Nach Turmarkaden-Brand

Immer mehr Unklarheiten: Stadt Bergkamen gibt Fehler bei Turmarkaden zu

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Bergkamen – Der ausführliche Bericht vom Ersten Beigeordneten Dr. Hans-Joachim Peters zum Sachstand der Stadt über die Räumung der Töddinghauser Straße zeigte: Noch viele Fragen sind ungeklärt. Und es entstehen immer weitere.

Dabei machte Peters auch transparent, dass die Stadt Fehler gemacht hat. Besonders zwei Punkte in seiner Präsentation zeigten weitreichende Versäumnisse der Behörden.  

– Wohnhaus oder Hochhaus: 

Die Wohnhäuser Töddinghauser Straße 135 und 137 wurden 1971 genehmigt. In der Ursprungsgenehmigung waren sie Teil des Stadtmitteprojekts mit verschiedenen Geschäften, der Sparkasse, dem Cityturm und dem Terrassenhaus West. Hierbei wurde nur der bereits abgerissene Wohnturm als Hochhaus bezeichnet. Die Häuser 135 und 137 jedoch als „Wohngebäude“. 

Die Stadt hat die Akten neu bewertet und kommt nun zu der Ansicht, dass die beiden Wohnhäuser Hochhäuser sind, da der Fußboden des höchsten Raums über 22 Metern liegt. Da sie zuvor nicht als Hochhäuser galten, gab es keine Brandschauen. Diese sind nur für Hochhäuser und Sonderbauten verpflichtend.

Kein Widerspruch gegen Räumung: Schwere Vorwürfe treffen Verwalter

- Die Brandschau 2010: 

Laut dem Vortrag von Dr. Peters gab es im Dezember 2010 trotzdem eine sogenannte Brandschau von der Brandschutzdienststelle Kreis Unna. Diese kritische Besichtigung war eine Reaktion auf die Feuerwehr: Die Einsatzkräfte hatten im November 2010 festgestellt, dass die Brandmeldeanlage abgeschaltet worden war. Bei der Brandschau wurden mehrere Mängel feststellt, die zur Baugenehmigung „Brandschutztechnische Instandsetzung des Gebäudes“ im Juni 2011 führten. 

Drei Auflagen mussten die Eigentümer laut Baugenehmigung erfüllen: die Abfallschächte schließen, vernetzungsfähige Rauchmelder installieren und defekte Feuerschutztüren ersetzen. Der Bauherr teilte der Stadt nie mit, ob er die Auflagen erfüllt habe, sodass es keine Bauzustandsbesichtigung gab. 

Alles zu den Themen Turmarkaden und Räumung

Peters räumte im Ausschuss ein, dass nur eine Brandschau stattfand, weil die Gebäude nicht als Hochhäuser anerkannt wurden. In der Vergangenheit seien Fehler von Bauaufsichtsbehörde und Bauherren gemacht worden, die umfänglich untersucht werden müssten. Dies ändere jedoch nichts an der aktuellen Bewertung des Gebäudezustands und der vorliegenden Gefahrensituation. Er geht davon aus, dass die Gebäude bei früheren Brandschauen wohl eher hätten geräumt werden müssen.

Immer mehr Unklarheiten im Fall Turmarkaden und Räumung

Neue Erkenntnisse führen zu neuen Fragen. Auch Vorfälle aus der Vergangenheit lenken den Blick auf immer weitere Unklarheiten. Wir recherchieren und berichten weiter.

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