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Mordfall Anne Saußen: Ermittler nach „Aktenzeichen XY“ ernüchtert

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Von: Jürgen Menke

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Rund fünf Millionen Zuschauer hatten Mitte Oktober 2021 die Fahndungssendung „Aktenzeichen XY“ gesehen, in der ZDF-Moderator Rudi Cerne und sein Team den Mord an Anne Saußen thematisierten.
Rund fünf Millionen Zuschauer hatten Mitte Oktober 2021 die Fahndungssendung „Aktenzeichen XY“ gesehen, in der ZDF-Moderator Rudi Cerne und sein Team den Mord an Anne Saußen thematisierten. © Menke

Die Hoffnung war groß, den lange zurückliegenden Mordfall Anne Saußen mithilfe von „Aktenzeichen XY“ doch noch aufklären zu können. Rund drei Monate nach Ausstrahlung der ZDF-Fahndungssendung hat sich nun jedoch Ernüchterung bei der ermittelnden Staatsanwaltschaft in Dortmund eingestellt.

Bergkamen – „Wir haben alle Hinweise sortiert, akribisch geprüft und mittlerweile vollständig abgearbeitet“, sagt Staatsanwältin Alina Dreier. Bedauerlicherweise sei kein einziger zielführend gewesen. „Es hat sich keine nähere Spur auf die Täter ergeben.“

Schon binnen 24 Stunden nach Ausstrahlung waren über diverse Kommunikationskanäle knapp 40 Hinweise zum Fall bei der Polizei eingegangen. Danach habe es noch zahlreiche weitere Kontaktaufnahmen gegeben, berichtet Dreier. Deren Inhalte seien vielfältig gewesen.

An dieser Straße in Oberaden ereignete sich der Mord - vor nunmehr fast 24 Jahren.
An dieser Straße in Oberaden ereignete sich der Mord - vor nunmehr fast 24 Jahren. © Menke

„Wir hatten etwa Hinweise zum Verbleib des Geldes, das bei der Tat erbeutet wurde, und zu der Leiter, mit denen die Täter in die Wohnung ihres Opfers im Obergeschoss gekommen sind“, schildert Dreier. Auch mannigfaltige Tipps praktischer Art habe man entgegennehmen können – zum Beispiel den, bei der früheren Bank der Geschädigten nach Kontobewegungen zu fragen. Dreier: „Wir sind sehr dankbar für all diese Hinweise und Ratschläge hilfsbereiter Bürger – auch wenn wir bislang keinen Erfolg hatten.“

Geknebelt und qualvoll erstickt

Die allein lebende Witwe Anne Saußen war in der Nacht zum 24. März 1998 in ihrer Wohnung in Bergkamen von Unbekannten überfallen, geknebelt und gefesselt worden. Am Morgen wurde sie von Nachbarn tot aufgefunden; sie war qualvoll erstickt. Polizei und Staatsanwaltschaft vermuten, dass sich die Täter ihr Opfer gezielt ausgesucht hatten, um sich zu bereichern. Im Raum steht eine Summe von mehreren zehntausend Euro. „Ganz genau wissen wir aber nicht, wie viel Geld erbeutet wurde“, sagt Dreier.

Anne Saußen lebte in einem Mehrfamilienhaus an der Straße Am Boirenbusch in Oberaden. Einige Tage vor der Tat waren im Keller des Gebäudes von Unbekannten Telefonkabel durchtrennt worden. Auch deshalb geht die Polizei davon aus, dass die Tat, zumindest der Raub, geplant war. Ob die Unbekannten die Senioren tatsächlich auch töten wollten, steht nicht fest.

„Cold Case“ neu aufgerollt

Saußen starb 84-jährig. Ihr Schicksal sorgte damals wie heute für großes Entsetzen in der Bevölkerung. Neu aufgerollt wurde der sogenannte „Cold Case“ im November 2020, mehr als 22 Jahre nach der schrecklichen Tat.

Im Zuge der ersten Ermittlungen seien auch Spuren mit menschlicher DNA gesichert worden, die sich mit den heute zur Verfügung stehenden Analysemethoden deutlich besser auswerten ließen, hieß es zur Begründung. Eine Zuordnung zu einer Person könne den Durchbruch bei den Ermittlungen bedeuten.

Größtmögliche Öffentlichkeit

Der Beitrag in „Aktenzeichen XY“ sollte für eine größtmögliche Öffentlichkeit sorgen, verdeutlicht Dreier. Über diesen Weg, so die Hoffnung, würden sich vielleicht auch Nachbarn melden, die einst mit dem Mordopfer unter einem Dach gelebt hätten und heute nicht mehr ausfindig gemacht werden könnten. „Da gab es einen steten Wechsel im Haus.“

Bei den Ermittlungen könnten womöglich auch die damaligen Bewohner zweier Übergangswohnheime für Wohnungslose weiterhelfen, die mittlerweile vielleicht über ganz Deutschland verteilt lebten, sagt Dreier. Die Einrichtungen hätten sich in der Nähe der Tatwohnung befunden. Über öffentliche Aufrufe werde man mitunter auf Sachverhalte gestoßen, die man bisher gar nicht bedacht habe, die aber bei der Klärung eines Falls weiterhelfen könnten, fügt sie an.

„Mord verjährt nicht“

Auch wenn Polizei und Staatsanwaltschaft im Fall Saußen weiter im Dunkeln tappen: Aufgeben will Dreier nicht. „Mord verjährt nicht“, betont sie – „und die technischen Möglichkeiten der Ermittlungsbehörden entwickelten sich stetig weiter“.

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