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Mehr Rapsanbau wäre theoretisch möglich, aber so einfach ist es nicht

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Von: Carola Schiller

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Blühendes Rapsfeld
Während der Raps auf den Feldern blüht, wird das Endprodukt Rapsöl in den Regalen knapp. Die Landwirte können so schnell nicht für Nachschub sorgen. © Karin Hillebrand

Wer in diesen Wochen in den Supermärkten nach Rapsöl sucht, geht leer aus oder muss deutlich tiefer in die Tasche greifen. Mit dem Wegfall der Ukraine als Lieferant wird es bei landwirtschaftlichen Produkten eng. Dabei wächst Raps für die Ölgewinnung auch auf deutschen Feldern. Nur eben nicht genug. Der Gedanke liegt nahe, den Anbau massiv auszuweiten. Doch so einfach ist das nicht.

Bergkamen – Dirk Darenberg ist einer der Landwirte in Bergkamen, die Raps anbauen. Rund 20 Prozent seiner Gesamtfläche kann er dazu nutzen. Im Wechsel, denn unter Beachtung der Fruchtfolge muss er dann die Fläche wechseln, um den gleichen Ertrag zu erzielen.

30 bis 40 Prozent Öl enthält der Raps, den er regional an eine Ölmühle liefert, die ihn verarbeitet. Die jetzt sehr starke Nachfrage hat nun dafür gesorgt, dass der Preis für Raps zum ersten Mal wieder angestiegen ist. „Das war lange Zeit nicht so“, erinnert sich Darenberg, denn der Raps wurde bislang aus Kanada importiert und das hat den Preis gedrückt.

Verpflichtung zur Flächenstilllegung verhindert mehr Anbau

Viel mehr anbauen kann Darenberg aber auch nicht. Das verhindert die Verpflichtung zur Flächenstilllegung. Die betrifft vier Prozent seiner Flächen, insgesamt acht Hektar, die er für Raps zusätzlich verwenden könnte, aber nicht darf. „Da wachsen dann Brennnesseln und Disteln“, ärgert sich der Landwirt. Außerdem hätten sich die Preise für Düngemittel vervierfacht. Wer also glaubt, dass Landwirte mit Raps nun Riesengewinne machen, irrt sich.

Eine Chance auf kurzfristig mehr deutschen Rapsanbau sieht auch Hans-Heinrich Wortmann nicht. „Zwischen der Raps-Aussaat und der Rapsflasche im Ladenregal liegt also mindestens ein Jahr“, so der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe. Natürlich würden die Landwirte schon jetzt überlegen, wie sie im Rahmen einer gesunden Fruchtfolge nach der Ernte im Sommer mit der neuen Aussaat auf die aktuelle Situation reagieren könnten, doch bevor der Raps dann als Öl zu kaufen sei, sei es Spätsommer 2023.

Mehr Flexibilität würde helfen

Wortmann macht nicht nur die verschärften Düngeverordnungen und die Einschränkungen bei der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln für geringere Ernten verantwortlich. Die Flächenstilllegung im Rahmen der neuen Agrarreform ab 2023 käme noch obendrauf.

Wortmann wünscht sich hier deutlich mehr situationsbedingte Flexibilität. Zum Beispiel, durch ein Verschieben der Reform um ein Jahr. Ganz besonders vor dem Hintergrund, dass ein stärkerer Rapsausbau hierzulande gut möglich sei. Ganz im Gegensatz zu Sonnenblumen für die Ölgewinnung. Grundsätzlich stünden die Landwirte dem Umweltschutz sowieso positiv gegenüber. Der Zeitpunkt der neuen Verschärfungen, die EU-weit gelten, hält er aber für denkbar ungünstig.

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