„90 Minuten gegen Rechts“ an der Freiherr-vom-Stein-Realschule

+
Die Symbolik von Rechtsextremisten stand im Fokus des Workshops. Für das Thema hatten sich die Zehntklässler entschieden, weil es Diskussionen um den Kauf von Abschluss-Pullovern gab.

Bergkamen - „90 Minuten gegen Rechts“ hieß es an den vergangenen beiden Tagen an der Freiherr-vom-Stein-Realschule an der Hochstraße. Die gesamte Jahrgangsstufe zehn hatte Besuch von Referenten der DGB-Jugend des Deutschen Gewerkschaftsbundes und erhielt ganz besonderen Politik- und Geschichtsunterricht.

Im Vorfeld der Projekttage hatten sich die Schülerinnen und Schüler ihre Schwerpunkt-Themen aus dem breiten Feld des Rechtsextremismus aussuchen können: „Alle entschieden sich für die Themen ,Symbole und Zeichen’ beziehungsweise die Neonazi-Szene in Dortmund“, staunte Lehrerin Andrea Schwartze; ein weiteres Themenfeld wäre etwa auch „Fußball und Rechtsextremismus“ gewesen. „Das ist neu und ich hätte eigentlich gedacht, dass die Schüler das spannend finden würden“, sagte Schwartze.

Seit 2012 in jedem Jahr ein Thema

Seit 2012 werden die Projekttage gegen Rechts mit den Abschlussklassen durchgeführt. Was zunächst mit einer Klasse begann, ist inzwischen auf die gesamte Stufe ausgedehnt. 64 Schülerinnen und Schüler waren es dieses Mal, die sich im Klassenverband zweimal „90 Minuten gegen Rechts“ stellten.

Beim Thema „Versteckspiel – Lifestyle, Symbole und Codes der Rechten“ zeigten die Jugendlichen, wie sensibilisiert sie für das Thema bereits waren. „Wir wollten Abschluss-Pullover von Alpha Industries für unsere Klasse kaufen“, erklärte ein Schüler. Doch eine Mitschülerin brachte über ehemalige Mitschüler, die das Projekt bereits absolviert hatten, in Erfahrung, dass Schriftzug und Symbol der Modemarke gerne von Rechtsextremen genutzt werden. Recherchen ergaben zwar, dass sich die Firma deutlich davon distanziere, doch nach heißen Diskussionen im Geschichtsunterricht entschied die Klasse, auf diese Pullover verzichten zu wollen.

Schüler fürs Thema sensibilisiert

So sensibilisiert, war das Interesse der Schüler am Thema heimliche Symbolik von Rechtsextremisten besonders ausgeprägt. Und als dann in der Auswahl zu bewertender Symbole im Projekt „90 Minuten gegen Rechts“ Alpha Industries zur Sprache kam, waren die Schüler bestens vorbereitet. 

Doch auch sonst konnten sie die Flagge des Kaiserreichs zuordnen und erörterten, warum Rechtsextreme sie gerne nutzen, oder kannten die Bedeutung von Oberteilen mit dem Schriftzug Consdaple. „Unter einer geöffneten Bomberjacke liest man nur die Buchstaben nsdap auf der Brust“, wusste eine Schülerin. Und dass diese Buchstaben für die Nationalsozialistische Arbeiterpartei stehen, kam von einer Schülerin wie aus der Pistole geschossen. Kein Wunder also, dass diese Oberteile eine beliebte Mode bei Rechtsextremen sind, denn im Rahmen eines Namens ist die Buchstabenkombination natürlich nicht verboten, als eigenständiger Aufdruck hingegen schon.

Beim zweiten Thema „Rechte Szene in Dortmund“ kannten sich die Schüler ebenfalls bestens aus – und erklärten der DGB-Referentin vor allem eines: In Bergkamen seien ihnen keine neonazistischen Aktivitäten bekannt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare