Bergkamen startet Initiative gegen dreckige Spielplätze

Hier spielen Kinder: Kita-Team mag Kleinen nicht mehr Hundekot von den Schuhen kratzen

Kinderleicht: Müll in die Tüte und ab in die Tonne. Fabian, Medina, Anna und Ty (von links) machen vor, was die Großen auf dem Bolzplatz an ihrer Kita beherzigen sollten. Nun hoffen sie, dass die Erwachsenen etwas lernen.
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Kinderleicht: Müll in die Tüte und ab in die Tonne. Fabian, Medina, Anna und Ty (von links) machen vor, was die Großen auf dem Bolzplatz an ihrer Kita beherzigen sollten. Nun hoffen sie, dass die Erwachsenen etwas lernen.

Der Bolzplatz an der Villa Kunterbunt verkommt zum Hundeklo. Das Problem zeigt sich an etlichen Spielplätzen. Die Stadt ruft zu mehr Rücksicht auf:

Bergkamen – „Hier spielen Kinder!“ Das kann man sehen, wenn sie auf der Wiese hinter der Villa Kunterbunt rumtollen oder bolzen. Falls sie mal drinnen oder daheim sind, dann lassen die kleinen Fußballtore, der Spielplatz der Awo-Kita auf der anderen Zaunseite und die amtliche Beschilderung keinen Zweifel, wozu dieses Areal in der Alten Kolonie dient. Jedenfalls nicht als Hundeklo und Müllkippe – theoretisch.

Appell an die Verantwortung der Bürger

Praktisch ist es so, dass solche scheinbar banalen Selbstverständlichkeiten mit einigem Aufwand propagiert werden müssen, weil simpelste Regeln fürs Miteinander in einem Maße ignoriert werden, dass es ernste Probleme schafft. Damit hat Bürgermeister Bernd Schäfer wiederholt kopfschüttelnd gehadert, wenn er sich mehr Sauberkeit in der Stadt auf die Fahnen schreibt: nicht nur mit dem Einsatz städtischer Reinemacher, sondern mit dem steten Appell an die Verantwortung der Bürger.

Mehr Bedarf an Spielfläche durch Coronaregeln

So auch am Freitagmittag an der Villa Kunterbunt. Leiterin Anja Wagner hatte mit ihrem Team endgültig und wortwörtlich die Nase voll davon, den Kleinen den Hundekot aus den Schuhsohlen zu kratzen, wenn sie eine Gruppe zum Spielen draußen durchs Gartentor auf den Bolzplatz geleitet hat. „Die Coronaregeln verlangen eine strikte Trennung der Gruppen, auch wenn wir nach draußen gehen“, erklärt die Kita-Leiterin. Da ist es theoretisch günstig, dass nebenan die öffentliche Spielfläche liegt. Praktisch laufen die Knipse aber ins „Tretminenfeld“, das ignorante Hundehalter nicht nur an dieser Stelle hinterlassen.

Müllsünder und Hundehalter wissen, was falsch ist

„Wir sehen es ja immer wieder. Weil die Wiese ringsum zu ist, werden die Hunde hier von der Leine gelassen“, berichtet Wagner beim Treffen. Die Fläche liegt an dem Fußpatt zwischen Frägerstraße und Friedrichsberg und lässt mit Spielplatzschild Bolztoren, Tischtennisplatte, Bänken und Mülleimer am Rand klar erkennen, dass hier der Nachwuchs hingehört und nicht Fiffis Haufen. Und: Wer sich hier bewegt, mit oder ohne Hund, der stammt in der Regel aus dem Kiez und weiß um all das.

Handzettel werden in Siedlung verteilt

Darum setzt die Initiative des Kinder- und Jugendbüros Bergkamen genau dort an. Leiter Christian Scharwey hat Transparente drucken und so aufstellen lassen, dass die Appelle „Hier spielen Kinder!“ und „Hier ist kein Hundeklo!“ beim besten Willen nicht zu übersehen sind. „Wir haben außerdem Handzettel erstellt, die kommende Woche an die Anlieger verteilt werden“, kündigte der Sozialarbeiter an.

Klare Ansage an die Verursacher

Er hat aus der Beschwerde der Kita-Leitung eine Initiative gemacht, mit der die Stadt auch an anderer Stelle gegen Müll und Dreck speziell auf Spielplätzen vorgehen will. Mit den Handzetteln ergeht der Aufruf, das Kinder- und Jugendbüro zu informieren, wenn auf einem der gut 80 Spiel- und Bolzplätze der Stadt etwas im Argen liegt. Vorab ergeht eine klare Ansage: Nehmen Sie Rücksicht, werfen Sie Ihren Müll in die Mülleimer, sammeln Sie den Haufen Ihres Hundes ein.

Bergkamen hat amtlich etwa 3.800 Hunde

„Die meisten fühlen sich ertappt“, berichtet Bernd Schäfer, selbst Hundehalter, von seinen Erfahrungen mit der persönlichen Ansprache der Sünder beim Gassigehen. Über die erzieherische Wirkung könne er nur spekulieren. Aber hilfreich sei das sicher, zumal es sich oft um „normale Leute“ handle. In den etwa 22 000 Haushalten der knapp 50 000 Einwohner sind gut 3800 Hunde gemeldet. Damit die Quote von 17 Prozent nicht haufenweise in Erscheinung tritt, hat die Stadt an neuralgischen Punkten Ständer mit kostenlosen Kotbeuteln aufgestellt.

Reine Glückssache, mal wen zu erwischen

„Das wollten wir hier nicht, weil es als Einladung aufgefasst werden könnte“, erläutert Scharwey. Sein Dienstherr sieht zwar auch Ordnungsamt und Bauhof samt der Saubermänner im schnellen Eingreiftrupp „1 2 3 Bergkamen“ gefordert, aber dafür in Bezug auf Kosten und Wirksamkeit auch Grenzen. „Wir können im Ordnungsdienst nicht noch fünf Mann auf Streife schicken.“ Dazu käme das Problem, Herrchen oder Frauchen in flangranti am frischen Corpus Delicti erwischen zu müssen, um rechtssicher etwas ahnden zu können. Das lehrt unter anderem die Erfahrung der Stadt Werne, in der die Politik das Knöllchen für Fiffis Haufen der Abschreckung wegen sogar auf 200 Euro erhöht hat – und trotz Extrastreife für und spät noch nie hat kassieren können.

Etwas melden

Wer Glasscherben, Müll, Hundedreck oder anderes entdeckt, das nicht auf Spielplätze gehört, der wird gebeten das Kinder- und Jugendbüro zu informieren. Kontakt: Tel. 02307/965381.

„Ich habe auch kein Allheilmittel“, so Schäfer. Da bleibe der Appell: „Mir geht es darum, die Leute dafür zu sensibilisieren“, sagt er mit Blick auf „Dinge, die jeder wissen müsste.“ Das scheint nicht nur allgemein, sondern auch durch Corona zu leiden. „An den zahlreichen Meldungen über den Kummerkasten und die 1 2 3-Hotline sehen wir, dass das Problem in den vergangenen Monaten zugenommen hat.“

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