Absage für Bürgeridee

Marktplatz Rünthe: Stadtverwaltung sieht bei Rückkauf hohes Risiko

Marktplatz Rünthe
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Der Rünther Marktplatz ist für eine Wohnbebauung vorgesehen, doch im Boden liegen Altlasten. Der Eigentümer möchte die Fläche an die Stadt veräußern, die lehnt einen Rückkauf derzeit allerdings ab.

Rünthe – Die Entwicklung des ehemaligen Rünther Marktplatzes zum Wohngebiet stockt weiter. So rät die Stadtverwaltung aktuell vom Rückkauf der mit Schadstoffen belasteten Fläche ab, weil die finanziellen Auswirkungen noch nicht abzuschätzen seien.

Gleichzeitig empfiehlt sie der Politik, der Bürgeranregung des örtlichen Aktionskreises „Wohnen und Leben Bergkamen“ zur Erstellung eines städtebaulichen Gutachtens zum Marktplatz sowie zum angrenzenden Landwehrpark nicht zu folgen.

Mit dem Thema Marktplatz beschäftigt sich der Ausschuss für Stadtentwicklung, Strukturwandel und Wirtschaftsförderung in seiner nächsten Sitzung am Dienstag, 15. September, ab 17 Uhr im Ratssaal. Die Verwaltung hat dazu den aktuellen Sachstand zu Papier gebracht.

Förderung vom Verband für Altlastensanierung

In der Sitzungsvorlage wird erstmals bestätigt, dass die Stadt zur Sanierung der Fläche in Erwägung zieht, den Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AAV) einzubeziehen. Dieser würde das Vorhaben aber nur fördern, wenn die Stadt auch Eigentümerin des Areals ist.

Derzeit gehört es der Vivawest GmbH. Ihre Rechtsvorgängerin, die Wohnbau Westfalen GmbH, hatte 2002 den überwiegenden Teil des Marktplatzes von der Stadt Bergkamen erworben, um hier neun Doppelhäuser zu errichten. Von diesem Plan ist das Unternehmen mittlerweile abgerückt.

In der Vorlage wird betont, dass der damalige Kaufvertrag „in Kenntnis des beigefügten Altlastengutachtens“ unterschrieben worden sei. Die Stadt prüfe derzeit noch das Angebot von Vivawest, die Fläche zurückzukaufen. Dabei sei zu berücksichtigen, dass weiterhin eine Altlastensanierung der Fläche geboten sei und diese angesichts neuer rechtlicher Anforderungen höhere Kosten verursache, als einst veranschlagt wurden. Ein Rückkauf sei aktuell auch insofern „risikobehaftet“, als dass der AAV noch keine Förderzusage machen könne. Dafür müsste auch eine Nutzungskonzeption für die Fläche erstellt werden.

Zur weiteren Vorgehensweise schreibt die Verwaltung: „Rechtliche und finanzielle Folgen eines Rückkaufs durch die Stadt Bergkamen sind abzuwägen gegen die weiteren Chancen zur Entwicklung der Fläche.“ Derweil sollen die Gespräche mit Vivawest und mit dem AVV zur Auslotung von Fördermöglichkeiten fortgeführt werden. Auch der Kreis Unna als Bodenschutzstelle soll eingebunden werden. Er hatte in einem Schreiben Ende Juni 2020 die Vivawest GmbH und die Stadt Bergkamen als Eigentümerin einer der Erschließungsflächen dazu aufgefordert, Untersuchungen zur Gefährdungsabschätzung durchführen zu lassen.

Laut Verwaltung hatte es im Übrigen schon „verschiedentlich private Kaufinteressenten“ für die Fläche gegeben, die teilweise auch Kontakt mit der Stadt aufgenommen hätten. Zuletzt habe es 2018 Gespräche zwischen einem Privaten und dem Kreis Unna über den Sanierungsaufwand gegeben. Im Ergebnis habe sich der Kaufinteressent zurückgezogen.

Verwaltung findet Gutachten „entbehrlich“

Mit ihr will der Aktionskreis „Wohnen und Leben Bergkamen e.V.“ die Rünthe-Mitte-Entwicklung voranbringen. Konkret wird die Erstellung eines Gutachtens vorgeschlagen, das „die vielfältigen Potenziale“ speziell im Bereich von Marktplatz und Landwehrpark ausloten soll.

Aus Sicht der Verwaltung ist derlei Expertise aus zweierlei Gründen „entbehrlich“. Zum einen, weil der fürs lokale Klima wichtige Landwehrpark im Zuge des Klimaschutzkonzeptes ohnehin auf seine Funktionen hin untersucht wird, um daraus konkrete Bewirtschaftungs- und Pflegemaßnahmen ableiten zu können. Zum anderen, weil die bisher auf dem Marktplatz geplante wohnbauliche Nutzung „auch künftig anzustreben“ sei.

Neben „sehr vereinzelten Baulücken“ sei der ehemalige Marktplatz die letzte verbleibende Wohnbauflächenreserve im Stadtteil Rünthe, argumentiert die Verwaltung. „Andere bauliche Nutzungen – etwa Gewerbe – scheiden aufgrund der Vorgaben aus dem Flächennutzungsplan sowie aufgrund der benachbarten Wohnnutzung aus“, heißt es in einer zweiten Verwaltungsvorlage. Und: „Eine Nutzung der gesamten Fläche als Freiraum und Einbezug in den Landwehrpark zur Erweiterung der dortigen Grünfläche entspricht ebenfalls nicht der Vorgabe des Flächennutzungsplans, ist aber vor allem vor dem Hintergrund der Sanierungskosten unwirtschaftlich.“

In der Bürgermeisterrunde am Montag in Rünthe hatten mehrere Kandidaten betont, dass die Stadt Bergkamen bei der Entwicklung des Marktplatzes am Ende nicht draufzahlen dürfe. Auf dem Gelände des Rünther Marktplatzes befand sich früher eine kleinere Hausmülldeponie. Die Altlasten im Boden gehen auf eine Schwarzdecke zurück, mit der die Deponie zur Abdichtung überzogen wurde.

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