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Nach Automatensprengung: Wie kommen die Rünther nun an ihr Geld?

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Von: Bernd Kröger, Ansgar Wolfgart

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Sparkasse Zerstörung Scherben Explosion
Die Filiale der Sparkasse in Bergkamen-Rünthe wurde bei der Automatensprengung komplett zerstört. © Sparkasse Bergkamen-Bönen

[UPDATE] Der Schock über die Sprengung in der Sparkassenfiliale in Rünthe sitzt noch tief. Nun hat die Sparkasse Bergkamen-Bönen erklärt, was daraus folgt: Ausweichservice für Rünther Kunden und weitere Wege für die in Weddinghofen.

Rünthe – Die brachiale Sprengstoffattacke auf den Geldautomaten in der Filiale an der Rünther Straße hat die Sparkasse Bergkamen-Bönen zu einer neuen Risikobewertung veranlasst. Ergebnis: Der Ausgabeapparat in der Geschäftsstelle Weddinghofen ist leer geräumt. Er wird umgehend abgebaut, damit nicht auch dort Kriminelle unter Billigung der großen Gefahren für Unbeteiligte versuchen, mit solch einem zerstörerischen Gewaltakt Bargeld zu erbeuten. In diesem Ortsteil wird ein besserer Standort gesucht, in Rünthe führt der kürzeste Weg der Sparkassen-Kunden ab sofort zur Volksbank.

Sparkasse Zerstörung Scherben Explosion
Die Filiale der Sparkasse in Bergkamen-Rünthe wurde bei der Automatensprengung komplett zerstört. © Sparkasse Bergkamen-Bönen

Ohne die sonst erhobene Fremdnutzungsgebühr von 3,95 Euro pro Abhebung können Kunden mit dem roten S auf der Bankkarte dort Bares holen, weil das an der alten Adresse wegen der schweren Verwüstungen im gesamten Erdgeschoss nicht mehr möglich ist. Die Wiederinbetriebnahme eines Geldautomaten dort hat der Vorstandsvorsitzende Tobias Laaß zudem mit dem Hinweis offen gelassen, das müsse angesichts der vor Augen geführten Risiken auch verantwortbar sein.

Auf Dauer mit der Volksbank?

Anders als bei der vorsorglichen Demontage in Weddinghofen, zieht die Sparkasse hier keinen Ausweichstandort in Betracht. Ist da auf Dauer eine Kooperation mit der Volksbank denkbar? In anderen Orten teilen sich die Geldhäuser schon Räume. In Bönen etwa mit einem Sparkassen-Automat in der Volksbankfiliale. Es sei noch zu früh, um zu dieser Frage Auskunft zu geben, hieß es auf Anfrage der Redaktion.

In Weddinghofen gibt‘s Ersatz

Gleichwohl gehörten derlei Aspekte zu der Abwägung, die von den Banken für ihre Präsenz bei rückläufiger Kundenfrequenz vorzunehmen sind. Auch darauf hat Laaß bei der Frage nach der Zukunft der total zerstörten Filiale schon verwiesen. In Rünthe kümmerte sich noch eine Mitarbeiterin um die Kunden. Sie geht der Aufgabe nun von Oberaden aus nach. Die Geschäftsstelle Weddinghofen hat das Institut schon 2018 durch ein SB-Center ersetzt. Dort steht es aber im Wort, die Bargeldversorgung zu gewährleisten und sucht deshalb Ersatz.

Der schon stillgelegte Automat befindet sich dort in einem Hausflur, der zugleich Zugang zu Wohnungen und einem Ladenlokal ist. Die Wucht einer Detonation würde sich nicht durch eine breite Glasfront nach außen entladen, wie in Rünthe geschehen, sondern in dem Haus ein größeres Gefahrenpotenzial haben. Deshalb wurde sofort kenntlich gemacht, dass dieses Gerät keine Sprengstoffattacke mehr lohnt.

Im Vorjahr 176 Sprengattacken in NRW

Jährlich überprüft die Bank die Standorte auf Risiken dieser Art. Die Versicherungsprämie sind wegen der Vielzahl der Fälle immens geworden. Das Landeskriminalamt verzeichnete im vergangenen Jahr 176 solcher Sprengungen, in 116 Fällen kamen die Täter übrigens nicht an das Geld. Aber die Gefahr für Leib und Leben und die gewaltigen Schäden sind keinen anderen als mit Beute.

Sparkasse Zerstörung Scherben Explosion
Die Filiale der Sparkasse in Bergkamen-Rünthe wurde bei der Automatensprengung komplett zerstört. © Sparkasse Bergkamen-Bönen

Die massive Zerstörung in Rünthe mit einem Splitterfeld bis zu den gegenüberliegenden Häusern ist nach Erfahrungswerten der Ermittler wohl damit zu erklären, dass hier fester Sprengstoff verwendet wurde. Eine Landung wurde gezündet, um voran zu kommen, eine zweite auf dem Kopf des Automatentresors. Doch der hielt der Explosion stand.

Täter schrecken vor nichts zurück

Zu vorherigen Tatmustern gehörte das Einleiten von Gas in die Geräte. Doch anhand der laufend aktualisierten Sicherheitsempfehlungen des LKA an Banken und Hersteller wurde die Geräte mit Sensoren dagegen gewappnet. Das hatte aber eine „Aufrüstung“ der Kriminellen zu Folge, wie ein LKA-Sprecher sagte. Die hemmungslos agierenden Täter, im Fokus steht eine Gruppe von 350 bis 500 Niederländern, griffen daher zu anderen Sprengstoffen mit mehr Zerstörungskraft.

Schließfächer werden verlegt

Deshalb können die Mieter von Tresorschließfächern in Rünthe auch nicht an die Wertsachen darin gelangen. Die Anlage in einem anderen Raum blieb heil, sie wird nun im Tresor der Geschäftsstelle Oberaden wieder aufgebaut, wie die Bank mitteilte. Der Schutz in Rünthe sei bis dahin sichergestellt. Die betroffenen Kunden würden kurzfristig über die Abläufe informiert..

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