Pächter fürchten Flächenverlust

L821-Gegner prüfen Rechtsweg: Grüne zahlen Anwalt, der Verfahrensfehler sucht

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Auf der landwirtschaftlichen Fläche rechts neben der Lünener Straße soll der erste Kreisverkehr zur Anbindung der L821n gebaut werden. Ein Teil wird von einer Baumschule genutzt, dahinter liegt die Apfelplantage von Bauer Mertin.

Bergkamen - Mit finanzieller Unterstützung der Grünen haben die Gegner der geplanten  L821n einen versierten Fachanwalt darauf angesetzt, Unstimmigkeiten im Genehmigungsverfahren zu finden. Damit soll eine förmliche Anfrage auf den Weg gebracht und je nach Ausgang eine Klage ermöglicht werden.

Ein Kamener Landwirt, der Flächen in der Trasse der geplanten L821n besitzt, ist schon vor drei Jahren durch Abweisung der Klage mit dem Versuch gescheitert, die Planfeststellung vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster auf mögliche Fehler überprüfen zu lassen. Dabei wurde gleich die Berufung ausgeschlossen. Gleichwohl hegen die Grünen die Hoffnung, dem Land noch Unzulänglichkeiten im Verfahren nachweisen zu können. 

Partei übernimmt Kosten

„Wir haben einen im Öffentlichen Recht renommierten Anwalt damit beauftragt“, sagte der Vorsitzende Rolf Humbach. Derzeit würden die Kritikpunkte an zwischenzeitlich veränderten Planungsdetails etwa in Bezug auf Altlasten oder der Entwässerung geprüft. Damit sei aber nicht unmittelbar der Klageweg eröffnet. „Wir werden daraus eine Anfrage an das NRW-Verkehrsministerium stellen“, sagte Humbach weiter. Aus der Antwort darauf ergäben sich möglicherweise Gründe, erneut Klage beim Oberverwaltungsgericht einzureichen. Die Kosten übernehme die Partei. 

Wildgehege und Apfelplantage im Weg 

Der Vorsitzende der Bergkamener Grünen ist auch persönlich von den Plänen betroffen: Humbach hält Damwild und eine seiner Herden weidet auf einer Wiese, über die gebaut werden soll. Noch sei in der Sache niemand auf ihn zugekommen, aber er fürchte, das Gehege umsiedeln zu müssen. „Dabei handelt es sich aber um wilde Tiere, die kann man nicht mal eben verladen und abtransportieren“, sagte er. Das sei nur zu bestimmten Zeiten möglich. Schwacher Trost: Das Gehege liegt im zweiten Bauabschnitt, den Straßen.NRW 2020 angehen will. 

Dagegen wirtschaftet Landwirt Friedrich Mertin just in dem Bereich, in dem als erstes auf der grünen Wiese der Kreisverkehr entstehen soll, der die Lünener Straße mit der L821n verbinden soll. Er hat dort eine Apfelbaumplantage angelegt. „Die Bäume stehen seit zwei, drei Jahren und müssten eigentlich 20 Jahre wachsen“, so Mertin. Ernte und Erträge ließen sich erst nach längerer Zeit erzielen. Er hofft, dass die Straße knapp an den Gehölzen vorbeiführt. 

"Fläche nicht mit Hintergedanken gekauft"

Die Betroffenen sind Pächter der Flächen, Eigentümerin in diesem Trassenabschnitt ist seit einem Jahr die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) des Kreises Unna. „Wir haben diese Flächen aber nicht mit Hintergedanken gekauft“, betonte WFG-Sprecherin Ute Heinze. „Die Flächen waren vielmehr Teil eines Grundstückspakets, das der Verkäufer nur so gebündelt verkaufen wollte.“ Die WFG sei an einer anderen Fläche in diesem Paket sehr interessiert gewesen und habe deshalb zugegriffen. Da habe bei dem Dauerbrenner L821n noch keine Klarheit bestanden. Der Kauf diene auch der Bodenvorratspolitik. „Wir benötigen ja immer Ausgleichsflächen für unsere Bauvorhaben“, so Heinze. Nun werde mit Straßen.NRW über den Weiterverkauf verhandelt.

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