Lärm betrifft nur wenige Bergkamener

Rechnung statt Messung: Kritik am Lärmaktionsplan für die Hauptstraßen

Tempo 30 an der Jockenhöfer-Kreuzung in Rünthe einzurichten ist aus Sicht der Verwaltung sinnlos.
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Tempo 30 an der Jockenhöfer-Kreuzung in Rünthe einzurichten ist aus Sicht der Verwaltung sinnlos.

Straßenlärm ist in Bergkamen für viele Anwohner ein echtes Problem. Und dem will sich die Stadt Bergkamen auch annehmen: mit einem Lärmaktionsplan. In der dritten Stufe dieses Planes befasste sich die Stadt mit den Hauptstraßen und ermittelte rein rechnerisch die Belastung an den jeweiligen Straßen. Die Haupterkenntnis fasste Christiane Reumke jetzt im Stadtentwicklungsausschuss so zusammen: „Es gibt derzeit keine Handlungsmaßnahmen, die uns wirklich weiterbringen würden.“ Und: „Beim Lärmschutz müssen wir als Stadt selbst etwas tun.“

Bergkamen – Kernpunkt der Überprüfung waren natürlich die Autobahnen A1 und A2, die Werner Straße (B 233), die Lünener Straße (ehemalige B 61, heutige L654) und auch neu die Schul- und Kampstraße sowie der Osten- und Westenhellweg und der Ortseingang von Rünthe.

„Rein rechnerisch sind aber von überschrittenen Höchstwerten am Tag nur neun Personen betroffenen“, erklärte Reumke, des nachts wären es 51 Menschen. „Von denen haben sich aber nur sehr wenige im Rahmen des Beteiligungsverfahrens gemeldet“, sagt Reumke, woraus die Stadt schließt, dass das Problem nicht als besonders gravierend angesehen wird und nur wenige tatsächlich primär vom Lärm betroffen sind.

Kreisverkehr zeigt schon Wirkung

Vorgenommene Maßnahmen wie der neue Kreisverkehr zum Anschluss der L821n hätte in Vierhausen schon für eine deutliche Verbesserung der Situation gesorgt. „Dabei ist dort noch nicht mal ein Lärmschutzwall entstanden“, erklärte Reumke. Doch an der Jockenhöfer-Kreuzung Tempo 30 einzurichten sei sinnlos, da der Verkehr dort wegen der Ampel ohnehin bremsen müsse. Im Bereich Industriestraße/Werner Straße wohnten nur wenige Menschen, ebenso am Ortseingang Rünthe Nahe der A1.

Erläuterungen, die bei der Politik jedoch nicht auf ungeteilte Gegenliebe stießen, vor allem im Bereich Weddinghofen. „Immer nur auf die L821n zu setzen, das reicht nicht“, wetteiferte Claudia Schewior vom Wahlbündnis BergAuf.

„Bis die gebaut ist, fließt der Verkehr noch über Schul- und Kampstraße. Die Leute müssen entlastet werden.“ Für „unzureichend“ hielt auch Thomas Grziwotz von den Grünen die Situation. „Es läuft doch etwas schief, wenn der Verkehrsfluss höher bewertet wird als die Gesundheit der Bürger.“

Was ist mit der Fritz-Husemann- und Erich-Ollenhauer-Straße?

Kritik erntete aber vor allem die Messmethode, die eben nur eine Rechnung gewesen war und keine tatsächliche Messung. Und davon abgesehen sei auch das subjektive Lärmempfinden oftmals ein anderes als das objektiv vorhandene. Und, so wurde die Frage gestellt: „Wo sind die Fritz-Husemann- und Erich-Ollenhauer-Straße, die ebenfalls stark befahren sind?“

Bei zwei Enthaltungen beschloss der Ausschuss jedoch mit Mehrheit, dass der Rat den vorgelegten Aktionsplan der Stufe 3 beschließen und an das zuständige Landesministerium melden solle.

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