Evakuierung an der Töddinghauser Straße

Nach dem Turmarkaden-Brand: Bewohner verzweifeln in der Not-Unterkunft

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Rita und Günther Luft sind verzweifelt, aber auch voller Kampfgeist. 

Bergkamen – Nachdem die Hochhäuser an der Töddinghauser Straße geräumt werden mussten, müssen einige Bewohner in den städtischen Notunterkünften leben. Ohne Informationen, wann sie wieder nach Hause können. Die Wut über ihre Situation und auf die Verwaltung wächst.

Als am Mittwoch die Wohnhäuser an der Töddinghauser Straße geräumt wurden, war Hartmut Stracke nicht da. Der 52-Jährige lag im Krankenhaus, am Tag zuvor war er an der Schulter operiert worden. Seit Freitag lebt er in der städtischen Notunterkunft, den Arm in der Schlinge – und den Schock in den Augen. 

Seit 17 Uhr Mittwochnachmittag ist das Leben für die knapp 100 Bewohner der Hochhäuser in der Töddinghauser Straße kompliziert. Ihre Wohnungen mussten aufgrund von erheblichen Brandschutzmängeln geräumt werden. Die meisten konnten privat unterkommen, doch 16 Personen mussten auf die städtische Notunterkunft ausweichen. Und die meisten von ihnen sind wütend – auf die Stadt, die Landes- und die Bundesregierung. 

Notunterkunft für die Bewohner der geräumten Häuser in Bergkamen

Angespannte Stimmung in der Notunterkunft

Die Stimmung ist angespannt, einigen Bewohnern kommen die Tränen, wenn sie über ihre Situation sprechen. Die meisten sind müde, weil sie in den fremden Betten nicht schlafen konnten. Sie leben auf beengtem Raum, in Einzimmer-Appartments mit kleinen Bädern. 

Kaum Privatsphäre hat Bettina Marschall - die 51-Jährige muss sich ihre Unterkunft mit einer Nachbarin teilen.

Bettina Marschall muss sich sogar mit einer Nachbarin eine kleine Wohnung teilen. Die beiden kannten sich bereits, haben manchmal Kaffee miteinander getrunken. Doch das ist etwas anderes als das Leben zu zweit auf engem Raum. Marschall ist 51 Jahre alt und nicht gesund. Ihre neue Mitbewohnerin ist 86 Jahre alt und lebt jetzt im zweiten Obergeschoss. Die Treppen machen ihr Schwierigkeiten. 

Alles ist neu, aber eng und unfertig

Die Notunterkunft an der Fritz-Husemann-Straße ist ein Provisorium. Alles ist neu, aber unfertig. „Zu Beginn war nicht einmal der Herd angeschlossen“, erzählt Hartmut Stracke. Er lebt zumindest allein in seinem Raum. Der Fernsehanschluss funktioniert nicht, es gibt kein W-Lan und der Handyempfang ist schlecht. Seit Freitag gibt es für die Bewohner einen Spiegelschrank im Bad und einen Tisch. „Eine Halterung für das Toilettenpapier gibt es nicht und wird es auch nicht geben. Man sagte mir, die Stadt ist ja zu nichts verpflichtet“, erklärt Stracke. 

Hartmut Stracke war im Krankenhaus, als die Evakuierung stattfand.

Er ist ruhig, benötigt noch Zeit, um sich an die neue Situation zu gewöhnen. Vier Wochen noch muss er seinen Arm nach der Schulter-OP schonen. Er kann kaum schlafen.

Stadt wehrt sich gegen Vorwürfe

Eine Etage unter Stracke wohnt das Ehepaar Luft. Die erste Nacht verbrachten sie in Stockbetten, jetzt haben sie Einzelbetten. „Wir werden bis zuletzt um unsere Wohnung kämpfen“, sagt Günter Luft. Seine Frau Rita bestätigt, die beiden bleiben dran, fordern mehr Informationen vom Verwalter und der Stadt. Am Montag gehen sie zum Rechtsanwalt. 

Wütend sind auch Usa und Jürgen Kruse. Sie fühlen sich von der Stadtverwaltung und vom Bürgermeister im Stich gelassen, hoffen auf mehr Informationen über die Sperrung und möchten wissen, wann sie zurück können. Das fragen sich alle Bewohner. 

Wütend auf die Verwaltung und vor allem den Bürgermeister sind Usa und Jürgen Kruse.

Derweil sind die Häuser an der Töddinghauser Straße abgesperrt worden, ein Bauzaun verhindert den Zutritt. Die Bewohner kommen nur mit einem Sicherheitsdienst in ihre Wohnungen. Die Mitarbeiter bleiben vor der Tür stehen und warten, bis sie wieder herauskommen, damit sich niemand verbarrikadiert.

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