Bergkamener Geistliche haben erhöhte Nachfrage

Viel zu tun am Taufbecken: Familien haben Corona-Entwicklung erst einmal abgewartet

Tauftermine sind gefragt in den Bergkamener Kirchen. Viele Familien hatten die ursprünglichen Termine wegen Corona verschieben müssen.
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Tauftermine sind gefragt in den Bergkamener Kirchen. Viele Familien hatten die ursprünglichen Termine wegen Corona verschieben müssen.

Corona hat an vielen Stellen das Leben aufhalten - auch das kirchliche. Das macht sich jetzt, da wieder mehr erlaubt ist, unter anderem am Taufbecken bemerkbar.

Bergkamen – Vielerorts sind die Zahlen der Taufen in diesem Jahr merklich gestiegen. Auch in Bergkamen berichten die Geistlichen von mehr Taufterminen, denn etliche Familien haben mit der Taufe ihrer im vergangenen Jahr geborenen Kinder wegen der Corona-Pandemie gewartet.

Drei bis vier Taufen am Wochenende

„Wir haben in diesem Jahr deutlich mehr Taufen als im vergangenen Jahr“, berichtet Pfarrer Thorsten Neudenberger von der katholischen Heilig-Geist-Gemeinde. Zum einen taufen er und seine Kollegen die einige Wochen oder Monate vor der Taufe geborenen Kinder, zum anderen eben viele „Nachzügler“ aus dem vergangenen Jahr. „Da wollten die Eltern lieber warten, bis sie nach der Taufe mit den Angehörigen etwas feiern können“, sagt Neudenberger. Drei bis vier Taufen pro Wochenende sind darum nichts Ungewöhnliches in diesem Jahr.

Kindstaufe kam im Mittelalter auf

Dass die meisten Eltern ihre Kinder im Babyalter taufen lassen, sei übrigens eine Entwicklung, die ungefähr im Mittelalter eingesetzt habe, erklärt Neudenberger. Zuvor seien die Menschen als Erwachsene getauft worden. „Dann entstand die Angst, dass die Babys und Kinder vielleicht nicht in den Himmel kommen, wenn sie nicht getauft sind, seitdem wird so früh getauft.“ Papst Benedikt XVI. zum Beispiel sei schon einen Tag nach seiner Geburt getauft worden.

Insgesamt aber bemerkt Neudenberger, dass die Eltern ihren Nachwuchs wieder etwas später taufen lassen. „Ich wurde 1993 zum Priester geweiht, da haben die Eltern ihre Kinder mit etwa sechs Wochen taufen lassen.“ Inzwischen seien viele Sprösslinge, die das Sakrament empfangen, etwas älter.

Einzelgottesdienste, weil‘s sicherer ist

Auch die evangelische Martin-Luther-Kirchengemeinde vergibt derzeit vermehrt Tauftermine. „Wir haben wirklich viele Taufen“, sagt Sophie Ihne, Pfarrerin in Rünthe. Aktuell gebe es noch für jede Tauffamilie einen eigenen Gottesdienst. „Damit haben wir begonnen, weil wir während der Pandemie die Gruppen nicht mischen wollten“, erklärt die Pfarrerin. Mehrere Tauffamilien und dazu noch die Gemeinde in einer Kirche: Das wollten die Verantwortlichen vermeiden. „Diese Einzelgottesdienste kommen bei den Familien auch sehr gut an.“ Mitglieder der Gemeinde dagegen hätten sie schon angesprochen und gefragt, ob es gar keine Taufen mehr gebe. „Darum haben wir im vergangenen Jahr in der Christuskirche ein Familienfischernetz aufgehängt“, erzählt sie. Auf Papierfischen sind dort Fotos und Namen der getauften Kinder zu finden.“

Bei Eheschließungen unterschiedliches Bild

Anders als mit den Taufen verhält es sich in der Martin-Luther-Gemeinde mit den Hochzeiten. „Es gab einzelne Trauungen dieses Jahr, zum Beispiel bei Paaren, die sowieso nicht so groß feiern wollten.“ Viele Paare hätten ihren großen Tag aber weiter verschoben.

In der katholischen Gemeinde ist die Zahl der Hochzeiten in diesem Jahr etwas größer als im vergangenen. Auch wenn viele Paare ihre Trauung lieber in anderen Kirchen feiern. „Wir haben keine wirklichen Hochzeitskirchen“, sagt Neudenberger. Paare ließen sich gern in älteren Kirchen wie der Herz-Jesu-Kirche in Kamen-Heeren oder den Kirchen in Nordkirchen oder Cappenberg trauen.

Im Standesamt war mehr los als sonst

Einen kleinen „Boom“ dagegen verzeichnet das Bergkamener Standesamt: Während im vergangenen Jahr zwischen 1. Januar und 31. Juli 62 Paare standesamtlich heirateten (Gesamtjahr: 137), waren es im gleichen Zeitraum in diesem Jahr 79 Eheschließungen; mit Stand 13. August hatten 87 den Bund fürs Leben geschlossen

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