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CDU und Grüne auch in Bergkamen die großen Gewinner

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Von: Jürgen Menke

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Bei der Wahlparty im Ratstrakt verfolgten Dutzende Gäste die Ergebnis-Präsentation.
Bei der Wahlparty im Ratstrakt verfolgten Dutzende Gäste die Ergebnis-Präsentation. © Menke

35.405 Bergkamener waren am Sonntag zur Landtagswahl aufgerufen. Abgestimmt hat nicht einmal jeder Zweite. Das Ergebnis spiegelt den Landestrend wider.

Bergkamen – CDU und Bündnis 90/Die Grünen gehören auch in Bergkamen zu den Siegern der Landtagswahl. So können die Christdemokraten hier bei den Zweitstimmen gegenüber dem NRW-Entscheid von 2017 um 5,27 Punkte auf 26,93 Prozent zulegen, die Grünen steigern sich um 7,92 Punkte auf 12,28 Prozent.

Die SPD landet bei 40,25 Prozent, ein Verlust von rund sechs Prozentpunkten. Viertstärkste Partei ist die AfD mit 7,95 Prozent. Die FDP kommt auf 4,31, die Linke auf 2,33. Wie zu erwarten, vereint die SPD-Direktkandidatin Silvia Gosewinkel auch in Bergkamen mit 43,03 Prozent die meisten Stimmen auf sich.

Prognose sorgt für Freude

Der Ausgang der Wahl wurde mit Spannung erwartet – vor allem bei den Grünen, die nach Umfragen hohe Zugewinne erwarten durften. Als am Sonntagabend die Wahlparty im Ratstrakt startete, waren denn auch auffällig viele Vertreter dieser Partei schon vor Ort. Die erste Prognose löste anhaltende Freude bei ihnen aus.

Am Ende sprach Grünen-Fraktionschef Thomas Grziwotz von einem „tollen Ergebnis“ für seine Partei. „Jetzt wird’s spannend, welche Koalition möglich ist“, meinte er. Er selbst liebäugele mit Rot-Grün. Zwar ist Bergkamen laut Grziwotz traditionell „kein so gutes Pflaster für die Grünen“, aber auch mit dem Ergebnis vor Ort sei er zufrieden. „Wir konnten uns erheblich steigern.“

„Klarer Wählerauftrag“

Was ihm zu denken gebe, sei der hohe Anteil an AfD-Wählern und die geringe Wahlbeteiligung, sagte Grziwotz. „Vielleicht konnten die demokratischen Parteien ihre Wähler nicht so mobilisieren, wie es notwendig gewesen wäre.“ Die Wahlbeteiligung lag bei 47,28 Prozent und damit deutlich unter dem Wert von 2017, als 61,51 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben.

Nach Ansicht des CDU-Fraktionsvorsitzenden Thomas Heinzel hat die CDU nun den „klaren Wählerauftrag“, eine Regierung zu stellen. Er hoffe, dass dies gelinge – in welcher Konstellation auch immer. „Schöner wär’s gewesen, wenn Schwarz-Gelb hätte weitermachen können“, meinte er. In Bergkamen hat die CDU laut Heinzel ein „ordentliches Ergebnis“ erzielt. Torsten Goetz sei ein guter Kandidat gewesen, er habe sich als Zukunftskraft enorm eingesetzt. „Dass wir mit ihm gleich die Mehrheit bekommen, war recht unwahrscheinlich.“ Alle demokratischen Parteien müssen aus Sicht Heinzels daran arbeiten, dass die AfD nicht mehr so viele Stimmen bekommt.

„Erstaunliches Ergebnis“

„Wir haben mit einer guten Kandidatin im Wahlkreis ein erstaunliches Ergebnis geholt“, sagte Julian Deuse, stellvertretender Fraktionschef der SPD. Sie habe sich rührig um den Wahlkreis gekümmert. Mit dem Abstimmungsergebnis in Bergkamen sei er „sehr zufrieden“, so Deuse. Für seinen NRW-Spitzenkandidaten Thomas Kutschaty hätte er sich mehr (Zweit-)Stimmen gewünscht, im Wahlkampf seien die Unterschiede zu Hendrik Wüst und auch zwischen den Parteien aber nicht ganz deutlich geworden. „Der CDU hat geholfen, dass Armin Laschet nicht mehr Ministerpräsident war“, ergänzte Deuse. Die vielen Stimmen für die AfD seien für ihn „nicht nachvollziehbar“, zumal deren Kandidat in Bergkamen gar nicht sichtbar gewesen sei.

„AfD-Ergebnis erschreckend“

Enttäuscht vom Wahlausgang zeigte sich FDP-Fraktionsvorsitzende Angelika Lohmann-Begander. Das Landesergebnis ihrer Partei stimme sie „traurig“, räumte sie ein. „Vielleicht hat’s an der Schulpolitik gelegen – es da allen Recht zu machen, war ein Ding der Unmöglichkeit“, nannte sie eine mögliche Ursache fürs schlechte Abschneiden. Das Ergebnis vor Ort sehe sie etwas positiver. „Unser Kandidat Sebastian Knuhr hat sich im Verhältnis zu unserem Landesergebnis ganz gut geschlagen.“

„Dieses Ergebnis war zu erwarten“, sagte Ramona Bornemann, Vorsitzende des Ortsverbandes Kamen-Bergkamen der Linken. „Natürlich haben wir auf ein besseres gehofft, aber die schlechten Nachrichten aus der Bundespartei haben uns Knüppel zwischen die Beine geworfen.“ Dass Kandidatin Katja Wohlgemuth noch „insgesamt gut abschnitt“, zeige, dass sich der Wahlkampf vor Ort gelohnt habe. Das Ergebnis der AfD nannte Bornemann „erschreckend“.

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