Mutmaßliche Doppelvergewaltigung: Angeklagter soll nicht in die Psychiatrie

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Der Angeklagte und sein Verteidiger Marcus Ostmeyer.

Bergkamen/Dortmund – Im Dortmunder Landgerichtsprozess um einen mutmaßlichen Doppelvergewaltiger aus Bergkamen hatte gestern die psychiatrische Sachverständige das Wort.

Die renommierte und langjährig erfahrene Medizinerin Dr. Nahlah Saimeh sollte klären, ob der Angeklagte psychisch krank ist und im Falle einer Überführung als Täter eventuell in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung eingewiesen werden muss. 

Der Angeklagte hatte sich geweigert, sich von der forensischen Gutachterin untersuchen und befragen zu lassen, sodass diese auf seine Beobachtung an diversen Verhandlungstagen sowie das Studium der entsprechenden Akten angewiesen war. 

Massive Persönlichkeitsstörung

Fazit ihrer Analyse: Der Angeklagte leidet unter einer massiven Persönlichkeitsstörung, ist aber nicht derart krank, dass er in der forensischen Psychiatrie untergebracht werden muss. 

Die Gutachterin skizzierte den Lebensweg des 25-Jährigen, dessen Kindheit dominiert gewesen sei von den zwei alkoholkranken und gewalttätigen Eltern, die nicht in der Lage gewesen seien, ihm verlässlich Schutz und Sicherheit zu geben. 

Durch diese prägenden Lebenserfahrungen habe er ein ungemein labiles und schwaches Ego entwickelt, sei einerseits massiv auf Zuwendung und Anerkennung angewiesen, sei andererseits aber nicht in der Lage, stabile Beziehungen zu führen. Bei sexuellen Übergriffen – der 25-Jährige ist einschlägig vorbestraft – erlebe er eigene Macht: „Sexualisierte Aggression erlebt er als Erleben sozialer Macht, die er sonst nicht hat“. 

Hohe Rückfallgefahr

Insbesondere dann, wenn eine Beziehung zu scheitern drohe oder er Zurückweisung erlebe, bestehe die Gefahr von erneuten Übergriffen, so die Gutachterin. Derzeit bestehe eine hohe Rückfallgefahr für vergleichbare Straftaten. Der Angeklagte müsse daher dringend und langfristig eine Therapie zur Bearbeitung seiner Persönlichkeitsstörung machen. Hier sei ein Zeitraum von mindestens fünf Jahren realistisch. In speziell für solche Fälle ausgerichteten Haftanstalten sei solch eine Langzeittherapie durchaus möglich. 

Der einschlägig vorbestrafte Angeklagte soll im August vergangenen Jahres im Kamener Volkspark eine 16-Jährige vergewaltigt sowie wenige Tage später in Bergkamen eine 21-jährige Bekannte an der Erlentiefenstraße in Rünthe zum Sex gezwungen haben. Der Prozess wird fortgesetzt.

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