Mülldeponie Kanalufer

Pendler ärgert sich über die Vermüllung am Kanal und im Hafenbereich

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Leere Chipstüten, klebrige Plastikbecher, frisch gefüllte Müllsäcke: In den heißen Sommermonaten ist das Kanalufer an der Marina Rünthe ein beliebtes Ausflugziel zum Grillen und Chillen. Doch wenn die Besucher gehen, bleibt oft Müll zurück. Ralf Fischer wollte die Stadt darauf aufmerksam machen. Damit begann eine Odyssee der Zuständigkeiten.

Rünthe – Eigentlich ist es ein schönes Bild, wenn sich bei gutem Wetter die Menschen am Ufer des Datteln-Hamm-Kanals treffen, dort baden, grillen und chillen. 

Eigentlich, denn was über bleibt, ist weniger schön. Verpackungsmüll aller Art säumt das Ufer, manchmal gesammelt, an einem Ort deponiert, damit andere ihn entsorgen. Manchmal wird der Müll einfach am Ort des Verzehrs fallengelassen oder es wird versucht, ihn im Kanal zu versenken. 

Ralf Fischer stinkt das gewaltig. Er fährt täglich von Werne mit dem Rad zur Arbeit. Die Trasse, die er nutzt, passiert die Marina Rünthe. Dort stößt er regelmäßig auf Müllberge. Und Fischer nimmt das nicht einfach hin. Nicht hier, nicht sonst wo. Er nutzt eine Smartphone-App namens „Müll weg“. Die sendet eine Meldung zum per GPS ermittelten Standortes des Mülls gleich an das für die Entsorgung zuständige Amt. 

„Das funktioniert in Kamen und Werne gut“, ist der Eindruck des Münsterländers, „in Bergkamen überhaupt nicht.“ An die Kamener Verwaltung hätte er schon mehrere Mails in Sachen Müll geschickt. „Und die reagieren sofort“, sagt er. 

Müll zu melden ist ein Problem in Bergkamen

In Werne dauere die Reinigung von Freiflächen zwei bis drei Tage. Auch eine der monierten Stellen auf der Rünther Kanalseite an der Hellweg-Brücke sei zwischenzeitlich gesäubert worden, freute sich Fischer. Die Freude währte aber nur kurz, denn er entdeckte neuen Unrat auf dem Parkplatz Werner Straße. „McDonalds-Tüten überall, schlimm.“ 

Der beliebte Parkplatz am Kanal sei bei seiner Rückkehr aus Unna am nächsten Tag schon wieder müllfrei gewesen, freute sich Fischer über die diesmal schnelle Reaktion auf seine Meldung. Am nächsten Morgen sei aber wieder alles beim Alten gewesen. „Ich versteht diese Menschen nicht“, klagt er. Und er versteht die Zuständigkeiten der Behörden nicht. Ein Anruf beim Wasser- und Schifffahrtsamt bestätigte seine Vermutung, dass die Anrainer-Kommunen für die Reinigung zuständig seien. „Für die Sauberkeit des Hafenbereichs und rund um den Kanal ist die Stadt zuständig“, bestätigte Stephan Polplatz, Leiter des Baubetriebshofes gegenüber dem WA. 

Ralf Fischer ist täglich am Kanal unterwegs.

Mitarbeiter des Baubetriebshofes seien einmal wöchentlich im Einsatz, um am Hafenplatz Müll wegzuräumen. Bei den Grünflächen am Datteln-Hamm-Kanal verhalte sich dies anders. „Dort können wir nicht wöchentlich vorbeischauen. Das schaffen wir personaltechnisch nicht“, erklärt der Leiter des Baubetriebshofes. Er widerspricht Fischer: Dass dort aber mehrere Wochen lang nicht aufgeräumt werde, stimme nicht. Allerdings gibt er zu: „In den Ferien ist der Kanal ein Ort, an dem gern auch gefeiert wird und oft wird dann vergessen, den Müll wieder mitzunehmen.“ 

Der Müll bleibt nach Ende der Ferien

Die Ferien sind vorbei, der Müll liege dort immer noch. Am vergangenen Montag reichte es Fischer. Er war am Sonntag am Kanal Richtung Hamm gejoggt, zählte zahlreiche Müllhaufen. Wochenenden im Sommer sind ja auch wie Ferien. Auch rund um die Bänke, die selten mit einem Papierkorb versehen seien, liege Müll. „Wenn dort Behälter stehen würden, sehe es vielleicht anders aus“, mutmaßt der Werner. 

Der erneute Ärger trieb Fischer ins Ordnungsamt der Stadt Bergkamen. Wer denn zuständig sei, fragte er. Und erzeugte ein Stirnrunzeln. Das Hafenamt? Außer an den Bänken, da sei der Entsorgungsbetrieb der Stadt Bergkamen zuständig. Also doch Hafenamt? Nee, die hätten eine Vereinbarung mit der Stadt. Er solle sich direkt an den Bauhof wenden. Das tat Fischer und sprach mit Polplatz persönlich, schilderte ihm das Problem. 

Der Leiter des Baubetriebshofes machte ihm die Probleme der Entsorgung am Kanal klar, versprach, sich trotzdem zeitnah um den Müll kümmern zu wollen. Fischer erfuhr, dass seine „Müll weg“-App nicht den direkten Kontakt zu den zuständigen Stellen herstellt. Der Werner bekam daher die E-Mail-Adresse von Polplatz. Die SPD möchte in der nächsten Ratssitzung eine städtische Mängel-App beantragen. 

Fischers Fazit: „Ich bin zufrieden über die Erkenntnisse, die ich im Gespräch gewonnen habe. Allerdings läuft man von Pontius nach Pilatus auf der Suche nach Zuständigkeiten.“ Der Werner wird den Müll in Rünthe im Auge behalten, zwangsläufig. Zumindest bis es kühler wird und die Feierschweinchen zuhause rummüllen. Oder dort vermutlich Müll dahin entsorgen, wo er hingehört: in den Eimer.

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