Wiedereröffnung der Friseure: Es sind zwar nur Haare...

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„Wie ein neuer Mensch“, fühlt sich Eleonore Sommer nach ihrem Friseurbesuch im Haarstudio.

Rünthe – Die Ladentür von Stephanie Humpert-Schöße muss etwas Magisches an sich haben, denn wer immer an diesem Montag aus ihr heraustrat, hatte ein Lächeln auf dem Gesicht. Nur wenige Lockerungen seit Beginn der Corona-Krise dürften so viele Menschen glücklich gemacht haben, wie die Wiedereröffnung der Friseurläden. „Man fühlt sich wie ein neuer Mensch“, sagte Eleonore Sommer, als sie am Nachmittag aus den Räumen von „Haargenau“ an der Rünther Straße in Freie tritt.

Sommer war eine derjenige, die gleich am ersten Tag nach dem Corona-Lockdown einen Termin ergattert hat. „Ganz zufällig“, wie sie versichert. Sie habe einfach das Datum und die Uhrzeit genommen, die ihr Inhaberin Humpert-Schöße angeboten hatte. Die Vorfreude war groß: „Das ganze Wochenende konnte ich nicht schlafen“, sagt sie lachend.

Sechs Wochen und mehr kein Friseurbesuch

„Es sind nur Haare, aber es ist ein anderes Gefühl“, sagt Ralf Insinger vom gleichnamigen Salon an der Schachtstraße. Immerhin sechs Wochen hatte die Corona-Krise die Friseure zur Untätigkeit gezwungen. Sommer, die noch Anfang März zum letzten Mal zum Haareschneiden gewesen war, hatte zwischenzeitlich ihren Lebensgefährten gebeten, den Nacken auszurasieren. „Hat er gut gemacht, aber ein bisschen schief“, erzählt sie gut gelaunt.

Zusätzliche Öffnungstage, großer Mehraufwand

Während viele Friseure normalerweise montags geschlossen haben, ist bei „Haargenau“ der Mittwoch der freie Tag. Doch in den ersten Wochen wird Humpert-Schöße den Laden geöffnet haben, um den Kunden mehr Termine anzubieten. Denn Corona hin oder her, die Haare sind natürlich trotzdem gewachsen. Der ganze Mai ist im Grunde schon mit Terminen belegt. Aber nicht nur weil mehr Kunden auf ihren Friseurbesuch drängen, ist es so voll. Die Vorschriftsmaßnahmen sorgen auch für einen Mehraufwand, es können nicht alle Stühle belegt werden, zudem sind eigentlich übliche, zeitsparende Abläufe nicht möglich. „Man kann nicht bei einer Kundin Farbe auftragen und in der Zwischenzeit eine andere schneiden“, sagt Insinger. Jeder Friseur darf nur eine Person behandeln. Vom derzeit verpflichtenden Waschen bis zur Abnahme des Umhangs muss alles aus einer Hand sein, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Ralf Insinger hat extra schon am Montag seinen Salon aufgemacht, um mehr Terminwünsche der Kunden entgegennehmen zu können.

Friseure am Tag 1 nach der Öffnung

Friseure am Tag 1 nach der Öffnung
Friseure am Tag 1 nach der Öffnung
Friseure am Tag 1 nach der Öffnung
Friseure am Tag 1 nach der Öffnung
Friseure am Tag 1 nach der Öffnung

Arbeit statt Urlaub

Insinger hatte sein Geschäft gestern extra aufgemacht, seine drei Mitarbeiter nehmen ab Dienstag ihre Arbeit wieder auf. „Ich mache schon am Montag einige Kunden glücklich“, sagt er. Eigentlich wäre er jetzt im Urlaub auf Nordeney gewesen, aber der fällt wegen Corona flach. Auch bei ihm liegt der Vorlauf für die Termine bei drei bis vier Wochen. In Insingers Salon verteilen sich die Stühle dabei so, dass der vorgeschriebene Abstand eingehalten wird und alle gleichzeitig arbeiten können.

Auch Männer bekommen den Kopf gewaschen

Die Maßnahmen kosten aber Zeit und Geld. Eine Viertelstunde länger dauert ein Besuch laut Insingers Schätzung im Durchschnitt ungefähr. „Im Grunde ist immer ein Neuschnitt nötig“, ergänzt Humpert-Schöße, die ebenfalls mehr Zeit einplant. Schon bei der Terminvergabe, da die Wartebereiche nicht mehr benutzt werden dürfen. Dazu kommt der zusätzliche Aufwand für die Hygiene wie das Desinfizieren der Scheren und Kämme nach jedem Kunden. Alle müssen nun die Haare gewaschen bekommen, vor allem für die Männer dürfte das eine neue Erfahrung sein. „Wir nehmen einen Hygieneaufschlag von zwei Euro“, erklärt Humpert-Schöße. Handtücher, Umhänge – alles ist nun einweg. Die Lieferungen kamen wenigstens rechtzeitig. „Im Moment soll es keine mehr geben. Wir haben aber noch 500 Umhänge bekommen, die reichen für eine gewisse Zeit“, sagt Insinger.

Friseure am Tag 1 nach der Öffnung

Friseure am Tag 1 nach der Öffnung
Friseure am Tag 1 nach der Öffnung
Friseure am Tag 1 nach der Öffnung
Friseure am Tag 1 nach der Öffnung
Friseure am Tag 1 nach der Öffnung

Großer Abstand zwischen den Kunden

Humpert-Schöße hat die Kasse direkt hinter der Eingangstür aufgebaut, eine durchsichtige Fensterfolie aufgehangen, hinter der sie nun die Telefonate, aber auch das Geld und die neuen Terminwünsche der Kunden entgegennimmt. So entlastet sie ihre drei Mitarbeiterinnen, die sich ganz um ihre Arbeit kümmern können. „Gott sei Dank haben wir einen großen Salon“, ist sie froh, alle drei gleichzeitig einsetzen zu können. Lediglich einen Stuhl an jeder Wand hat sie herausgenommen, um den Abstand zu vergrößern.

Freude über das Wiedersehen

Trotz der ganzen Vorkehrungen, die auch in den kommenden Wochen zu beachten sind und die Humpert-Schöße als „extrem umständlich“ beschreibt, sind die Friseure froh, wieder arbeiten zu dürfen. Mit den vielen Stammgästen ist es wie ein kleines Wiedersehen. „Man kennt die Kunden von Kindesbeinen an“, sagt Insinger, der seinen Salon seit 40 Jahren betreibt. Humpert-Schöße hat nicht nur viele glücklichen Menschen gesprochen („Schön, dass Sie wieder geöffnet haben.“), sondern denkt auch an die Leute im angrenzenden Seniorenheim „Seniorenglück Haus Rünthe“, wo sie Geschäftsführerin ist. „Für die ist es auch endlich wieder eine Abwechslung.“

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