1. wa.de
  2. Lokales
  3. Bergkamen

„Großer Bahnhof“ für ein Wandgemälde - „Unser Erich“ feierlich enthüllt

Erstellt:

Von: Klaus-Dieter Hoffmann

Kommentare

Bergmannskapelle vor Wandbild „Unser Erich“
Stilecht mit Bergmannskapelle fand die Enthüllung des Wandgemäldes „Unser Erich“ statt. © Klaus-Dieter Hoffmann

Damit der Bergbau in Bergkamen nicht in Vergessenheit gerät, hat der sich der Geschichtskreis Haus Aden Grimberg ¾ eine besondere Aktion einfallen lassen: das Projekt „Unser Erich“. Zur Enthüllung war das Vorbild selbst vor Ort.

Bergkamen – Einst gehörte Bergkamen zu den größten Bergbaustädten Europas. Doch die alten Kohlezechen sind längst von der Bildfläche verschwunden und machen dem Strukturwandel Platz. Damit nicht auch noch die Erinnerung an den heimischen Bergbau aus den Köpfen der Bergkamener verschwindet, lässt sich aber der Geschichtskreis Haus Aden Grimberg ¾, eine Gruppe von gestandenen ehemaligen Bergleuten, immer wieder was Neues einfallen.

Ihr neuestes Projekt: „Unser Erich“, ein überdimensionales Wandbild, welches am Samstag an der Oberadener Barbarastraße 14 eingeweiht wurde. Ohne Übertreibung darf man dabei behaupten, dass es in dieser Straße, die sich unmittelbar gegenüber der nicht mehr vorhandenen Zeche Haus Aden befindet, eine hohe Zahl an bergmännischen Urgesteinen gibt, die seit Jahrzehnten dort wohnen und in diesem Wohnquartier von Vivawest in Ehren ergraut sind.

Der „Original-Erich“ ist dabei

Wie beispielsweise der zweiundachtzigjährige Erich Wahl, Gründungsmitglied des erwähnten Geschichtskreises, der nun ausgeguckt worden war, in seiner typischen weißen Bergmannsmontur dem Hammer Künstler Osman Bol für das Wandbild Modell zu stehen.

Erich Wahl und  Volker Wagner
Erich Wahl, der dem Hammer Künstler Osman Bol als Vorlage für das Wandbild diente, hört mit seinen Enkelkindern der Rede von Volker Wagner vom Geschichtskreis zu. © Klaus-Dieter Hoffmann

Gerade mal zwanzig Jahre alt, hat nämlich Erich Wahl damals am Ende der Barbarastraße eine Wohnung bekommen und dort seine Familie gegründet. Inzwischen hat Erich Wahl zwei Enkeltöchter und drei Enkelsöhne, von denen aber nur noch Enkel Mark im Bergbau beschäftigt ist.

Die Nähe von Wohnung und Zeche hat zusammengeschweißt

„Die direkte Nähe von Wohnung und Zeche hat die Kumpels hier noch mehr zusammengeschweißt und für noch mehr Zusammenhalt gesorgt“, erzählt der Leiter des Geschichtskreises Volker Wagner. „Wenn die Bergleute aus der Grube auffuhren, waren alle gleich schwarz, es gab keine trennenden Nationalitäten. Nicht selten kam es vor, dass man noch ein gemeinsames Bier getrunken hat und erst dann nach Hause ging.“

„Die Installation ist ein weiterer Beitrag des Geschichtskreises zur Erinnerungskultur und soll zeigen, was einst unser Land und unsere Stadt geprägt und großgemacht hat. Wir würden uns daher freuen, wenn es die nachfolgenden Generationen mit Stolz erfüllt, dass ihre Vorfahren einst Bergleute gewesen sind“, erläutert Volker Wagner.

Schaulustige an der Barbarastraße
Viele Schaulustige verfolgten die Enthüllung des Wandbildes an der Barbarastraße. © Klaus-Dieter Hoffmann

Bereits am Freitag hatten die Mitglieder des Geschichtskreises das Wandbild angebracht und verhüllt. Nachdem sich dann am Samstagmorgen Landrat Mario Löhr, reichlich Lokal-Prominenz und noch mehr Schaulustige eingefunden hatten, machte sich die Bergmannskappelle auf den Weg, um Erich Wahl feierlich von zu Hause abzuholen.

Der Blick geht fragend Richtung Westen

Gespannte Stille, als das Wandgemälde feierlich enthüllt wurde. Es zeigt einen Erich Wahl, der fragend nach Westen schaut. Was soll es bedeuten? Vielleicht „Quo Vadis Deutschland?“

Zumindest gab es kräftigen Publikumsapplaus, als Uwe Goemann, Geschäftsführer der Vivawest-Stiftung, hinterfragte, ob es angesichts der heutigen Energiekrise nicht zu leichtfertig war, den Bergbau ersatzlos dichtzumachen.

Auch interessant

Kommentare