5,01 Millionen Zuschauer

Nach „Aktenzeichen XY“: Dutzende Hinweise im Mordfall Saußen

In „Aktenzeichen XY“ mit ZDF-Moderator Rudi Cerne ging es am Mittwochabend auch um einen Mordfall in Bergkamen.
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In „Aktenzeichen XY“ mit ZDF-Moderator Rudi Cerne ging es am Mittwochabend auch um einen Mordfall in Bergkamen.

Große Resonanz auf den Zeugenaufruf im Mordfall Anne Saußen bei „Aktenzeichen XY“ am Mittwochabend im ZDF: Bis Donnerstagmittag sind bereits 37 Hinweise eingegangen. Zudem wurden weitere Details bekannt.

Bergkamen – Der Mordfall Anne Saußen war am Mittwoch Thema in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“. Im Zuge der Berichterstattung gingen bis Donnerstagmittag 37 Hinweise bei der ermittelnden Polizei in Dortmund ein. „Die werden nun ausgewertet“, sagt eine Behördensprecherin. Eine heiße Spur zu den unbekannten Tätern habe sich allerdings noch nicht ergeben.

„Aktenzeichen XY“: Hinweise unterschiedlicher Qualität

5,01 Millionen Zuschauer hatten die Fahndungssendung am Abend gesehen; nach ZDF-Angaben bedeutet dies ein Marktanteil von 18,1 Prozent. Die Hinweise seien – per Anruf oder E-Mail – sowohl im Fernsehstudio in München eingegangen, als auch direkt bei den Ermittlern in Dortmund, berichtet die Polizeisprecherin. Deren Qualität sei unterschiedlich. „Einige klingen vielversprechender als die anderen.“ Details zu Inhalten oder Herkunft der Zeugenhinweise wollte sie nicht machen.

Ein Bild von Anne Saußen. Sie wurde 84 Jahre alt.

Der Mordfall Anne Saußen liegt 23 Jahre zurück, wurde aber im November 2020 nach neuen Erkenntnissen wieder aufgerollt – samt öffentlichem Zeugenaufruf. Die 84-Jährige wurde am Abend des 24. März 1998 in ihrer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus im Bergkamener Stadtteil Oberaden überfallen, geknebelt und später einfach liegen gelassen. Sie erstickte über Nacht qualvoll. Das Verbrechen soll aus Habgier begangen worden sein.

„Aktenzeichen XY“: Weitere Details zum Raubmord

In der Sendung erfuhr die Öffentlichkeit weitere Details zum Fall. So wird dargelegt, dass sich im Zuge der Berichterstattung zu diesem „Cold Case“ 2020 ein Zeuge gemeldet hatte. Dieser konnte nähere Angaben zur Ausziehleiter machen, die am Tatort zurückgelassen wurde. Die dreiteilige Leiter sei ihm kurz vor der Tat gestohlen worden, so der Zeuge. Er lebte damals gut 400 Meter vom Ort des Geschehens entfernt.

Die Polizei geht wohl mittlerweile davon aus, dass mindestens zwei Täter an dem Raubmord beteiligt gewesen sein müssen. Diese sind womöglich mit der Leiter, die sie von einem Hof im Bereich der Hermann-Stehr-Straße entwendet haben, über die Sugambrerstraße in Richtung Am Boirenbusch 15 gegangen. Hier wohnte Anne Saußen im ersten Stockwerk des Gebäudes.

„Aktenzeichen XY“: Auch Summen werden genannt

Die alte Frau lebte eher zurückgezogen, verfügte aber offenbar über ein großes Barvermögen, das sie zu Hause aufbewahrte, weil sie den Banken nicht traute. Im ZDF-Bericht werden erstmals Summen genannt. 80.000 Euro soll die Frau besessen haben, von denen sie aber noch vor der Tat 60.000 Euro ihrem Sohn übergab, damit dieser es doch bei einem Geldinstitut einzahlt. Wie viel Geld die Täter aber letztlich erbeuteten, ist nach Polizei nach wie vor unklar.

Einer Nachbarin Anne Saußens wurde wenige Tage vor dem 24. März 1998 von Unbekannten der Hausschlüssel gestohlen, mit dem man ins Gebäude gelangte. Zwischen diesem Vorfall und dem Raubmord sieht die Polizei offenbar einen Zusammenhang. Gleiches gilt für die mutwillige Zerstörung der Telefonanlage im Haus am Tattag sowie bereits wenige Tage zuvor. Da hatten die Täter wohl schon einmal versucht, die alte Dame zu überfallen. Dieser Versuch schlug jedoch fehl, weil die Seniorin die Wohnungstür nicht geöffnet hatte. Später kamen sie durch das offen stehende Badezimmerfenster.

„Aktenzeichen XY“: Übergangswohnheim im Blick

Soziale Bindungen können sich binnen 23 Jahren ändern, mitunter meldet sich auch irgendwann das Gewissen. Das weckt bei Polizei und Staatsanwaltschaft die Hoffnung, das Verbrechen in Bergkamen doch noch aufklären zu können. Mittlerweile konnte dank moderner Technik aber auch eine DNA-Spur ausgewertet werden, die einst am Tatort gesichert wurde. Sollte ein Tatverdächtiger ermittelt werden, könnten dieser ohne viel Aufwand überführt werden.

In der Sendung stand Nicole Zerfowski von der Mordkommission in Dortmund dem Moderator Rudi Cerne Rede und Antwort. Dieser wollte von der Hauptkommissarin wissen, was sich die Polizei von einem bundesweiten Zeugenaufruf verspreche, wo sich der Fall doch weitgehend in Bergkamen abgespielt habe. An der nahe gelegenen Königlandwehr 41 im Stadtteil Oberaden, so die Antwort, habe es zur damaligen Zeit zwei Übergangswohnheime für Wohnungslose gegeben. Deren frühere Bewohner lebten jetzt womöglich über ganz Deutschland verteilt.

„Aktenzeichen XY“: Kripo Dortmund weiter erreichbar

Die Polizei rechnet in den kommenden Tagen mit weiteren Zeugenhinweisen zum Fall. Zuständig ist die Kripo Dortmund unter der Telefonnummer 0231/132-0.

Auch zu drei weiteren Fällen aus Nordrhein-Westfalen gingen nach der Sendung am Mittwoch viele Zeugenhinweise ein. Ein Sprecher der Kölner Polizei sagte am Donnerstag, man habe zehn Hinweise von Zuschauern erhalten. „Einer davon ist ermittlungswürdig, die anderen prüfen wir noch.“ Das werde noch einige Zeit beanspruchen. In Köln geht es um die Tötung eines 54-Jährigen auf offener Straße in der Innenstadt im Jahr 1992. Der Mann war aus dem Nichts von einem jungen Täter angegriffen worden, der bis heute nicht gefasst werden konnte.

Auch eine weitere Gewalttat in Dortmund war Thema bei „Aktenzeichen XY“. Ende August 2020 war ein irakischer Kurde (37) über Tage ausspioniert und schließlich mit zahlreichen Messerstichen ermordet worden. Dazu gab es nach der ZDF-Sendung 34 Hinweise aus der Bevölkerung.

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