weihnachtstag am Westenhellweg in Bergkamen-Heil im Einsatz © Wüllner

Um den genauen Schaden zu ermitteln, muss die Familie jetzt eine Liste mit all dem aufstellen, was durch den Brand zerstört wurde. „Hier und da fällt einem dann immer wieder etwas ein, was einem fehlt“, beschreibt Oliver Fliegner. Leicht ist das nicht. Es geht immerhin um alles, was er und seine Angehörigen besitzen – vom Kopfhörer bis zum Schlafzimmerschrank.

Das 1955 von Fliegners Großeltern errichtete Haus war zunächst für die Bewohner tabu. Zum einen ist das Betreten nach dem Feuer gefährlich, zum anderen haben sich Experten das Gebäude gründlich vorgenommen. Sie ermitteln die Brandursache, haben nach Spuren gesucht und verschiedene Proben genommen. Die werden nun im Labor untersucht und ausgewertet. Noch steht nicht fest, was genau die Katastrophe ausgelöst hat, wie die Kreispolizei angibt.

Die Bergkamener dürfen ihr schwerbeschädigtes Heim aber immerhin wieder betreten – auf eigene Gefahr. Sie holen zurzeit das heraus, was noch zu gebrauchen ist. „Die meisten Möbel sind vom Löschwasser vollgesogen und aufgequollen“, sieht Oliver Fliegner dafür wenig Chancen. Die meisten Kleidungsstücke sind hinüber, verbrannt oder durch Rußpartikel nicht mehr tragbar. Vom Hausrat lässt sich hingegen einiges vielleicht noch nutzen, Geschirr zum Beispiel, Töpfe, Kleingeräte. „Die Sachen, die im Schrank waren, sind teilweise noch zu retten“, schildert der 53-Jährige. Alles muss aber gründlich gereinigt werden, etliches getrocknet, wie etwa Fotoalben, Bücher und Papiere. „Einen Teil haben wir zu einer Firma zur Aufbearbeitung gebracht.“

Während der 53-Jährige aus dem ersten Geschoss, in dem er mit seiner Frau lebt, und aus der Wohnung seiner Mutter im Erdgeschoss einiges bergen kann, gibt es für das Hab und Gut seines Stiefsohnes keine Rettung mehr. Kleidung, Einrichtung, Erinnerungsstücke – im Dachgeschoss ist alles verbrannt.

Freunde, Nachbarn und Vereine helfen

Besonders schlimm für den 20-Jährigen: Auch seine Schulsachen sind nur noch Asche, sämtliche Bücher, Hefte und Aufzeichnungen. Dabei muss er sich demnächst auf die Abiturprüfungen am Berufskolleg vorbereiten. „Er hat aber viel Unterstützung von der Schule. Seine Lehrerinnen waren schon bei uns, er hat Kleider- und Geldspenden bekommen“, erzählt Oliver Fliegner. Und die Mitschüler würden außerdem mit Lernmaterial aushelfen.

All das hilft der Familie, zuversichtlich zu bleiben und nicht zu verzweifeln. Die spontane Hilfe der Nachbarn, Freunde, Kollegen und auch völlig fremden Menschen berührt sie. Die Martin-Luther-Gemeinde hat über den Evangelischen Kirchenkreis Unna und auf Initiative der Frauenhilfe Heil sogar eigens ein Spendenkonto für die Brandopfer eingerichtet (siehe Kasten). Im Gemeindebüro kann Geld zudem in bar abgegeben werden. Es wird dann weitergeleitet.

Spendenkonten

Wer für die Familie spenden möchte, hat dazu folgende Möglichkeiten:

. Spendenkonto beim Evangelischen Kirchenkreis Unna, Unter der IBAN DE53 4435 0060 0000 0216 59, Spendenzweck: Hausbrand Bergkamen-Heil

. Konto Königsblau Oberaden 2000, IBAN: DE 13 4105 1845 0005 0149 31, Verwendungszweck: Spenden Familie Fliegner

Ebenso hat der Schalke-Fanclub Königsblau Oberaden 2000, bei dem Fliegner und seine Frau aktiv sind, zu einer Spendenaktion aufgerufen. Bisher haben sich laut Klub mehr als 280 Personen, Vereine und Institutionen daran beteiligt.

Für das Aufräumen des Hauses stehen demnach gleichfalls etliche Helfer parat. Sobald das Gebäude von den Sachverständigen freigegeben worden ist, kann der Dachstuhl abgetragen und neu errichtet werden. Und irgendwann, wenn alles aufgeräumt und instandgesetzt worden ist, können die Bewohner in ihr Zuhause nach Heil zurückkehren.

Auch interessant

Kommentare