Cannabis-Fachgeschäft in Planung

Schmerz-Patient kommt nur mit Hanf-Tee durch den Tag - nun will die Krankenkasse nicht zahlen

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Rüdiger Klos-Neumann steht vor einem Feld mit Hanfpflanzen. Was Andere als Rauschmittel benutzen, ist für den Schmerzpatienten lebenswichtige Medizin.

Rüdiger Klos-Neumann hat unerträgliche Schmerzen. Dagegen hilft ihm nur ein Tee aus Cannabis-Blüten. Den will die Krankenkasse nun nicht mehr zahlen.

Bergkamen – „Auf einer Skala von eins bis zehn“, sagt Rüdiger Klos-Neumann, „liegen meine Attacken bei acht und neun.“ Ab zehn wird er vor lauter Schmerzen ohnmächtig. Klos-Neumann ist chronisch krank, er leidet an Cluster-Kopfschmerzen. Dagegen hilft ihm nur eins: Marihuana. Aber seit Dezember zahlt die Krankenkasse nicht mehr.

300 Gramm Cannabisblüten, soviel verkocht Rüdiger Klos-Neumann im Monat. Zehn Gramm kosten in der Apotheke 184 Euro. Er erhitzt die Blüten erst, um ihre Wirkung zu aktivieren, dann kocht er aus den Pflanzen Tee. „Man muss die Blüten mittrinken“, erklärt Klos-Neumann. Lässt seine Dosis nach, nutzt er einen Verdampfer. Nur so kommt er durch den Tag, kann arbeiten und sich um seine Familie kümmern.

Bis zu sieben Attacken am Tag

Seit fünf Jahren behandelt Klos-Neumann seine Kopfschmerzen mithilfe von Cannabis. Seit 25 Jahren ist er chronisch krank. „Cluster-Kopfschmerzen werden auch als Selbstmord-Kopfschmerzen bezeichnet“, sagt er. Bis zu sieben Mal am Tag hat er die heftigen Schmerzattacken, sie können bis zu 90 Minuten anhalten.

Mithilfe des Tees und des Verdampfers könne er den Schmerz einkapseln, sagt Klos-Neumann. „Ich erlebe dann nur einen kalten Cluster“, der Schmerz ist noch da, aber deutlich abgeschwächt. „Ich merke schon, das Auge schmerzt und hinter dem Auge tut es weh, aber es bricht halt nicht aus und ich habe nicht das Gefühl, dass jemand ein Beil nimmt und meinen Schädel spaltet.“

Aus den Blüten der Cannabispflanzen macht Rüdiger Klos-Neumann Tee. Nur so kann er seine Schmerzen lindern.

Sein erster Anfall traf den damals 20-Jährigen wie ein Schlag. „Der Schmerz fängt in der Schläfe an, zieht sich bis zum Auge und bis runter in die Zahnwurzeln.“

Ausgelöst werde der Schmerz vom Hypothalamus, dem Kleinhirn, erklärt Klos-Neumann. „Es ist ein genetischer Defekt, der bei mir vorhanden ist.“ Warum diese Cluster-Anfälle kommen, wisse man allerdings nicht, da die Forschung noch nicht so weit ist.

„Seit fünf Jahren ist es jetzt chronisch bei mir, das bedeutet, das Schlimmste was für mich in meinem Leben eintreten konnte, ist passiert, dass es tagtäglich der Fall ist“, sagt der 45-Jährige über seine Anfälle. Und nichts konnte dem Familienvater wirklich helfen, von seinen Schmerzen loszukommen, bis er von der Wirkung von Cannabis erfuhr.

Keine Hilfe von der Krankenkasse

Bei einem Facharzt für Cannabis als Medizin informierte sich Klos-Neumann zunächst. „Ich habe dann bei der Krankenkasse nachgefragt. Man sagte mir, ich müsse erst einmal eine Ausnahmegenehmigung haben vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, um nachweisen zu können, dass diese gewisse Therapieresistenz da ist, sonst erhält man diese Ausnahmegenehmigung gar nicht“, erklärt Klos-Neumann. Den Antrag habe er daraufhin gestellt und auch schnell erhalten.

Eine Zeit lang schien im Leben von Klos-Neumann alles zu funktionieren. „Ich konnte in die Apotheke gehen, mein Rezept abgeben wie jeder normale andere Bürger auch, habe meine Rezeptgebühr bezahlt und konnte meine Medikation abholen“, so der Vater einer Tochter. Seine Erwerbstätigkeit, die der 45-Jährige zuvor aufgrund seiner Erkrankung an den Nagel hängen musste, konnte er endlich wieder aufnehmen. „Es hat sich alles sehr positiv für mich entwickelt“, sagt Klos-Neumann, der in der international tätigen Selbsthilfegruppe „Cannabis als Medizin“ vernetzt ist.

Doch dann stellte sich die Krankenkasse quer, wollte die Therapiekosten aufgrund von fehlender Studienlage und Evidenz nicht mehr zahlen. „Das konnte ich nur wenige Monate aufrechterhalten aus eigener Tasche“, erzählt Klos-Neumann. Schließlich musste der Familienvater seinen Job erneut aufgeben.

Ängste und Depressionen

Durch die chronische Erkrankung hat der Familienvater mit Ängsten und Depressionen zu kämpfen. „Nach dem Cluster ist vor dem Cluster“, erklärt er. „Viele verlieren dabei den Mut.“ Das wollte seine Familie nicht länger so hinnehmen. „Anfang des Jahres kam die Familie auf mich zu und hat gesagt, wir müssen das wieder in Griff kriegen, wir müssen dich wieder ins Leben holen.“ Rüdiger Klos-Neumann ist dankbar für den Rückhalt seiner Familie.

„Ich möchte ein schmerzfreies Leben haben“, sagt Klos-Neumann. Zeit mit der Familie verbringen, zur Arbeit gehen zu können – das sind seine Wünsche. Klos-Neumann, der sich nun schon seit einigen Jahren intensiv mit der Forschung, Entwicklung und Herstellung von Cannabis Produkten befasst. möchte kämpfen. Nicht nur für sich, sondern auch für die zahlreichen anderen Betroffenen.

Klos-Neumann plant Cannabis-Fachgeschäft

Derzeit sucht Rüdiger Klos-Neumann noch Investoren, seine Pläne ein Fachgeschäft für Cannabis-Produkte zu gründen, sind aber konkret. Bereits im Frühjahr, am liebsten im April, rechnet er mit der Eröffnung in Bergkamen. „Es gibt viel Schmuh auf dem Markt“, sagt Klos-Neumann. „Bei Cannabis denkt jeder sofort, dass man berauscht wird, das ist aber nicht der Fall.“ Außerdem sei es eine Schwierigkeit saubere, nachhaltige und dem Reinheitsgebot entsprechende Ware zu finden.

Alle Produkte müssen außerdem durch die Polizei, das Ordnungs- sowie Gesundheitsamt abgenommen werden. In seinem Geschäft möchte Klos-Neumann Öle für die Gelenke, Kopfschmerzen, Migräne und Menstruationsbeschwerden sowie CBD-Öle, Essbares, Kosmetika und Kleidung anbieten. „Wir erhalten Sachen aus 100-Prozent-Hanffaser aus Transsilvanien“, sagt er. Konsumierbar sei die Kleidung natürlich nicht, beziehungsweise nur ohne Wirkung.

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