Leiterin der Stadtbibliothek Bergkamen hört auf

+
Jutta Koch beginnt ihren Ruhestand mit einer Kreuzfahrt auf der Hurtigroute. Den passenden Bildband hat sie schon rausgesucht.

Bergkamen – Die Liebe zu Büchern und Bibliotheken wurde Jutta Koch in die Wiege gelegt. Nun hört die Leiterin der Stadtbibliothek Bergkamen auf.

„Mein Vater war der erste Bücherbusfahrer im Kreis Unna“, verrät Jutta Koch, die Ende des Monats in den Ruhestand geht. Schon am Donnerstag steht ihre offizielle Verabschiedung bei Bürgermeister Roland Schäfer an, denn Jutta Koch beginnt die arbeitsfreie Zeit mit Urlaub – und einer Schiffs-Reise auf der Hurtigroute. 

Zeit, den dazu passenden Bildband aus dem Bibliotheksregal zu nehmen, hat Jutta Koch indes kaum. Auch wenn sie „ihre“ Bibliothek nun anderen überlässt, hat sie doch noch alle Hände voll zu tun. „Zum Lesen komme ich nur abends und nachts, oder am Wochenende“, gesteht sie. 

Aufgewachsen ist Jutta Koch in Kamen-Heeren, und sie erinnert sich genau, wie sie in den Ferien oft mit ihrem Vater im Bücherbus mitfuhr. Sie selbst wurde jedoch Buchhändlerin und arbeite etliche Jahre in verschiedenen Dortmunder Buchläden. Die Liebe verschlug sie dann in den Märkischen Kreis – und dort gab es ein Wiedersehen mit dem Bücherbus, den sie zehn Jahre lang betreute. Mit 30 Jahren wagte sie aber den kompletten Neuanfang. 

Seit 1993 in der Stadtbücherei

Sie begann ein Studium in Dortmund, das sie im September 1993 als „Referentin für Frauenthemen in Politik, Bildung und Kultur“ abschloss. Über diesen Schwerpunkt kam sie nach Bergkamen, wo Frauenthemen hoch im Kurs standen. Schon am 1. Juli 1993 hatte sie in der damaligen Stadtbücherei mit den vier Standorten in Rünthe, Mitte, Oberaden und Weddinghofen begonnen – und erlebte 1998 die Umstrukturierung zur zentralen Stadtbibliothek hautnah mit. 

Das in Kinderbüchern gezeichnete Bild der grauhaarigen, strengen Bibliothekarin mit Hornbrille und Dutt ist für Jutta Koch ein Graus. „Hier geht es doch immer lebendig zu. Hier ist immer Fortschritt.“ Deshalb sei ihr Berufsleben auch immer interessant gewesen, sagt Koch rückblickend und erinnert sich lachend an das Fachbuch „Commodore 64“ und die Umstellung auf Computer. 

„Als ich hier anfing, hatten wir im Treffpunkt, wo damals die Bücherei war, noch selbst gebaute Holzregale vom Baubetriebshof, zwei ausrangierte Schreibtische aus dem Rathaus als Ausleihe und viele alte Bücher.“ Heute ist alle anders. Der Aufbau der Stadtbibliothek war für Jutta Koch das Spannendste, auch wenn sie die Leitung erst später übernahm. 

Brand stoppte Aufbau der Bibliothek

Zu Beginn war ihre Aufgabe, die Bestände der Stadtteilbüchereien zu sichten. „Wir hatten gerade alles in der Turnhalle der Gesamtschule zwischengelagert und alphabetisch sortiert, da schlug ein Brandstifter zu. Der Bestand aus drei Zweigstellen wurde komplett vernichtet“, erinnert sich Koch. 

„Wir mussten aus dem Nichts heraus die neue Stadtbibliothek aufbauen, das hat ein paar Jahre gedauert.“ Heute ist die Stadtbibliothek ein echtes Begegnungszentrum. Durch Kooperationen mit Kindergärten, den Grund- und weiterführenden Schulen kennt sie wirklich jedes Kind – und die bringen die Eltern und Großeltern mit. Außerdem gibt es regelmäßig Veranstaltungen für Erwachsene. Anfang des Jahres gab es beispielsweise die Lesung eines schottischen Krimis – und dazu passend die Verkostung von Whiskey. Jutta Koch gibt zu: „Wir gehen andere Wege, um unser Publikum zu finden.“ 

Im Laufe ihres Berufslebens hat sich das Kundenverhalten verändert, hat Jutta Koch festgestellt: Beratung bei der Suche nach Lesestoff ist heute kaum noch gefragt, die Kundschaft weiß, was sie sucht. „Dafür ist die Datenbank-Recherche viel wichtiger geworden.“ Ihr persönlicher Höhepunkt kam 2011, als die Stadtbibliothek zweitplatzierte Bibliothek des Jahres wurde. „Das einmal zu erleben, das ist schon toll.“ Vermissen wird Koch nun die Kunden, die Gespräche und vor allem den Ankauf neuer Bücher, denn das war – als gelernte Buchhändlerin – natürlich immer ihr Metier.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare