Museumsfest: Bergbau als Kulturgut

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Beim Museumsfest gab es auch für die kleinen Besucher viel zu entdecken aus der Welt untertage.

Bergkamen - Im Dezember endet der deutsche Steinkohle-Bergbau endgültig – umso passender war das diesjährige Motto zum Tag des Bergmanns im Bergkamener Stadtmuseum. Mit „Schicht im Schacht“ verabschiedete Bergkamen den Bergbau in den Ruhestand

Gleichzeitig begrüßte es ihn am Wochenende als Kulturgut für künftige Generationen. „Es ist ein schönes Bild, wenn Opas mit ihren Enkelkindern durch unsere Ausstellung gehen und ihnen erklären, wie es unter Tage war“, so Museumsleiter Mark Schrader. 

Tag des Bergmanns im Museum Oberaden

Die Bergbau-Kultur zu bewahren – auch mit der fast fertigen Bergbau-Abteilung am Bergkamener Museum – betrachtet er als wichtige museumspädagogische Aufgabe. „Ohne seine Zechenarbeiter hätte Deutschland zum Beispiel nie alle Kriegsschulden zurückzahlen können.“

Gruben-Erlebnis dank liebevoller Details 

Ein originalgetreu ausgestatteter Lehrstollen im Museumshof bildet von nun an das Herzstück der Bergbau-Abteilung im Stadtmuseum. Er ergänzt die Nachbildung des Barbara-Stollens im Museumskeller und vermittelt ein noch lebhafteres Bild von der Untertage-Welt. 

Am Samstag gaben Schrader und sein Team die Vortriebsstrecke nach über drei Jahren Vorbereitung frei. Fachmännische Auskunft gaben die Mitglieder des Geschichtskreises Haus Aden/Grimberg ¾ – stilecht mit Schweißtuch um den Hals und in weißer Arbeitshose. „Eine weiße Hose war für den Bergmann Pflicht, um für seine Kumpel in dunkler Umgebung besser sichtbar zu sein“, erklärte Hermann Wedemeyer. 

Dass der Lehrstollen endlich fertig sei, mache ihn und seine Kameraden sehr glücklich. „Vom Fundament über den Ausbau bis zu den Grubentelefonen an der Wand haben wir alles bei Kollegen und in ehemaligen Schachtanlagen zusammengesucht, um es wieder aufzubauen.“ 

Ein Teckel-Wagen für den Transport von Langmaterial, zu Sitzgelegenheiten umfunktionierte Munitionskisten und viele weitere liebevolle Details komplettieren das Gruben-Erlebnis. 

Viel zu entdecken für die Kinder

Besucher Stefan Szameitat und sein fünfjähriger Sohn Ben hatten am Samstag viel Spaß bei der Erkundung des Lehrstollens. „Der Opa war auf der Zeche und sein Papa auch, deshalb ist Ben Feuer und Flamme für alles, was mit Bergbau zu tun hat“, so Szameitat. Er selbst habe acht Jahre unter Tage gearbeitet, bevor ihn das Zechensterben eingeholt habe. „Die Arbeit war schwer, es war dunkel und staubig, aber ich würde sofort wieder runtergehen.“ 

Keine Frage, dass Ben auch in den kleinen Kinder-Stollen krabbeln wollte, der für den Familientag im Museumshof aufgebaut war. „Da habe ich sechs Kohle-Stücke gefunden. Die kommen zu Hause in meine Steinsammlung“, erzählte er stolz. Sogar echte Bergmanns-Ausrüstung durften die Kinder anprobieren – vom drei Kilo schweren Gürtel bis hin zum Schutzhelm. Musikalisch sorgte Peter Schedalke mit Schlager-Hits für Unterhaltung. 

Emotionale Ansprachen

Zum zweiten Teil der Veranstaltung am Sonntag richtete sich das Programm eher an Erwachsene und ehemalige Bergleute. So begrüßten Willi Null und Volker Wagner vom Geschichtskreis die Anwesenden mit emotionalen Ansprachen, in der sie die Bedeutung des regionalen Bergbaus aufarbeiteten. Viele Mitglieder der Knappenvereine nahmen auch am ökumenischen Gottesdienst mit Pfarrer Reinhard Chudaska, dem Werksorchester Bergwerk-Ost und dem Bergmannschor Victoria teil. 

Steiger-Lied als Höhepunkt des Tages 

Als die Versammlung am Ende das Steiger-Lied anstimmte, erreichte der „Tag des Bergmanns“ seinen Höhepunkt. „Das waren für uns zwei ganz besondere Tage“, bilanzierte Schrader. 2019 wolle er zwar noch Schilder anbringen, damit sich die Bergbau-Schau auch von selbst erkläre, „aber der größte Teil ist geschafft“. 

Um sich auszuruhen, hat der Museumsleiter aber keine Zeit. Der Barbarastollen müsse bald aufgeräumt, das Hauptgebäude saniert und der Zwischentrakt umgebaut werden. „Allmählich legen die Architekten ihre finalen Entwürfe für einen zweiten Museums-Eingang vor“, so Schrader.

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