Eine Wand stört nicht beim Musizieren

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Sicherer Posaunenunterricht dank Trennwand: Thorsten Lange-Rettich hört trotzdem, ob sein Schüler Lennard Kneisz die richtigen Töne trifft.

Bergkamen – Musikmachen ist ein zutiefst sozialer Prozess. Nicht nur das rhythmische und harmonische Erklingen von Tönen ist das Ziel, auch die Zusammenarbeit, das menschliche Miteinander. Dementsprechend wichtig ist der persönliche Kontakt zum Lehrer auch beim Erlernen eines Instruments.

Die Freude ist also groß in der Musikschule Bergkamen, dass es nach neunwöchiger Pause des regulären Unterrichtsbetriebs aufgrund der Corona-Pandemie nun endlich weitergehen kann. Seit dem 18. Mai können die Schüler wieder vor Ort an ihren instrumentalen Fähigkeiten feilen.

„Wir sind vergangene Woche Montag gut gestartet“, freut sich Musikschulleiter Werner Ottjes. Vor allem hebt er hervor: „Alle sind froh, sich endlich wieder persönlich begegnen zu können.“ Ermöglicht wird die Wiederaufnahme des Angesicht-zu-Angesicht-Unterrichts durch ein Hygiene- und Schutzkonzept, das in den vergangenen Wochen von Ottjes und seinen Mitarbeitern erstellt und umgesetzt wurde.

Teilumzug als letzter Schritt

Darüber hinaus musste auch noch ein Teilumzug von der Preinschule zum Kubus der ehemaligen Burgschule gestemmt werden. Pünktlich zum Unterrichtsneustart vergangenen Montag war aber alles fertig. Der Einzelunterricht läuft mittlerweile wieder, kleine Gruppen bis zu vier Personen dürfen ab der nächsten Woche folgen. „So wie jetzt kann es bis zu den Sommerferien weitergehen“, erzählt Ottjes.

Das sind gute Nachrichten für Einzelschüler und kleine Gruppen. Was jedoch bis zu den Sommerferien auf keinen Fall möglich sein wird: Proben des großen Ensembles, des Blasorchesters und der Chöre. „Wir hoffen, nach den Ferien damit auch wieder starten zu können“, so Ottjes. Eine Garantie dafür gibt es aber nicht. Die Situation müsse zu gegebener Zeit noch einmal neu beurteilt werden. Trotz der Unsicherheit planen die Verantwortlichen schon Veranstaltungen für den Herbst. „Natürlich wissen wir nicht, ob sie stattfinden können“, weiß der Musikschulleiter. „Aber wir nehmen die Konzerte schon in unser Programm auf. Im schlimmsten Fall müssen wir sie wieder absagen.“

Den Kontakt nicht abbrechen lassen

Wie die Lehrer mit dem Ausfall des regulären Unterrichts in den vergangenen Wochen umgehen sollten, war ihnen zum großen Teil freigestellt. Eine Empfehlung war jedoch umso wichtiger: Die lehrenden Musiker waren angehalten, den Kontakt zu ihren Schülern während dieser Zeit nicht abbrechen zu lassen. „Nicht alle Kollegen fühlen sich mit Video-Unterricht per Internet oder anderen digitalen Ausweichmöglichkeiten wohl oder haben die Möglichkeit dazu“, erzählt Werner Ottjes. „In diesen Fällen haben die Lehrer ihre Schüler auf anderen Wegen mit Arbeitsmaterialien versorgt.“ Für die meisten Musikschüler ging es während der coronabedingten Zwangspause also auf die ein oder andere Weise weiter.

Rührende Reaktionen

Dennoch entschieden sich die Verantwortlichen dafür, für die Monate März und April keine Gebühren zu verlangen, was zu teils rührenden Reaktionen der Eltern geführt hat. „Wir hatten einige Nachfragen, ob die Gebühren während dieser Zeit nicht trotzdem gezahlt werden könnten, um die Musikschule zu unterstützen“, freut sich Ottjes.

So sehr mitunter digitale Medien bei dem Ersatzunterricht eine große Rolle spielten: Werner Ottjes kann sich nicht vorstellen, dass dies zukünftig eine Alternative zum Präsenzunterricht wird. „Im Notfall kann man mit Sicherheit darauf zurückgreifen“, erläutert der Musikschulleiter. „Aber das kann nie die persönliche Begegnung ersetzen.“ Nur vor Ort könne der Lehrer etwa die falsche Haltung des Instruments verbessern. Auch technische Einschränkungen müssen in Kauf genommen werden. So könne der Klang bestimmter Instrumente über die Lautsprecher des Empfängers nicht vernünftig wiedergegeben werden. Nur einige von vielen Problemen, die sich im Detail finden lassen.

Trennwände und Sicherheitsabstand keine relevante Einschränkung

So sind Schüler und Lehrer froh, dass es nun ein Stück weit in gewohnter Form weitergeht. Die Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Hygienekonzept, unter anderem Trennwände in den Unterrichtsräumen, die Einhaltung des Sicherheitsabstandes und eine Nase-Mundschutz-Pflicht beim Betreten des Gebäudes, werden dabei nicht als Einschränkungen empfunden. Im Gegenteil: Das Sicherheitsempfinden, vor allem bei den Lehrenden, die aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe zählen, ist dadurch gewachsen. „Alle sind nach und nach zurück und unterrichten gerne“, freut sich Ottjes.

Infos zum Konzept: Das Schutz- und Hygienekonzept kann im Detail auf der neu gestalteten Internetseite der Musikschule Bergkamen eingesehen werden: www.musikschule-bergkamen.de

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