Nach Angriff auf Schüler und Lehrer: Prozess gegen Bergkamener beginnt

Bergkamen/Dortmund – Über zwei Jahre nach dem verstörenden Angriff eines Vaters auf einen Lehrer und Schüler der Willy-Brandt-Gesamtschule steht der mutmaßliche Angreifer wegen gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung vor dem Dortmunder Landgericht.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem zehnfachen Familienvater vor, am 12. April 2018 einen Lehrer, Schüler und Passanten angegriffen und bedroht zu haben. 

Mit einem Nunchaku, einem in der Öffentlichkeit verbotenen Würgeholz, habe er auf dem Schulgelände einen Lehrer angegriffen und ihm so zwei großflächige Blutergüsse an den Händen zugefügt. 

"Ich töte euch alle"

Schülern soll er wutentbrannt zugerufen haben: „Ich töte Euch alle!“ Auf seiner Flucht von dem Schulgelände soll er mit hoher Geschwindigkeit mit seinem Wagen bedrohlich in die Richtung von Passanten und Schüler zugefahren sein, ohne diese jedoch direkt anzufahren. Für Schüler und Lehrerschaft ein verängstigendes Gewaltgeschehen, dass der 36-jährige Bergkamener mit serbischen Wurzeln zu Prozessbeginn jedoch gänzlich anders darstellte. Mit deutlich aggressivem Unterton stellte sich der Mann als Opfer einer unvermittelten Attacke des Lehrers dar. 

Dieser habe mit seiner Aktentasche mehrfach vehement auf ihn eingeschlagen, nachdem er selbst zugegebenermaßen einige Schüler rassistisch beleidigt habe. Sechs seiner Kinder gingen auf die Gesamtschule und eine seiner Töchter habe ihm berichtet, dass sie von einigen Schülern bedroht werde. 

Einweisung in Psychatrie

Nach diesen habe er am Tatvormittag Ausschau gehalten und sei dabei von dem Lehrer aufgefordert worden, das Schulgelände zu verlassen. Quasi aus Notwehr habe er dann das Würgeholz gezückt, um sich gegen die Schläge des Lehrers mit der Aktentasche zu wehren. „Die habe ich immer dabei, mache damit bei uns im Hinterhof Kampfsportübungen für meinen lädierten Rücken“ behauptete der sichtlich aufgebrachte Angeklagte. 

Nach dem Vorfall auf dem Schulplatz fuhr er zur Polizei und wollte Strafanzeige gegen den Lehrer erstatten. Dort erkannte man seinen offenbar desolaten psychischen Zustand und ließ ihn für eine Woche in eine psychiatrische Klinik einweisen. Im Strafverfahren vor dem Dortmunder Landgericht werden zwei weitere bedrohliche und gewalttätige Übergriffe auf eine Justizangestellte und den Betreiber einer Autowerkstatt in Kamen verhandelt. 

Der Angeklagte konsumierte zum Zeitpunkt der Taten offenbar vermehrt Marihuana und zudem starke Schmerzmittel. Ein Gutachter wird im Verlaufe des Verfahrens darlegen, ob er als gefährlich für die Allgemeinheit gilt und in eine geschlossene Klinik eingewiesen werden muss. Der Prozess wird am 28. Mai fortgesetzt. Dann wird der Lehrer der Willy-Brandt-Gesamtschule als Zeuge vernommen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Karl-Josef Hi

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