Mathes Schweinberger gibt Porträtworkshop im Stadtmuseum Bergkamen

Mathes Schweinberger begutachtet die Porträtzeichnungen seiner Workshopteilnehmerinnen.
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Mathes Schweinberger begutachtet die Porträtzeichnungen seiner Workshopteilnehmerinnen.

BERGKAMEN -   Mathes Schweinberger rührt sich nicht vom Fleck. Wie erstarrt sitzt er auf seinem Stuhl in der Galerie „sohle 1“, den Kopf geradeaus zur Wand gerichtet. Nur ab und zu blinzelt er mit den Augen, verzieht die Lippen zu einem Lächeln. Seit knapp 20 Minuten schon verharrt er in dieser Haltung.

Zehn Augenpaare scannen sein Gesicht. Millimeter für Millimeter. Karin Felgenhauer schaut kurz hoch, mustert die linke Gesichtshälfte des Dozenten und senkt den Blick. Noch einmal wandert ihr Bleistift über das Papier. Die schwarzen Striche ergeben bereits ein Porträt. Ganz zufrieden allerdings ist die pensionierte Grundschullehrerin aus Bergkamen nicht: „Das sieht alles zu gleichmäßig aus“, meint sie selbstkritisch. Doch der Porträt-Workshop im Stadtmuseum hat schließlich gerade erst begonnen. Und so, wie sich Sportler vor dem Training zunächst dehnen, müssen sich die Teilnehmerinnen erst einmal locker zeichnen.

Für manche ist es das erste Mal, dass sie nach lebender Vorlage arbeiten. Andere haben bisher ausschließlich Erfahrungen in der Acryl- oder Porzellanmalerei gesammelt. Gleichwohl ist Workshop-Leiter Mathes Schweinberger von den Ergebnissen angenehm überrascht. Die Proportionen stimmen teilweise schon. „Das Verhältnis von Vorder- zu Hinterkopf passt“, lobt Schweinberger das Werk von Elisabeth Kramer. Einen Teil von sich kann der Künstler in jedem Bild wiedererkennen – und manchmal von den Damen selbst. „Du hast mir etwas von deinen Augen gegeben“, meint Schweinberger, als er die Zeichnung von Barbara Strobel betrachtet.

Noch bis zum 10. Februar stellt der Künstler gemeinsam mit Lior Körner Arbeiten in der Galerie „sohle 1“ aus. Dort zeigt er vor allem architektonische Ansichten, doch er hat auch schon mehrere hundert Menschen porträtiert. Manchmal in nur zehn Minuten. Mit einer Fotografie ist es da nicht getan. Das Modell muss leben. Das Licht spielt eine entscheidende Rolle, erläutert Schweinberger. Viele Details allerdings brauche es für ein Porträt nicht: „Es muss so sein, dass ein Bildhauer einen Kopf danach modellieren kann.“

Doch womit fängt man an? Karin Felgenhauer beginnt mit den Augenbrauen. Die Scheu vor dem weißen Blatt überwindet sie mit einem Trick: Das Papier grundiert sie mit Kaffee. „Da hat man gleich mehr Mut“, sagt sie.

Nicht nur der Dozent selbst sitzt für sie und ihre Mitstreiterinnen Modell, mit Peter Schedalke nimmt auch ein waschechter Bergmann auf dem Stuhl Platz. Die Lampe an seinem Helm erweist sich als kniffelig. Dass seine Haut frei von Falten ist, macht die Sache nicht einfacher. „Ich habe dich bestimmt zwanzig Jahre jünger gemacht“, sagt Doris Overhage amüsiert.

Bei anderen ist die Nase zu breit geraten, der Mund zu klein. Doch die Damen lassen sich nicht beirren. Am Ende steht der Wunsch, öfter Workshops mit Schweinberger machen zu können. Der zeigt sich begeistert. - rw

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