Neue Corona-Bestimmungen

Lieber daheim als in der Schule: Viele Befreiungen vom Präsenzunterricht in Bergkamen

Auch an der Freiherr-von-Ketteler-Grundschule in Rünthe ist die Zahl der Schüler, die vor Ort unterrichtet werden, seit Montag deutlich geschrumpft.
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Auch an der Freiherr-von-Ketteler-Grundschule in Rünthe ist die Zahl der Schüler, die vor Ort unterrichtet werden, seit Montag deutlich geschrumpft.

Gleich am ersten Unterrichtstag nach Bekanntgabe der neuen Corona-Bestimmungen für Schulen hat sich in Bergkamen eine große Zahl von Schülern vom Präsenzunterricht befreien lassen. Das ergab eine Nachfrage in den Bildungsstätten. Die weitgehende Umstellung auf das Distanzlernen treffe auf Akzeptanz, stelle die Einrichtungen aber einmal mehr vor große Herausforderungen, hieß es.

Bergkamen – Zwischen 60 bis 70 Schüler lernen in den Jahrgängen fünf bis sieben der Freiherrvom-Stein-Realschule, insgesamt also etwa 200. Bis Montagmittag hatten sich rund 50 Jungen und Mädchen vom Präsenzunterricht abgemeldet. „Im Sekretariat gehen aber laufend weitere Anträge auf Befreiung ein“, berichtete Schulleiterin Petra Huß. Sie gehe davon aus, dass sich der Anteil der Distanzlerner im Laufe der Woche deutlich erhöht. „Ich glaube, die Dringlichkeit der Maßnahmen ist vielen Eltern erst seit der Ansprache des Ministerpräsidenten am Sonntagnachmittag bewusst geworden.“

Seit Freitag ist bekannt, dass die Schulen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wieder verstärkt via Homeschooling Wissen vermitteln. Schüler ab Klasse acht müssen in jedem Fall zu Hause lernen, für Jüngere gibt’s die Möglichkeit der Befreiung.

Gesamtschule: Schon die Hälfte aller Fünft-, Sechst- und Siebtklässler

An der Willy-Brandt-Gesamtschule war die Zahl der „Befreiten“ schon früh hoch. Gegen 11.30 Uhr hatten mehr als die Hälfte der 436 Fünft-, Sechst- und Siebtklässler wissen lassen, dass sie bis Ende der Woche auf Distanz gehen. In den einzelnen Klassen sah’s höchst unterschiedlich aus: Mal ging’s lediglich um drei oder vier Schüler, mal um mehr als 20.

Zwar lernen die meisten Schülerinnen und Schüler bis zu den Weihnachtsferien zu Hause, für Klassenarbeiten müssen sie aber nach wie vor vorstellig werden. „Wir schreiben ja auch weiterhin Noten“, verdeutlicht Gesamtschul-Leiterin Dr. Jennifer Lach, denn die Zeugnisvergabe werde ja nicht ausgesetzt. Sie selbst müsse schon aus pragmatischen Gründen darauf achten, dass die Testtermine eingehalten werden. „Wir hatten unsere gesamte Jahrgangsstufe Q1 und zwei Kurse der EF zwei Wochen lang in Quarantäne und deren Klausuren auf Januar verlegt. Bei weiteren Verlegungen würde es an Korrektur-Kapazitäten fehlen.“

Bärbel Heidenreich, Leiterin des Städtischen Gymnasiums, hatte am frühen Montagnachmittag noch keinen genauen Überblick über die Anzahl derer, die sich von der Präsenzpflicht haben befreien lassen. „Es sieht in den einzelnen Klassen aber sehr, sehr unterschiedlich aus“, konnte sie berichten.

Nach Politiker-Statements: Viele Eltern sind verunsichert

Auch Heidenreich geht davon aus, dass es im Laufe der Woche noch viel Bewegung bei den Zahlen gibt, zumal die Politik übers Wochenende teils für Irritationen gesorgt habe. „Von der einer Seite hieß es fälschlicherweise, die Schulen würden ganz geschlossen, von der anderen war dann von aufgehobener Präsenzpflicht die Rede.“

Mit verunsicherten Eltern bekam es auch Heike Prochnow, Leiterin der Freiherr-von-Ketteler-Schule, zu tun. „Manch Anrufer dachte sogar, die Schulen schließen analog zum Einzelhandel ab Mittwoch“, sagte sie. An der Grundschule in Rünthe würden teils nur noch halbe Klassen vor Ort lernen.

Allen Schulen ist gemein, dass sie die Elternhäuser so schnell wie möglich über ihre Homepages und per E-Mail oder auch Telefon über die neuesten Entwicklungen informiert haben – und dass sie sich für die Zeit des parallelen Präsenz- und Distanzunterrichts gewappnet fühlen. So betonen alle Schulleitungen, dass sie in den zurückliegenden Monaten bereits ausgiebig Erfahrungen mit dem Nebeneinander beider Lernformen hätten machen können, weil immer wieder einzelne Schüler oder ganze Klassen und Jahrgänge in Quarantäne mussten.

In Panik zu verfallen, würde nichts bringen. Wir machen das ja für unsere Kinder und Jugendlichen.

Dr. Jennifer Lach, Leiterin der Willy-Brandt-Gesamtschule

Zu den Erfahrungen gehört aber auch, dass selbst die besten Konzepte nichts bringen, wenn’s an der Technik hapert. Zwar seien die jeweiligen Online-Lernplattformen hilfreich, Videokonferenzen etwa liefen aber mangels Datenvolumen nicht immer störungsfrei.

Hinzu kommt, dass nach wie vor nicht alle Schüler über Endgeräte und/oder einen Internetzugang verfügen. Hier behelfen sich alle Beteiligten zumeist mit der klassischen Übergabe von Arbeitspapieren. Die Gesamtschule stellt für derlei Fälle zudem einen gut ausgestatteten Study-Room zur Verfügung, in dem ganz besonders auf Maske, Hygiene und Abstand geachtet wird. Der Raum kann nach Anmeldung genutzt werden.

Hoher Aufwand an Förderschule in Rünthe

Auch an der Regenbogenschule in Rünthe liefen zuletzt die Telefon- und Internetdrähte heiß. Zwar sei man im Distanzlernen bereits geübt, sagte Sozialpädagogin Sandra Schittek. Doch der neuerliche organisatorische Aufwand sei immens – etwa beim Schülerspezialverkehr, weil ja viele der Grundschüler mit Taxen zur Schule gebracht würden. Zudem kenne die Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung des Kreises Unna auch Kurzbeschulungskinder, teils kämen die Mädchen und Jungen aus Wohngruppen oder Pflegefamilien.

Für die unterrichtsfreien Tage 21./22. Dezember 2020 sowie 7./8. Januar 2021 bieten die Schulen zumeist eine Notbetreuung an. Die Nachfrage sei bis dato eher gering, heißt es. Die Willy-Brandt-Gesamtschule nutzt die beiden Tage vor den Weihnachtsferien noch für Mikrofortbildungen: Kollegen greifen anderen Kollegen bei der Umsetzung von digitalem Lernen unter die Arme.

Überhaupt: In den Schulen in Bergkamen scheinen die neuen Bestimmungen pragmatisch umgesetzt zu werden, ohne große Aufregung. „In Panik zu verfallen, würde nichts bringen. Wir machen das ja für unsere Kinder und Jugendlichen“, sagte Lach.

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