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Probleme bei der Fahrzeugversorgung? Bergkamener Händler bewerten das unterschiedlich

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Von: Markus Liesegang

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Jörg Günther, Geschäftsführer im Autohaus Jehrke in Bergkamen
Jörg Günther, Geschäftsführer im Autohaus Jehrke in Bergkamen, kommt derzeit nur schwer an junge Gebrauchtfahrzeuge dran. Das Angebot ist deutlich geschrumpft. © Liesegang Markus

Der Automarkt hat ein Problem: Chipmangel sorgt für lange Wartezeiten bei Neuwagen aller Fabrikate. Motorsteuerung, Sensoren, Klimaanlage oder die sogenannte Konnektivität, also die Vernetzung des Automobils mit Smartphone und Tablet – die komplette Funktionalität hängt von Mikroprozessoren ab. Keine Neuwagen heißt aber auch: keine Gebrauchten. Das Altauto wird solange weitergefahren, bis der Neue vor der Tür steht. Ein Dominoeffekt, mit dem auch Autohäuser in Bergkamen zu tun haben.

Bergkamen - Auf den ersten Blick scheint alles gut zu sein. Der Hof vom Autohaus Jehrke an der Bambergstraße ist voll, der des Motor-Center Heinen an der Industriestraße ebenso. Die Beurteilung der aktuellen Situation ist aber durchaus unterschiedlich.

„Normal habe ich so 150 Autos hier stehen“, sagt Jörg Günther, Jehrke-Geschäftsführer. Aktuell seien es 70. „Leasingverträge werden verlängert, weil eben keine neuen Fahrzeuge da sind“, ergänzt er. Günther bezieht seine jungen Gebrauchtfahrzeuge aus dem Sortiment des Volkswagen-Konzerns über die VW-Leasing GmbH. „Die haben ihre Preise angezogen“, so der Geschäftsführer. Ein kleiner Teil der Rückläufer werde über einen Festpreis angeboten, für den anderen müsse der Interessent bieten, erklärt Günther das System.

Das Problem: Das Angebot ist insgesamt auf ein Zehntel geschrumpft. „200 bis 300 Autos sind es pro Tag, normal sind circa 3000“, erklärt der Bergkamener Händler, „Zum Festpreis kommen vielleicht 60 auf den Markt. Und das bei 3000 angeschlossenen Händlern. Stellen Sie sich vor, 50 Leute stehen vor Ihrer Bürotür, durch kommt aber nur einer.“ Oder ganz pragmatisch: Der mit der schnellsten Internetverbindung erhalte den Zuschlag.

Wer etwas Spezielles möchte, muss warten

Sonderwünsche bei der Ausstattung, die die Lieferzeiten verlängern würden, seien in seinem Geschäft mit jungen Gebrauchten nicht maßgebend. Das Angebot des Autohauses Jehrke ist online ausführlich beschrieben. „Wenn´s passt, kommt der Kunde vorbei“, erklärt Günther. „Ich habe aber gerade auch einen Kunden, der etwas Spezielles möchte. Der muss warten und vermutlich mehr zahlen.“ Es sei in der Tat momentan so, dass Kunden sich überlegen, ihren alten Wagen länger zu fahren, vielleicht noch einmal in ihn zu investieren. Es sei aber schwer einzuschätzen, was die Zukunft bringen würde, ob die Preise wieder sinken.

Den Neuwagenhändlern würde es auch nicht besser gehen, mutmaßt der Jehrke-Chef. Erst einmal sei da die lange Lieferzeit. Und dann würden nicht die Massen umgesetzt, die den Gewinn über die Boni gebracht hätten. „Die sind doch jetzt froh, einzelne Fahrzeuge verkaufen zu können. Das heißt aber auch, dass der Preis steigen muss. Irgendwo muss der Verdienst ja herkommen“, spinnt Günther den Faden weiter. „Ich denke, die Situation wird noch mindestens ein Jahr so bleiben.“

Das Motor-Center Heinen ist mit den Marken Seat, dem Sportableger der Spanier namens Cupra, sowie den Asiaten Honda, Kia und Suzuki ein solcher Neuwagenhändler. Thomas Funke, verantwortlich für Seat und Cupra, sieht allerdings kein großes Problem bei der Fahrzeugversorgung.

Leasingverträge werden verlängert

„Im Schnitt beträgt die Lieferzeit sechs bis acht Monate, bei einigen Modellen bis zu einem Jahr. Das ist ein bisschen länger als die normale Lieferzeit, die bei Sonderausstattung auch sechs Monate betragen hat“, erklärt er. Die sei immer abhängig von den Produktionskapazitäten gewesen. Sprich: Eine große Nachfrage bedeutete eine längere Wartezeit. „Vor nicht allzu langer Zeit mussten unsere Kunden auf den Seat Ateca noch 15 Monate warten“, sagt Funke. Heinen-Kunden hätten Geduld.

Auch im Gebrauchtwagensegment sei alles gut. „Wir kaufen aktiv europaweit ein, verkaufen im Jahr 3000 Gebrauchte“, erklärte der Automobilverkäufer. Ein Motor- Center gibt es an sieben Standorten im Ruhrgebiet.

Auch bei den Leasingfahrzeugen sieht Funke kein Problem. „Wenn kein Neuwagen zur Verfügung steht, verlängern wir kurzfristig die Verträge um drei Monate bis zu einem halben Jahr, eben solange, bis das Wunschauto da ist.“

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