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Mit Maske und Abstand: „Bürger gegen Rechts“ protestieren gegen Querdenker

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Von: Markus Liesegang

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Mit Kerzen gedachten die Teilnehmer der Kundgebung vor dem Rathaus den Toten der Pandemie.
Mit Kerzen gedachten die Teilnehmer der Kundgebung vor dem Rathaus den Toten der Pandemie. © Liesegang

Am Mittwochabend gedachten in Bergkamen Dutzende Menschen der Corona-Toten und und warnten vor einer Vereinnahmung der Pandemie-Kritik durch Rechtsextreme. Es war eine Reaktion auf den sogenannten „Spaziergang“ von Querdenkern am Sonntag.

Bergkamen – Am treffendsten brachte es eine Frau auf den Punkt: „Einfach, weil ich Mensch bin!“, begründete sie ihr Kommen zur Kundgebung am Mittwochabend am Bergkamener Rathaus. Und sie verneinte die Zugehörigkeit zu einer politischen Richtung. Die Initiative „BürgerInnen gegen Rechts Kamen & Bergkamen“ hatte zu einer Gedenkveranstaltung eingeladen. Mehr als 50 Menschen entzündeten eine Kerze für die Corona-Toten.

Zeichen gegen Corona-Leugner

„Wir sind hier mit Maske, mit Abstand und Anstand“, begrüßte Anmelder Till Peters die Demonstranten. Die waren nicht nur gekommen, um zu gedenken, sondern um ein Zeichen zu setzen gegen die Corona-Leugner und Impfgegner, die sich am vergangenen Sonntag zu einer nicht genehmigten Versammlung, einem sogenannten „Spaziergang“, getroffen hatten.

Ein „Sage Nein“ von Konstantin Wecker deutete die Richtung dieser Gegendemo an: politisch links, weil die Rechtsextremen sich des Themas Pandemie bemächtigen würden. Passend folgte später das Widerstandslied „Bella Ciao“. Impfkritiker würden den Nazi neben sich oft blind in Kauf nehmen, hieß es.

Gedenken auch an Mord-Opfer

Ein Teilnehmer trug ein Plakat mit der Aufschrift „Besser solidarisches Schlafschaf als egoistischer Dummbeutel“. Ein anderer erzählte von einem Freund, der gerade am Virus verstorben sei.

Der Gedenkminute für die Verstorbenen ließ Peters eine weitere für die Opfer „kaltblütiger Morde“ folgen. Schließlich erschoss ein Maskenverweigerer im Sommer eine Tankstellenaushilfe im Idar-Oberstein. Die Gefahr der Radikalisierung sei auch in der Region zu verfolgen. „In den sozialen Medien folgen nicht mehr 25 solchen Telegram-Gruppen, sondern inzwischen über 100, sicher auch aus Frust wegen der Dauer der Corona-Pandemie“, so der Aktivist.

Vorerst letzte Aktion

Weitere Aktionen planen die Bürger gegen Rechts momentan nicht. „Wir hoffen, nicht mehr machen zu müssen“, erklärte Peters.

Am Dienstag hatte die Polizei erklärt, dass sie weiterhin konsequent gegen die Durchführung von nicht angemeldeten Versammlungen vorgeht, zu denen sie die „Spaziergänge“ zählt. Nach Ansicht von Landrat Mario Löhr, dem Leiter der Kreispolizeibehörde, wollen die daran Teilnehmenden nichts anderes als „dem Rechtsstaat auf die Füße zu treten“.

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