Leiter des ASD verabschiedet sich in den Ruhestand

Udo Beckmann blickt nach mehr als 40 Berufsjahren zurück: Probleme werden heute mehr wahrgenommen

Udo Beckmann (Zweiter von rechts) wird verabschiedet von Matthias Kollmann, Jutta Rahn, Bernd Schäfer und Martina Bierkämper
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Nur noch wenige Tage arbeitet Udo Beckmann (Zweiter von rechts) bei der Stadtverwaltung. Matthias Kollmann vom Personalrat, Sachgebietsleiterin Jutta Rahn, Bürgermeister Bernd Schäfer und die Gleichstellungsbeauftragte Martina Bierkämper haben sich bereits von ihm verabschiedet.

Nach über 40 Jahren im Dienste der Stadt Bergkamen macht Udo Beckmann Schluss: Zum 1. August geht der Leiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) in den Ruhestand. Seine Nachfolge übernimmt Stefanie Vorac.

Bergkamen - Sein ganzes Berufsleben hat Beckmann in Bergkamen verbracht. Schon als Schüler heuerte er als Praktikant bei der Stadt an, war später als Werksstudent im Rathaus und wurde nach dem Studium der Sozialen Arbeit und dem Anerkennungsjahr 1980 als Sozialarbeiter endgültig Mitarbeiter der Stadt. Zwei Jahre später folgte die Verbeamtung und 1983 die Sachgebietsleitung. Anfang 1991 übernahm der Stadtsozialamtsrat die Leitung des Sozialen Dienstes und war als solcher beratend für Familien mit Problemen tätig.

Die Probleme haben sich nicht so sehr geändert

Während sich gesetzlich einiges getan hat, auf das Beckmann und sein Team sich immer wieder neu einstellen mussten, sind die Probleme, um die sie sich kümmern, im Groben die gleichen geblieben. Häusliche Gewalt, Missbrauch von Kindern, prekäre Familienverhältnisse, die es nötig machen, die Kinder aus ihrem Zuhause zu holen – all das habe es schon immer gegeben. Die Situation sei auch sicher nicht besser geworden.

„Positiv ist aber, dass die Problematik mehr in die Öffentlichkeit gerückt ist und mehr wahrgenommen wird“, sagt Beckmann. Gerade den Bereich des Missbrauchs von Kindern hätten die Menschen früher nicht so auf dem Schirm gehabt wie das heute der Fall sei. Bergkamen sei da keine Ausnahme. „Alles, was irgendwo auf der Welt passiert, passiert auch in Bergkamen“, so Beckmann. „Es ist erschreckend, festzustellen, was Kindern angetan wird.“

Situationen, die schwer auszuhalten sind

Dass seine Arbeit Schwierigkeiten mit sich brachte, verschweigt Beckmann nicht. „Es gibt Situationen, die schwierig auszuhalten sind“, sagt er. Beispielsweise wenn er und seine Mannschaft genau wissen, dass in einer Familie etwas schief läuft, sie aber nicht einschreiten können, weil der betroffene Jugendliche alt genug ist, um selbst zu entscheiden. „Auch die teils notwendigen Gerichtsverfahren ziehen sich oftmals eineinhalb Jahre und mehr in die Länge“, bedauert Beckmann. Die Kinder hingen dann so lange in der Warteschleife, könnten sich nicht an neue Bezugspersonen binden.

Der Beruf brachte aber seine schönen, erfüllenden Seiten mit sich. Wenn es gelingt, den Familien zu helfen. Oder wenn ein betreutes Kind später selbst den Weg in die Sozialarbeit einschlägt. „Das ist natürlich immer schön zu hören“, sagt Beckmann.

Positiv sei auch die Zusammenarbeit im Allgemeinen Sozialen Dienst gewesen. „Da ist die Größe Bergkamens ein echter Vorteil“, erzählt er. Die Mitarbeiter kennen und unterstützen sich, vieles kann auf Zuruf erledigt werden. „Wir konnten einander immer auffangen und unterstützen.“ Auch die Kontakte zu den Familien seien immer respektvoll gewesen. „Wir mussten Kinder aus Familien nehmen, aber wir konnten den Eltern danach noch immer in die Augen schauen“, betont er.

Bis Ende des Monats ist Beckmann noch in der Stadtverwaltung tätig, die Urkunde zum Eintritt in den Ruhestand bekam er am Montag schon von Bürgermeister Bernd Schäfer. Mitsamt bester Wünsche für die Rente, in der Beckmann sich verstärkt seinen Hobbys – er ist unter anderem aktiver Tischtennisspieler – widmen und mit seiner Frau reisen möchte.

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