Mehrfacher Missbrauch an Stieftöchtern: 51-Jähriger aus Bergkamen muss mehrere Jahre in Haft

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Seit September vergangenen Jahres musste sich der Angeklagte, der von Verteidiger Manfred Heinz vertreten wurde, vor Gericht verantworten. Nun wurde das Urteil gesprochen.

Bergkamen/Bönen/Dortmund -Wegen sexuellen Missbrauchs seiner beiden zunächst ungefähr acht und zehn Jahre alten Stieftöchter muss ein heute 51-jähriger Bergkamener für drei Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Diese Strafe fällte die Jugendschutzkammer am Dortmunder Landgericht unter Vorsitz von Ulf Pennig nach mehrmonatiger Beweisaufnahme.

Mit äußerlich unbewegter Miene verfolgte der Verurteilte neben seinem Pflichtverteidiger Manfred Heinz aus Bergkamen die ausführliche Urteilsbegründung, nur wenige Meter von einem seiner beiden Opfer entfernt. 

Die mittlerweile 31-jährige Frau war eigens aus ihrer Wahlheimat Österreich angereist, um die Urteilsbegründung gegen ihren Peiniger aus Kindheitstagen zu verfolgen. Nach Überzeugung der Strafkammer hat der Landschaftsbauer die beiden Töchter seiner damaligen Ehefrau wiederholt in den wechselnden Familienwohnungen in Bergkamen, Bönen und Dortmund missbraucht und vergewaltigt. 

"Nur die Spitze des Eisbergs"

Insbesondere die heute 31-Jährige musste nach Überzeugung der Richter immer wieder sexuelle Übergriffe bis hin zum Analverkehr über sich ergehen lassen, war zu Beginn der sich in ihrer Intensität steigernden Übergriffe acht Jahre alt. 

„Wir sind uns bewusst, dass es zu weitaus mehr Übergriffen gekommen ist, dies ist nur die Spitze des Eisberges“, erklärte Richter Pennig in seiner Urteilsbegründung. Für eine Verurteilung müssten jedoch konkrete Fakten vorliegen und dies könne naturgemäß nicht bei allen zunächst bei der Polizei behaupteten und angeklagten Fälle geschehen. Die verurteilten Taten gehen zurück bis in die Jahre 1997 und 2004. Die beiden früheren Stieftöchter hatten sich im Prozess unter Tränen an die sexuellen Gewalterlebnisse erinnert und leiden bis heute unter dem Erlebten. 

Verteidiger will in Revision gehen

„Die beiden jungen Frauen stehen bis heute unter dem Eindruck des Erlebten und der Person des Angeklagten. Wir haben keinerlei Zweifel daran, dass sie hier die Wahrheit gesagt haben“, fasste Pennig die Angaben der Belastungszeuginnen zusammen. Beide Frauen haben erst vor wenigen Jahren Strafanzeige gegen den Bergkamener erstattet, sie litten zunehmend unter gesundheitlichen Problemen wie Depressionen und Angstzuständen. 

„Wir können nicht sagen, dass die erlebten Übergriffe allein die Ursache für diese Erkrankungen sind, aber auf jeden Fall waren sie wesentlicher Bestandteil“, so Pennig. Der Verteidiger hatte die Aussagen der beiden Frauen als unglaubwürdig darzustellen versucht. 

Der Angeklagte hatte seine Unschuld beteuert und behauptet, das unschuldige Opfer einer Familienintrige zu sein. Das Urteil ist nicht rechtskräftig und wird voraussichtlich, so Verteidiger Manfred Heinz, mit dem Rechtsmittel der Revision vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe angefochten werden.

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