Monatelange Wartezeit: In Bergkamen können viel zu wenige Schwimmkurse angeboten werden

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Noah und Aaron, beide vier Jahre alt, mussten fast ein Jahr auf einen Platz im Schwimmkurs der Wasserfreunde TuRa Bergkamen warten. Nun haben sie sichtlich Spaß im Wasser.

Bergkamen – Wasser ist Aarons Element. Noah geht es nicht anders. Die beiden Vierjährigen fühlen sich im kühlen Nass pudelwohl. Nur mit dem Schwimmen klappt es noch nicht so ganz. Darum besuchen sie einen Schwimmkurs bei den Wasserfreunden TuRa Bergkamen. Damit haben sie Glück – die Kurse bei TuRa und bei der Bergkamener DLRG sind ausgebucht, die Wartelisten ellenlang.

Nicht einfacher wird die Situation dadurch, dass das Lehrschwimmbecken an der Bodelschwinghschule derzeit bekanntlich nicht nutzbar ist. Die TuRaner haben darum mit den Gemeinschaftsstadtwerken (GSW) als Betreiberin der Schwimmbäder vereinbart, die Seepferdchen-Kurse zu den gewohnten Zeiten im Bergkamener Hallenbad anzubieten.

Die DLRG bekam im November die Möglichkeit, im Lehrschwimmbecken in Kamen-Heeren zu unterrichten. „Dann gab es aber auch dort technische Probleme“, bedauert Tobias Schwitteck, Vorsitzender der Lebensretter. „Das soll aber bald behoben sein und wir sind guter Dinge, dass wir ab April wieder mit unseren Nichtschwimmerkursen beginnen können“, sagt er. Trotzdem hoffen er und seine Mitstreiter, dass „der Schwimmbadneubau in Bergkamen bald Fahrt aufnimmt“. Es sei eine sehr unschöne Situation, Kindern das Schwimmen beibringen zu wollen, aber es nicht zu können.

Der Andrang ist so groß, dass die DLRG, die wegen der Schwimmbadproblematik annähernd ein Jahr keine Kurse geben konnte, die Wartelisten momentan geschlossen hat. Die bevorstehenden Kurse seien – wie auch die vor der Zwangspause – „voll ausgereizt“. 20 bis 25 Kinder pro Kurs, mehr geht nicht. „Wir sind mit fünf bis sechs Übungsleitern vor Ort, damit wir vernünftig auf die Kinder eingehen können.“

Ein Jahr bis zum freien Platz

Ähnlich ist es bei den Wasserfreunden, bei denen Manuela Knoke Ansprechpartnerin für die Schwimmkurse ist. Sechs Übungsleiter sind in den Einheiten aktiv und betreuen ungefähr 18 bis 20 Kinder. Die stehen zum Teil viele Monate auf einer Warteliste.

Bei Aaron und Noah hat es ungefähr ein Jahr gedauert, bis ein Platz frei war. „Das ist die normale Wartezeit“, bedauert Knoke. Sie hat jetzt schon Anmeldungen von Kindern, die 2017 geboren wurden und die in der Regel mit viereinhalb bis fünf Jahren in den Kurs kommen.

Aarons Mutter Martina Platz und Dennis Warning, der Vater von Noah, haben die Wartezeit in Kauf genommen. „Schwimmen können rettet Leben“, betont Plath. Die ganze Familie gehört zu den TuRanern, der vierjährige Spross ist genauso wasseraffin wie sein Freund Noah. „Wer gern im Wasser ist, muss einfach schwimmen können“, findet Warning.

Also lernen die beiden zwölfmal freitags mit etwa 16 anderen Kindern alles, was sie für das Seepferdchen können müssen. Spätestens danach – besser schon vorher, um den Kindern bereits vor dem Kurs die eventuelle Angst vorm Wasser zu nehmen – seien die Eltern gefragt, betont Knoke. „Sie müssen nach den Kursen weiter mit ihren Kindern schwimmen gehen, damit sich das Gelernte auch verfestigt.“

Nichtschwimmer: Seepferdchen kein Schwimmabzeichen

Nach einer von Forsa im Jahr 2017 durchgeführten repräsentativen Studie der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) können 59 Prozent der Zehnjährigen nicht sicher schwimmen. Als sicherer Schwimmer galt bei der Umfrage, wer mindestens das Jugendschwimmabzeichen in Bronze besaß. Das Seepferdchen besaßen 77 Prozent der Grundschüler. Dies reiche nach Angaben der DLRG aber nicht aus, um als sicherer Schwimmer zu gelten. Das Seepferdchen sei kein Schwimmabzeichen, sondern lediglich eine Bescheinigung, dass sich das Kind auf einer Strecke von 25 Metern über Wasser halten kann.

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