Kontaktverfolgung

Mit QR-Code zum Gebet: So funktioniert der Moscheebesuch in Corona-Zeiten

Zekeriya Kalabalik Moschee Oberaden
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Zekeriya Kalabalik (48) ist Vorsitzender der Moscheegemeinde Oberaden: Beim Betreten der Gebetsräume müssen die Gläubigen ein umfassendes Hygienekonzept beachten und unter anderem ihren eigenen Gebetsteppich mitbringen. Das gemeinsame Fastenbrechen im bevorstehende Ramadan fällt wie im Vorjahr aus, um für alle das Risiko von Ansteckungen mit dem Coronavirus zu minimieren.

Die muslimische Gemeinde in Bergkamen-Oberaden setzt technische Lösungen in der Corona-Pandemie. Wer in der Moschee in Oberaden beten möchte, benötigt einen QR-Code.

Bergkamen – Morgens, mittags, nachmittags, abends, nachts: In der Moschee in Oberaden gibt es täglich fünf Gebetszeiten. Zur besseren Kontaktnachverfolgung in der Corona-Zeit nutzt die dortige Gemeinde mittlerweile technischen Support in Form von Scannern, wie es sie an der Supermarktkasse gibt. „Das spart Zeit, ist minutengenau – und im Infektionsfall können wir schnell reagieren“, sagt Vorsitzender Zekeriya Kalabalik.

Der 48-Jährige steht auch dem Integrationsrat der Stadt Bergkamen vor. In der Sitzung des Gremiums am Dienstag erläuterte er, wie die Muslime in seiner Gemeinde ihren Glauben in der Pandemie leben und dass sie im bevorstehenden Ramadan auf das gemeinsame Fastenbrechen in den Gemeinderäumen verzichten, um das Risiko von Ansteckungen mit dem Coronavirus zu minimieren. Der Fastenmonat beginnt in diesem Jahr am Dienstag, 13. April, und endet am Mittwoch, 12. Mai.

Per Scanner wird der QR-Code der Gläubigen eingelesen, wenn sie die Moschee an der Rotherbachstraße betreten oder verlassen.

Schon vor einem Jahr habe man ein Hygienekonzept für die Moschee an der Rotherbachstraße / Ecke Hans-Böckler-Straße entwickelt, erläuterte Kalabalik. Dabei sei die Gemeinde nach den Empfehlungen des Koordinationsrates der Muslime vorgegangen, in dem sie über den Ditib-Dachverband vertreten ist. 1,50 Meter Mindestabstand, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Moscheegebäude (seit zwei Monaten nur medizinische oder FFP2-Masken) sowie das Desinfizieren der Hände beim Eintritt seien unerlässlich. Daneben gebe es weitere strenge Auflagen.

Rituelle Waschung schon zu Hause

Eine davon: Jeder Gläubige bringt seinen eigenen Gebetsteppich mit. Überdies hat die rituelle Waschung vor dem Gebet nicht im Gebäude, sondern schon zu Hause zu erfolgen. „Ausnahmen hat es bisher kaum gegeben“, erläuterte Kalabalik. Auf gemeinsamen Gesang wird in der Moschee verzichtet. Die Muezzin-Kammer, das Vorbeter-Pult und die Predigt-Kanzel sind mit transparentem Spuckschutz ausgestattet.

Zur Nachverfolgung der Kontakte lagen anfangs ausschließlich Papierlisten aus. Die gibt es für seltenen Besuch immer noch, doch dem Gros der Gläubigen ist mittlerweile ein QR-Code zugewiesen worden. „Der wird beim Betreten und Verlassen der Moschee eingescannt“, erläuterte Kalabalik.

Muezzin-Kammer, Vorbeter-Pult und Predigt-Kanzel sind mit transparentem Spuckschutz ausgestattet.

300 QR-Codes sind mittlerweile erstellt und zum Großteil ausgegeben worden. Sie können per Kärtchen oder Handy vorgezeigt werden. Dass die Moscheegemeinde bei der Bekämpfung der Pandemie auf technische Lösungen setzt, kommt nicht von ungefähr: Kalabalik ist Diplom-Informatiker und arbeitet seit mehr als 20 Jahren in der IT-Branche. „Das Programm stammt von einem Anbieter, wir mussten es nur unwesentlich verändern.“

Nur 34 statt 250 Plätze

Wegen der Abstandsregeln beim Beten (1,50 Meter nach links und rechts, zwei Meter nach vorn und hinten) fasst der Haupt-Gebetsraum aktuell nur 34 statt bis zu 250 Gläubige. Zu den Freitagsgebeten, den für Muslime wichtigsten in der gesamten Woche, kommen noch jeweils rund 30 Plätze auf der Empore sowie im Untergeschoss des Gebäudes hinzu. Kalabalik: „Wir versuchen auch beim Einlass, Menschenansammlungen zu vermeiden – und falls sich doch eine Schlange bildet, darauf zu achten, dass auch dann Abstände eingehalten werden.“

Die Moscheegemeinde in Oberaden ist unter der neuen Gemeindeleitung kontinuierlich gewachsen – binnen eineinhalb Jahren auf nunmehr rund 280 Frauen, Männer und Kinder bzw. Jugendliche. „Wir legen großen Wert darauf, mit den Mitgliedern im Gespräch zu sein“, verdeutlicht Kalabalik. Auch deshalb sei es bedauerlich, dass nach 2020 auch in diesem Jahr auf das gemeinsame Fastenbrechen im Ramadan verzichtet werden müsse. Dessen Sinn und Zweck sei ja auch, Bedürftige an den eigenen Tisch zu bringen. In Bergkamen gibt es neben der in Oberaden zwei weitere Ditib-Gemeinden, in Rünthe und in Bergkamen-Mitte. Weitere Gemeinden gehören anderen Organisationen an.

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