Hochwasser am Gut Velmede

Lippeverband betreibt 247 Pumpwerke: Beim Unwetter funktionierte nur eines nicht

Fast drei Tage benötigten die Helfer, um das Wasser aus der Senke in die Seseke zu pumpen.
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Fast drei Tage benötigten die Helfer, um das Wasser aus der Senke in die Seseke zu pumpen.

Beim verheerenden Unwetter haben alle 247 Pumpwerke im Einzugsgebiet der Lippe tadellos gearbeitet, nur eines irgendwann nicht mehr: das bei Gut Velmede in Bergkamen-Weddinghofen.

Bergkamen – Darin sieht der Lippeverband als Betreiber eine von vermutlich mehreren Ursachen für die immense Überschwemmung in diesem Bereich. Als weitere gilt, dass offenbar gehörige Mengen an Regenwasser von der A2 hierhin flossen.

Der Bereich südlich von Gut Velmede, an der Lünener Straße und dem Sesekedeich gelegen, war großflächig überflutet worden, teils standen Gebäude unter Wasser. Das zog einen Großeinsatz von Feuerwehr und THW nach sich. Fast drei Tage dauerte es, ehe alles Nass über den Damm in die Seseke gepumpt war. Seither arbeitet der Lippeverband das Geschehen auf. Ehe die genauen Gründe für die Überschwemmung benannt werden können, dauere es aber noch etwas, macht Pressesprecherin Anne-Kathrin Lappe deutlich. Demnach müssen weitere Messungen vorgenommen und reichlich Daten ausgewertet werden.

„Mehrere 10.000 Kubikmeter Wasser von A2“

So stehe unter anderem noch nicht fest, auf welchem Weg das Wasser von der nahe gelegenen Autobahn 2 auf die Fläche gelangen konnte. „Tatsache ist aber, dass mehrere 10.000 Kubikmeter von dort gekommen sind“, sagt Lappe.

Und das war fatal, denn das Gebiet hat sich infolge des Kohleabbaus stark abgesenkt, der dadurch entstandene Polder im Bereich „Am Langen Kamp“ lief nach und nach voll, das Wasser konnte nicht entweichen. Das Pumpwerk, das deswegen hier installiert wurde, arbeitete bei dem Hochwasser zunächst unter Volllast, musste dann aber abgeschaltet werden, weil es ein Leck im System und damit die Gefahr von Stromschlägen gab.

„Niederschlag zu gewaltig“

Im Einzugsgebiet der Lippe gibt es Wasserläufe auf einer Länge von 430 Kilometern. Laut Lappe hat es auch an anderen Stellen kleinere bis größere Überschwemmungen gegeben. „Und das, obwohl die Pumpen dort funktioniert haben.“

Der Niederschlag sei einfach zu stark und zu dauerhaft gewesen, als dass Überflutungen hätten verhindert werden können, so Lappe. „Dafür sind die Pumpwerke schlicht nicht ausgelegt.“ Dass in Bergkamen die Technik ausfällt und zeitgleich zusätzliche Wassermengen auftreten, habe man nicht absehen können.

Die Lage war teils dramatisch

Bei dem Hochwasser setzten die Helfer mobile Pumpen mit zusammen 25 Kubikmeter Förderleistung pro Stunde ein. Weil immer wieder Wasser nachlief, zeigten sich erst nach Stunden erste Erfolge. Die Lage vor Ort war teils dramatisch: So zog der Halter von Damwild in Absprache mit dem Kreisveterinär schon die Nottötung seiner Tiere in Erwägung. Diese hält er auf der Südseite der Seseke in einem Gehege. Die Maßnahme konnte abgewendet werden.

Lappe geht davon aus, dass es im Zuge des Klimawandels verstärkt Hochwasserereignisse geben wird und der Lippeverband zusammen mit den Kommunen Gegenmaßnahmen wird treffen müssen. In Poldergebieten bestehe grundsätzlich die Gefahr von Überflutungen.

Online-Karten zeigen Hochwassergefahr

Die Senke am historischen Gut Velmede ist auch offiziell als Gefährdungsgebiet ausgewiesen, so wie viele andere Bereiche entlang der Lippe und anderer Flüsse und Bäche in Nordrhein-Westfalen. Demnach können bei einem Hochwasser, das im Mittel alle 100 Jahre auftritt, trotz des technischen Hochwasserschutzes Flächen nördlich und südliche der Autobahn 2 bis zu vier Meter unter Wasser stehen.

Sogenannte Hochwassergefahrenkarten informieren darüber, welche Bereiche bei Hochwasser überflutet sind und welche Wassertiefen und Fließgeschwindigkeiten zu erwarten sind. Sie sind auf der Internetseite www.flussgebiete.nrw.de des NRW-Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz einsehbar.

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