„Wie eine offene Wunde“

Nach Abriss von Haus Aden 2: Geschichtskreis will Bergbaukultur bewahren

Haus Aden Förderturm Abriss
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Das Schachtgerüst Haus Aden 2 wurde im Frühjahr abgerissen – sehr zum Verdruss des Geschichtskreises, der sich aber trotz allem weiter engagieren möchte.

Nachdem mit dem Förderturm von Haus Aden ein wichtiges Symbol für die Geschichte des Bergbaus in Bergkamen abgerissen wurde, wollen sich verschiedene Vereine stärker miteinander vernetzen. Das Ziel: der Erhalt der Bergbaukultur.

Bergkamen – Der Schmerz über den Abriss des Schachtgerüsts in Oberaden sitzt noch tief. Gleichwohl schaut der „Geschichtskreis Haus Aden – Grimberg 3/4“ nach vorn und möchte unter anderem dabei helfen, die Bergbau-Ausstellung im Stadtmuseum attraktiver zu gestalten. Jetzt haben sich die Aktiven um Volker Wagner mit Ehrenamtlern aus Gelsenkirchen und Hamm getroffen, um die Idee gemeinsamer überörtlicher Treffen und Aktionen zu erörtern.

Der Verlust des Förderturms Haus Aden 2 fühle sich an wie eine „offene Wunde“, die so schnell nicht verheile, sagt Wagner. Die Enttäuschung sei auch deshalb groß, weil man nach entsprechenden Äußerungen lange Zeit geglaubt habe, dass auch Verwaltung und Politik am Erhalt des Bauwerks interessiert seien. Das habe sich als falsch erwiesen. Sich in die Schmollecke zu begeben, sei aber mit Blick auf das Ziel, die Bergbaukultur in Bergkamen zu fördern und zu erhalten, keine Option, unterstreicht Wagner.

Förderturm Haus Aden 2: Abriss hat begonnen

Förderturm Haus Aden 2: Abriss hat begonnen
Förderturm Haus Aden 2: Abriss hat begonnen
Förderturm Haus Aden 2: Abriss hat begonnen
Förderturm Haus Aden 2: Abriss hat begonnen
Förderturm Haus Aden 2: Abriss hat begonnen

Das Treffen fand am Lehrstollen neben dem Museum statt. Mit dabei waren Vertreter des Fördervereins Zeche Hugo in Gelsenkirchen, der ein dortiges Schachtgerüst retten konnte, sowie des Allgemeinen Knappenvereins „Glück Auf“ Hamm-Nordenfeldmark Heessen. „Wir wollen enger zusammenwachsen“, betont Wagner.

Ideenaustausch, gegenseitige Besuche, gemeinsame Veranstaltungen: Vertreter dreier Vereine, die sich der Bewahrung der Bergbaukultur verschrieben haben, trafen sich jetzt am Lehrstollen des Stadtmuseums Bergkamen, um zu besprechen, wie eine intensivere Zusammenarbeit aussehen kann. Gastgeber war der örtliche „Geschichtskreis Haus Aden – Grimberg 3/4“ um dessen Sprecher Volker Wagner (5. von links).

Dazu zählten der Erfahrungs- und Ideenaustausch, gegenseitige Besuche sowie gemeinsame Ausflüge und Veranstaltungen. „Wir könnten zum Beispiel reihum Barbarafeiern ausrichten und so mehr Aufmerksamkeit erzielen.“ Laut Wagner gibt es im gesamten Ruhrgebiet rund 15 Gruppen, die sich der Bewahrung der Bergbaukultur verschrieben haben. „Auch mit denen wollen wir in Kontakt treten.“ Das jüngste Treffen sei nur „ein erster Aufschlag“ gewesen.

Pläne für Ausstellung im Stadtmuseum

Mit Mark Schrader gebe es in Bergkamen einen Museumsleiter, der der Bergbaugeschichte und auch den Ideen des Geschichtskreises offen gegenüberstehe, betont Wagner. Er hoffe weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit und die Möglichkeit, beratend mitgestalten zu können.

Für die Bergbau-Schau im Keller des Museums, das gerade umgebaut wird, kann sich Wagner modernere Präsentationsformen etwa mit Video-Elementen und App-Unterstützung vorstellen. „Die Exponate bedürfen zumeist einer Erläuterung, die wir bei Führungen gerne geben. Die Ausstellung sollte aber auch selbsterklärend sein.“

Abriss des Förderturms Haus Aden 2

Abriss Förderturm Haus Aden
Abriss Förderturm Haus Aden
Abriss Förderturm Haus Aden
Abriss Förderturm Haus Aden
Abriss des Förderturms Haus Aden 2

Dass der mit Wellblech verkleidete Lehrstollen im Zuge des Umbaus begrünt werden soll, hört Wagner gerne. „Das sieht schöner aus. Zudem sinkt dann im Sommer die Innentemperatur.“ Die mobile Ausstellung des Geschichtsvereins erfreue sich nach wie vor großer Beliebtheit, erzählt Wagner. Manchmal könnten alle Anfragen gar nicht bedient werden.

Rund 20 aktive Mitglieder zählt der Geschichtskreis, dazu gibt’s Helfer, die da sind, wenn Arbeit ansteht. „Die nachfolgenden Generationen sollen mal stolz darauf sein, dass ihre Väter Bergmänner waren“, sagt Wagner.

Dass es Haus Aden 2 nicht mehr gibt, ist eine Katastrophe für Bergkamen und für die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt.

Volker Wagner, Geschichtskreis

Wenn’s nötig und möglich sein sollte, will sich der Geschichtskreis auch dem Förderturm auf Neu-Monopol in Mitte widmen. „Das ist nicht der schönste, aber der letzte Schacht in Bergkamen“, sagt Wagner. Und er steht unter Denkmalschutz, was einen schnellen Abriss wie bei Haus Aden 2 ausschließt.

Der Verlust dieses Hinguckers in Oberaden habe auch in der Bevölkerung für Empörung gesorgt, sagt Wagner. In den sozialen Medien sei die Entscheidung des Stadtrats gegen eine drei Millionen Euro teure Versetzung heftig kritisiert worden. „Dass es Haus Aden 2 nicht mehr gibt, ist eine Katastrophe für Bergkamen und für die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt“, sagt Wagner. Nicht zuletzt wäre ein Erhalt auch eine Wertschätzung für die Kumpel gewesen, die unter Tage hart und zum Wohle aller gearbeitet hätten.

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