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S20 verspätet sich: Verlängerte Linie nach Hamm Hbf erst 2022

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Von: Jürgen Menke

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VKU-Bus der Linie S20 am Busbahnhof in Bergkamen.
Wollen die Fahrgäste bis zum Hammer Hauptbahnhof, müssen sie aktuell im Stadtteil Herringen umsteigen. Das sollte sich eigentlich schon zum Ende der Herbstferien ändern. Jetzt wird der 10. Januar 2022 als Termin zur Verlängerung der Fahrtstrecke genannt. © Rother

Der Fahrtweg der Schnellbuslinie S20 (Lünen-Bergkamen-Hamm) soll bis zum Hammer Hauptbahnhof verlängert werden. Die Umstellung des Fahrplans dauert allerdings länger als geplant. Als neuer Starttermin wird jetzt der 10. Januar 2022 genannt.

Bergkamen/Hamm - Schon jetzt fährt die S20 bis Hamm, sie endet allerdings im Stadtteil Herringen. Busreisende etwa müssen dort umsteigen – das dauert. Für die ÖPNV-Nutzer aus Bergkamen ist das seit vielen Jahren ein Ärgernis. Einen Bahnanschluss, zumal mit ICE-Angebot, gibt es in der Stadt bekanntermaßen nicht. Die Stadt Hamm bekommt eine neue Buslinie, die das dortige Hafengebiet anbindet.

„S60“ lautete bis zuletzt der Arbeitstitel der verlängerten S20. Nun aber sollen die Linienbusse unter dem bekannten Kürzel verkehren. Das teilt Christiane Doll, Abteilungsleiterin Verkehrsmanagement der Verkehrsgesellschaft Kreis Unna mbH (VKU), auf Anfrage mit.

Auch neue Linie S40 geplant

Eigentlich sollte die S20 schon nach Ende der Herbstferien auf der verlängerter Strecke unterwegs sein. Dieser Zeitplan habe „aufgrund erforderlicher vertraglicher Regelungen“ nicht eingehalten werden können, sagt Doll. Da überdies die Dienstplanungen des Fahrpersonals immer nur zu Dienstplanwechseln (Schulfahrplan/Ferienfahrplan) erfolgen könnten, sei der nächstmögliche Starttermin nach den Weihnachtsferien.

Neben der S20, deren Fahrweg verlängert wird, ist auch eine ganz neue Schnellbuslinie geplant: die S40. Sie soll Lünen mit Unna verbinden und über Kamen führen, wobei auch Haltepunkte in Oberaden („Zum Oberdorf“) und Weddinghofen („Häupenweg“, „Wellenbad“) angesteuert werden. Diese Linie starte wie vorgesehen am 25. Oktober, berichtet Doll.

2200 Berufspendler zwischen den Städten

Die Einrichtung der beiden Linien hatte der Kreis im März beschlossen. Vorausgegangen waren Untersuchungen zu Fahrgastzahlen und zur Finanzierung des Angebots. Demnach liegt allein die Zahl der Berufstätigen, die zwischen Bergkamen und Hamm pendeln, verkehrsmittelübergreifend bei mehr als 2200. Von einer ausreichenden Nachfrage wird daher ausgegangen. Das Land NRW zahlt über die örtlichen Zweckverbände Zuschüsse für das zusätzliche Angebot im Busverkehr.

Eine direkte Verbindung nach Hamm Hbf gibt es ab dem 10. Januar von montags bis samstags. Dann fahren stündlich Busse. Sonntags werde es wie bisher einen 120-Minuten-Takt nur bis Herringen geben, erläutert Doll. Und: Aktuell würden die S20-Busse mit drei Umläufen fahren. „Zukünftig sind es vier.“ Anders als bei der S40 würden auf dieser Linie auch Busse von Dritt-Anbietern eingesetzt.

„Überörtlichen Busverkehr stärken“

Ohne Umstieg bis zum Hammer Hauptbahnhof – das gab’s schon mal. Bis 2009. Dann aber wurde den Verantwortlichen im Kreis Unna das Angebot zu teuer. Carsten Gniot, oberster Verkehrsplaner der Stadt Hamm, zeigt Verständnis für die damalige Entscheidung, den Fahrtweg zu kürzen. Seine Kommune habe sich an den Kosten der Linie auf eigenem Gebiet bis auf die anteilige Weitergabe von Ticket-Geldern nicht beteiligt – so, wie sich auch andere Städte und Gemeinden nicht beteiligt hätten, wenn Busse der Stadtwerke Hamm ihr Gebiet befahren hätten.

Angesichts begrenzter Mittel habe sich einst jede Verkehrsgesellschaft vor allem um das eigene Versorgungsgebiet und die eigene Klientel gekümmert, erläutert Gniot. Die seit 2020 bestehende Möglichkeit, beim Land Fördergelder zu beantragen, biete die Chance, den überörtlichen Busverkehr im Sinne der ÖPNV-Nutzer zu stärken. „Wir freuen uns sehr über das neue Angebot.“

Hamm noch „ein paar Zehntel zu langsam“

Für eine Förderung gibt es allerdings ambitionierte Vorgaben. Die betreffen die Ausstattung der Fahrzeuge und auch deren Schnelligkeit. Mindestens 32,5 Kilometer pro Stunde müssen sich Schnellbusse im Verkehr bewegen. Auf Hammer Gebiet werde dieser Wert nicht eingehalten, räumt Gniot ein. „Wir sind ein paar Zehntel zu langsam.“ Bis 2024 habe die Stadt aber noch Zeit nachzubessern. Diese Frist habe der Fördergeber gesetzt.

Beschleunigt werden soll die S20 durch die geplante Einrichtung einer Busspur an der Kreuzung Hafen-/Radbodstraße. Anders als der übliche Busverkehr aus dem Hammer Westen soll die S20 nicht über die stark beanspruchte Wilhelmstraße fahren, sondern entlang des Dattel-Hamm-Kanals direkt am Hafen vorbei. „Das ist zwar ein Umweg“, sagt Gniot, „die Fahrzeuge kommen hier aber auch zügiger voran“.

Zeitersparnis: Rund fünf Minuten

Auf etwa fünf Minuten schätzt Gniot die Zeitersparnis für die S20-Kunden, wenn der Umstieg in Herringen wegfällt. „Das hört sich nach wenig an, macht aber ein Drittel der Zeit auf Hammer Gebiet aus“, erläutert der Verkehrsplaner. Mehr noch wiege die Erkenntnis von Verkehrswissenschaftlern, dass die potenzielle Bereitschaft zur Nutzung des ÖPNV mit jedem Umstieg gleich um die Hälfte abnehme.

135.000 Euro Landesmittel pro Jahr erhält die Stadt Hamm für die Förderung des Schnellbusverkehrs. „Die investieren wir in die S20“, sagt Gniot. Garantiert sei der Zuschuss auf zehn Jahre.

Hamm-Werne „rühmliche Ausnahme“

Zwar hätten viele Kommunen in der Region die Organisation von überörtlichem Busverkehr in den vergangenen Jahren stark vernachlässigt, sagt Gniot. Eine rühmliche Ausnahme vor Ort gebe es jedoch: Bei der S10 (Lünen-Werne-Hamm) und der R14 (Werne-Hamm) hätten Kreis Unna und Stadt Hamm beziehungsweise deren Verkehrsgesellschaften schon vor Längerem eine einvernehmliche Lösung zur jeweiligen Kostenbeteiligung gefunden.

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