Musikalischer Höhepunkt der Weltmusik

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Kapelsky & Marina im Trauzimmer.

Rünthe - Wenn ein Publikum nicht nur der Musik lauscht, sondern mitsummt, mitsingt, rythmisch klatscht. Wenn die Gesichter im Podium ein strahlendes Lächeln zeigen und jeder Titel frenetisch beklatscht wird, dann muss es wohl ein ganz besonderes Musikerlebnis sein. Genau so ein furios phantasievolles Konzert erlebten die Zuschauer im Trauzimmer Rünthe mit dem Ensemble Kapelsky & Marina zum Abschluss der Weltmusiksaison 2015/2016.

Sie seien Lichtjahre entfernt vom Mainstream, in anderen musikalischen Galaxien unterwegs, meinte Sängerin Marina Frenk zu Beginn des Konzerts verheißungsvoll. Auf welch phantasievolle und mitreißende Art sie mit ihrer Musik wirklich weg sind vom täglichen Allerlei, das erfuhren die Zuhörer auf angenehmste Weise bei jedem Titel. „Ostperanto-Folkjazz“ nennen sie das, mit dem sie musikalisch mittels Instrumenten und Stimme dem Ohr schmeicheln. 

Herrliche Mischung

Ihre Musik ist eine herrliche Mischung aus Jazz, Klezmer, Gipsy-Swing, gemischt mit russischer und osteuropäischer Folklore, frech gewürzt mit lateinamerikanischen Rhythmen. Den Vieren ist kein Titel „heilig“, sie geben jedem Stück ihren eigenen, ganz verrückten Stil. „Eigentlich sind wir ja ein Quartett, momentan aber zu Fünft“, meinte Frenk zu Beginn mit einem Lächeln. Beim Blick auf ihren Babybauch war klar: da wächst ein kleiner Musiker für ein Quintett heran. Und dann legten sie los auf der Bühne. So klein die Person Marina Frenk, so groß ihre Stimme. Was diese Frau mit Stimmvolumen, Improvisationslust und scheinbar unendlichem Lungenvolumen in ihre Lieder legte, riss das Publikum schier von den Stühlen. 

Stakkato ungalublicher Töne

Sie singt nicht nur, sie springt bei manchen Titeln plötzlich in ein Stakkato unglaublicher Laute und Töne die sie mit ihren Stimmbändern formt. Auch die Musiker entlockten dazu ihren Instrumenten die verrücktesten Töne. Dann wieder hat sie eine Wärme in der Stimme, die das feuchte Wetter vor der Tür absolut vergessen ließ. Manchmal meint man sie forme sogar eine ganz eigene Phantasiesprache. „Eigentlich ist uns eine Panne passiert. Es sollten heute 20 Kosaken mitsingen, sie wurden beim Zoll festgehalten. Da Bergkamen aber tief im Osten Westfalens liegt, könnt ihr diesen Part übernehmen“, meinte Gitarrist Gregor Hengesbach, „Die Männer die tiefen Töne, die Frauen machen das mit Lautstärke“. Und schon saß im Trauzimmer eine Kompanie Kosaken, die nur zu gern einen Refrain mitsang. Grandios auch ein russisches Lied über einen Schneesturm, „zur Abkühlung im warmen Trauzimmer“, wie Hengesbach meinte. Unglaublich wie gut dieser Klezmer-Gipsy-Mix von den vier Musikern interpretiert wurde. Geradezu genial die Improvisation zum Ende, als die Musiker unvermittelt sogar in lateinamerikanische Rhythmen wechselten. Auch ihre Interpretation des Ohrwurms „Girl“, von den Beatles war absolut hörenswert. 

Höhepunkt der Saison

Ohne die anderen Konzerte der Weltmusikreihe abzuwerten bleibt festzustellen: Der Auftritt von Kapelsky & Marina war ganz sicher der absolute Höhepunkt in dieser Saison. Das Publikum belohnte diese außergewöhnlichen Musiker mit lang anhaltendem Applaus. Wenn es stimmt, dass ein Baby im Mutterleib bereits Musik und Töne aufnimmt darf man gespannt sein auf die ersten Lebensäußerungen von Marina Frenks Kind, wenn es demnächst auf der Welt ist. Es wirkten mit: Marina Frenk (Gesang), Gregor Hengesbach (Gitarre), Michael Ashauer (Bass) und Jani Weichsel (Geige).

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