Kunden frustriert

Letzter Einkaufstag bei Kaufland in Bergkamen-Mitte: Schnäppchenjäger kaufen Regale leer

Kaufland Bergkamen
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Am Freitag schlossen die Türen der Kaufland-Filiale in Bergkamen-Mitte für immer.

Am Ende blieben nur noch Chips und Kekse übrig. Der letzte Verkaufstag in der Kaufland-Filiale in Bergkamen-Mitte war etwas für Schnäppchenjäger. Bei den letzten Kunden überwog der Frust über die Schließung.

Bergkamen - Einkaufswagen waren echte „Mangelware“, als am Freitag mit Kaufland der letzte Lebensmittelvollsortimenter in der Bergkamener City für immer seine Tore schloss. Entsprechend sauer waren auch die Kunden, die ein letztes Mal in das Rathaus-Center strömten, um für ihren täglichen Bedarf einzukaufen.

Dass die Einkaufswagen immer schnell vergriffen waren, lag aber sicherlich auch daran, dass das Kaufland an diesem Tag mit Preisnachlässen von bis zu 80 Prozent lockte. Und auch hier hätte der ehemalige Staatspräsident der Sowjetunion Michail Gorbatschow recht gehabt, als er einst sagte: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“.

Einkaufswagen waren vergriffen am Freitagabend im Kaufland in Bergkamen-Mitte.

Denn wenn die Sache nicht so traurig wäre, dann hätte am Freitagabend im Rathaus-Center auch der Spruch gelten können: „Wer zu spät kommt, der bekommt am Ende nur noch die drögen Kekse.“ Denn mehr war neben Chips und bunten Papierservietten auch fast schon nicht mehr von dem übrig geblieben, was die Schnäppchenjäger den ganzen Tag über verschmäht hatten.

„Die Leute waren richtig frech.“

„Die Leute waren richtig frech“, erzählten Mine Zollack und ihre Freundin, die sich selbst zu den Stammkunden dieses Kauflands zählten. „Wenn man heute nicht schnell genug war, dann wurde man einfach weggerempelt.“ Wobei richtige Lebensmittel gegen 19 Uhr, als die beiden zum Einkaufen kamen, sowieso alle vergriffen waren.

Mine Zollack (links) und ihre Freundin gehörten zu den letzten Kundinnen.

„Die Regale mit Obst und Gemüse waren ebenso leer, wie die Theken mit Fleisch, Wurst und Käse“, berichtet Mona Bertschen aus der nahen Siedlung Schönhausen. „Wenn ich sonst mal was brauchte, dann konnte ich das immer schnell zu Fuß erledigen. Jetzt müssen mein Mann und ich wohl mit dem Auto nach Rünthe zum Kaufland fahren.“ Für Mona Bertschen war die Kaufland-Filiale zudem auch ein beliebter Treff, wo man Leute aus der eigenen Siedlung sah oder einfach nur bei einem „Käffchen“ das rege Treiben beobachten konnte.

Herold Ugyz wurde in der Bergkamener City geboren. Am letzten Abend drehte er noch eine Runde im Kaufland im Rathaus-Center.

Richtig enttäuscht war auch Emanuel Oseaga, der sich auf die Preisnachlässe gefreut und deshalb seinen Einkaufswagen im Laden so richtig vollgepackt hatte. An der Kasse wurde ihm dann aber beschieden, dass der Nachlass nur für Lebensmittel galt. So blieben am Ende auch für ihn nur noch die Kekse und Chips übrig.

Wenn was nicht lief, dann wurde es wieder abgerissen und voller trügerischer Hoffnung neu aufgebaut.

Herold Ugzy beobachtet mit Sorge die Situation in Bergkamen-Mitte

Für Herold Ugyz ist es richtig enttäuschend, dass nun auch Kaufland schließt. 1976 sei er in einem der Häuser an der nördlichen Töddinghauser Straße zur Welt gekommen und wohnt seitdem auch noch da. „Die City war für mich der Ort, an dem ich auch meine Freunde hatte.“ Doch immer mehr habe er dieses unsägliche Auf und Ab mit den großen Läden erleben müssen. „Wenn was nicht lief, dann wurde es wieder abgerissen und voller trügerischer Hoffnung neu aufgebaut“, weiß er zu berichten.

Während im Kaufland in Bergkamen-Mitte die Regale am Freitagabend schon fast leer waren, war der Parkplatz vor dem Kaufland in Rünthe sehr voll.

Wenn jetzt Kaufland schließt, ist Herold Ugyz auch gleich doppelt betroffen, denn Ehefrau Hamide ist hier als Mitarbeiterin in der Raumpflege mit dafür verantwortlich, dass die Flure im Rathaus-Center immer frisch blitzen und knackig sauber sind. „Hoffentlich nimmt das alles mal ein gutes Ende“, ist seine ziemlich vage Hoffnung.

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