Von 423.000 Tests 1069 positiv

Möglicher Betrug bei Corona-Tests: Kreis Unna hat „keine Kapazitäten“ für Kontrollen

Mit Corona-Testungen wird womöglich Schmu betrieben: Das heißt auch der Kreis Unna nicht gut, für eigene Kontrollen fehle es der Gesundheitsbehörde allerdings an Kapazitäten und Daten, heißt es.
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Mit Corona-Testungen wird womöglich Schmu betrieben: Das heißt auch der Kreis Unna nicht gut, für eigene Kontrollen fehle es der Gesundheitsbehörde allerdings an Kapazitäten und Daten, heißt es.

Nach dem Bekanntwerden möglicher Betrugsfälle bei Corona-Schnelltests wollen Bund und Länder Möglichkeiten zur Kontrolle schaffen, um Falschabrechnungen zu erschweren. Wer diese Kontrollen durchführen soll, steht noch nicht fest. Der Kreis Unna winkt schon mal ab. „Dafür haben wir definitiv keine Kapazitäten“, sagt Behördensprecher Max Rolke.

Kreis Unna – Im Kreis gibt’s insgesamt 166 Teststellen. Die meisten sind eigens eingerichtet worden, teils befinden sie sich in Arztpraxen. Rund 100 der Zentren sind beim Kreis gelistet, sodass sich Testwillige online einen Überblick über die Anlaufstellen machen können. Eine Teststelle in Selm gehört zu jenem Unternehmen, das sich nach Medienberichten Betrugsvorwürfen ausgesetzt sieht. Dieses soll mehr Tests abgerechnet als durchgeführt und sich somit zulasten der Krankenkassen bereichert haben.

Die Hellweg-Baumärkte, die dem verdächtigten Unternehmen auch in Selm kostenlos Parkplatzflächen für deren Testzentren zur Verfügung stellten, ziehen Konsequenzen: Das Unternehmen sei aufgefordert worden, seine Testzelte sofort abzubauen, heißt es auf WA-Anfrage - in Selm und an allen anderen Hellweg-Standorten.

„Der Mitarbeiter ist voll ausgelastet“

In der Gesundheitsbehörde des Kreises Unna kümmert sich einer der Mitarbeiter um nichts anderes als die Beauftragung und Betreuung von Testzentren. „Und der ist voll ausgelastet“, sagt Rolke. Zeit, die Betreiber intensiv zu kontrollieren, habe er nicht. Ohnehin fehlten der Behörde dazu wichtige Informationen zu den jeweiligen Abrechnungen. Diese würden über die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe in Dortmund laufen.

Das bestätigt KVWL-Sprecherin Heike Achtermann. Allerdings gebe es auch an dieser Stelle aktuell nur begrenzte Kontrollmöglichkeiten, verdeutlicht sie. Grund seien die Abrechnungsmodalitäten: „Viele Unternehmen betreiben gleich mehrere Teststellen und rechnen dann pauschal ab.“

Zwar heißt es sowohl beim Kreis als auch bei der KVWL, dass die jeweiligen Fälle auf Plausibilität überprüft würden. Mehr aber sei nicht machbar, mehr sehe auch die aktuelle NRW-Verordnung zur Testung nicht vor.

Laut Kreis-Sprecher Rolke wurde in einem Fall der Betrieb eines Testzentrums verweigert, weil die Mindestanforderungen nicht erfüllt waren. Diese beträfen zum Beispiel die Raumgröße, den zeitlichen Umfang der Öffnung oder die Ausbildung des Personals. In anderen Fällen seien Nachbesserungen eingefordert worden.

Andere Betreiber sind sauer

Anderen Betreibern stößt der mögliche Betrug in Testzentren sauer auf. „Das ist sehr ärgerlich und schlecht für die gesamte Branche“, sagt etwa Stefanie Prisco, die im Indoorspielplatz „Monkey Island“ in Bergkamen die sogenannten Bürgertests durchführt. Falsche Abrechnungen brächten jene Unternehmen in Misskredit, die „mit Herzblut bei der Sache“ seien und sich im Sinne aller engagierten.

Tobias Schreurs hat angesichts der bis dato relativ geringen Anforderungen für die Zulassung schon damit gerechnet, dass früher oder später über Betrügereien geredet werden muss. „Das war vorhersehbar“, sagt der Geschäftsführer der Schreurs Consulting Group GmbH, die 27 Testzentren in Nordrhein-Westfalen betreibt, darunter zwei in Bergkamen-Rünthe und Lünen.

Laut Schreurs handelt jedoch sehr unklug, wer falsch abrechnet. Zwar falle das zunächst womöglich nicht auf. „Alle Daten müssen aber vier Jahre lang aufbewahrt werden“, betont er. Das mache auch spätere Kontrollen möglich. Die „schwarzen Schafe“ der Branche müssten in jedem Fall gefunden werden.

Von 423.000 Tests im Kreis 1069 positiv

Zu den Testungen selbst weiß Schreurs zu berichten, dass die Quote der Abstriche mit positivem Ergebnis stetig abnimmt. Seit Eröffnung der Teststelle auf dem Poco-Gelände in Bergkamen habe es dort schon knapp 10.000 Testungen gegeben.

Rolke kann Zahlen für den gesamten Kreis Unna nennen. Demnach wurden in den 166 Teststellen bis Montagmittag mehr als 423.000 Tests durchgeführt. „Davon waren 1069 positiv.“

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