Lernen mit Lutz und Linda

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Wo ist der Unterschied zwischen Jungen und Mädchen? Mit Hilfe der Puppen Lutz und Linda wurde diese Frage in der Kindertagesstätte „Springmäuse“ beantwortet. Das sexualpädagogische Projekt ist einzigartig im Kreis Unna. ▪

BERGKAMEN ▪ Was unterscheidet Mädchen von Jungen, und was Männer von Frauen? Was passiert, wenn man älter wird? Mit diesen Fragen beschäftigten sich gestern die Vorschulkinder im Awo-Kindergarten Springmäuse in Bergkamen-Mitte.

„Lieben, lernen, lachen“ heißt es seit dem 9. März in der Einrichtung, wenn Ute Ulonska und Jennifer Schulze einmal in der Woche zu Gast sind. Die beiden Frauen von der Awo-Beratungsstelle für Schwangerschaftsprobleme und Familienplanung in Bergkamen haben ein sexualpädagogisches Konzept entwickelt, dass speziell auf die Fragen von Kindergartenkindern zugeschnitten ist. Kindgerecht wird der eigene Körper kennengelernt, die eigene Sexualität, aber auch die zwischen Männern und Frauen behandelt. Das ist bislang einzigartig im Kreis Unna.

„Über die Medien bekommen die Kinder viele Informationen, die sie nicht allein verarbeiten können“, berichtet Ute Ulonska. Parallel dazu habe das Schämen bei Kindern wieder enorm zugenommen und nach wie vor sei Sexualität zu Hause ein Tabuthema. Deshalb gilt es, den Kindern im Rahmen des Projektes zu zeigen, dass man viel darüber sprechen darf. Das dient gleichzeitig ihrem Schutz vor Missbrauch. Denn die Kinder lernen auch, „Nein“ sagen zu dürfen und trauen sich, darüber zu sprechen.

„Wir benennen mit den Kindern beispielsweise die Geschlechtsorgane, besprechen die Geschlechterrolle, reden aber auch allgemein über Liebe und Gefühle“, erklärt Jennifer Schulze. Große Hilfe erhalten die beiden Awo-Mitarbeiterinnen von Lutz und Linda. Die beiden Handpuppen, die die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung für solche Projekte bereit stellt, haben tatsächlich Penis und Scheide – und weil Lutz und Linda beim „Schwimmen“ feststellen, dass sie jeweils anders aussehen, haben die Kinder Identifikationsfiguren und die Sozialpädagogen einen Einstieg in das Thema.

„Wie machen Mädchen

eigentlich Pipi?“

„Wenn keine Geschwisterkinder da sind, merken wir schon, dass die Kinder große Lücken haben. Ein Junge fragte uns zum Beispiel, wie Mädchen denn eigentlich Pipi machen“, beobachteten auch die Erzieherinnen. Vor allem in der Puppenecke sei es manchmal schwer, spontan richtig zu reagieren und antworten zu können.

Deshalb freuen sich auch die Erzieherinnen über das Angebot in der Einrichtung. Sie bekommen einen Leitfaden mit, an dem entlang man arbeiten kann.

Der Kindergarten Springmäuse ist nicht der einzige, der in Bergkamen in den Genuss des Projektes kommen wird. Bislang liegen zahlreiche Anmeldungen weiterer Kindergärten vor. Unterm Strich hängt aber auch hier alles von der Finanzierung ab. Dass Jennifer Schulze als Honorarkraft für das Projekt angestellt werden konnte, ist der Hälfte der Einnahmen des Bergkamener Frauentags zu verdanken. „Irgendwann ist das Geld aber aufgebraucht“, sagt Ute Ulonska. „Der Frauentag lieferte nur eine Anschubfinanzierung. Wir hoffen jetzt darauf, dass die Familienzentren, die über einen besonderen Fonds verfügen können, in Zukunft zur Finanzierung beitragen.“ ▪ tat

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