Gartensiedlung: Wie viel Gift gelangt ins Gemüse?

Grünkohl aus der PCB-Messung in Bergkamen auf dem Weg ins Labor

Eine Versuchsanordnung des LANUV an einem anderen Ort. So wurden auch in Bergkamen PCB-Niederschläge erfasst.
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Eine Versuchsanordnung des LANUV an einem anderen Ort. So wurden auch in Bergkamen PCB-Niederschläge erfasst.

PCB - drei Buchstaben, die Bergkamen im Sommer aufschrecken ließen. An zwei Stellen gab‘s Hinweise auf das Gift. Aber wie gefährlich ist es hier?

Bergkamen – Der warme November trügt, die Grünkohlzeit ist angebrochen. Auch in Bergkamen wird die vitaminreiche Pflanze derzeit geerntet. Nur landet, soweit es die behördlichen Kulturen an der Husemann/Ollenhauer-Straße betrifft, der Grünkohl auf keinem Teller, sondern im Labor: Wie viel Gift steckt darin? Das ist die Frage.

Eigenes Gemüse besser nicht essen

Denn was Anwohner hier auf eigener Scholle an Blattgemüse gezogen haben, sollten sie besser nicht verzehren. Diese Warnung ist bekanntlich im Sommer von der Bezirksregierung Arnsberg ergangen, nachdem die seit 2018 intern vorliegenden Hinweise auf eine auffällige PCB-Belastung ans Licht kam und weitergehende Untersuchungen eingeleitet wurden.

Mit der vorsorglichen Verzehrsempfehlung, etwa Kräuter, Spinat, Mangold aus eigenem Garten nicht zu essen, ging die Behörde auf Nummer sicher. Belastbare Daten zur Konzentration der polychlorierten Biphenyle (PCB) soll die Analyse der Grünkohlkulturen bald liefern. Aus dem Wirkungsdauermessprogramm (WDMP) des Landesamtes für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschatz (LANUV) liegen aus 2018 aber Hinweise auf eine erhöhte PCB-Konzentration unbestimmter Herkunft vor.

Erst Löwenzahnprobe, dann Grünkohltest

Dem ging das LANUV im März im Benehmen mit Arnsberg mit der Untersuchung von Löwenzahnproben nach. Dabei wurden Werte ermittelt, die zu der vorsorglichen Verzehrswarnung führten, aber einem nicht standardisierten Verfahren entstammen. Besser als Löwenzahn eignet sich Grünkohl für diese Untersuchung. „Die Pflanze hat eine größere Oberfläche und ist mit einer Wachsschicht überzogen, die das fettlösliche PCB besonders gut bindet“, erläuterte Birgit Kaiser de Garcia vom LANUV.

„Wir haben deshalb den Grünkohl in Containern mit gereinigter Erde ausgebracht, die nun als Ganzes ins Labor gebracht werden“, sagte sie weiter. Das Vorgehen soll sicherstellen, dass nur die Schadstofffracht aus der Luft ermittelt wird, nicht auch aus dem Boden. Zudem werden die punktuellen Werte in Bergkamen mit dem abgeglichen, was die aktuell 14 Dauermessstationen in NRW an Belastungshintergrund für Nahrungs- und Futterpflanzen spiegeln. Diese Daten werden seit 1995 erhoben.

NRW-weite Messungen - Ergebnis Anfang 2021

Wie es um das Gemüse in Bergkamen steht, soll sich bald zeigen. Nach der Löwenzahnprobe an vier Orten sind auf Vorschlag des LANUV an zwei Stellen die Grünkohl-Container aufgestellt worden. Ein dritter kam auf dem Grundstück einer interessierten Bürgerin dazu. „Die Ergebnisse haben wir frühestens im Januar“, berichtete Kaiser der Garcia. Aus den NRW-weiten Erhebungen kämen schließlich etliche Proben zusammen.

Zu Jahresbeginn soll sich erweisen, ob die Verzehrsempfehlung Bestand hat oder eigenes Gemüse wieder einen Platz auf der Speisekarte. Immerhin: Die Grünkohlsaison wäre dann noch nicht vorbei. Und wer sich in der Gartensiedlung die Aussaat getraute, kann die eigene Ernte vielleicht noch mit Kartoffeln und Mettwurst bekannt machen.

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