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Kurioser Fall: Bergkamener beobachtet Diebstahl und wird selbst zum Dieb

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Von: Jana Peuckert

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Kupferkabel
Der Bergkamener verkaufte gestohlene Kupferkabel © picture alliance / dpa

Beim Gassigehen machte ein Bergkamener eine für ihn zunächst lohnende, letztlich jedoch verhängnisvolle Entdeckung.

Bergkamen/Unna - Beim Gassigehen machte ein Bergkamener eine für ihn zunächst lohnende, letztlich jedoch verhängnisvolle Entdeckung. Sie brachte ihm 3600 Euro Strafe ein. Entlang der Bahnschiene in Bergkamen beobachtete der 43-Jährige, wie ein paar Männer Signalkabel entfernten und versteckten. Der Hartz-IV-Empfänger nutzte die Gelegenheit und räumte den Bunkerort leer.

Zu Hause machte er sich daran, die Kabel zu schälen und zu einem Schrotthandel nach Lünen zu bringen. Dort versilberte er die Kupferkabel. Innerhalb eines Monats – Mitte August bis Mitte September vergangenen Jahres – verdiente sich der Bergkamener auf diese Weise 903,20 Euro dazu. Geld, das er hauptsächlich dafür ausgab, seinen Kindern etwas zu bieten, wenn sie bei ihm zu Besuch waren.

Auf dem Fahrrad mit Diebesgut erwischt

Am 13. September wurde der 43-Jährige mit 850 Metern Signalkabel auf seinem Fahrrad von der Polizei überrascht. Sofort gab er zu, was er getan hatte. Er beschrieb die von ihm beobachteten Täter und führte die Beamten zu den Verstecken. Zudem gab er an, wann und wo er das Diebesgut zu Geld gemacht hatte.

Aufgrund der äußerst hilfreichen Angaben des Mannes, blieben den Polizisten aufwendige Ermittlungen erspart. Etwas, das sich im Strafprozess im Schöffengericht des Amtsgerichts Unna positiv für den Bergkamener auswirkte. Angeklagt war der 43-Jährige wegen Hehlerei. Wie bereits bei der Polizei, räumte er auch im Gericht die Straftaten sofort ein: „Es tut mir leid, aber rückgängig machen kann ich es nicht.“

Keine Anzeichen hoher Kriminalität

Eine ältere Vorstrafe wegen fahrlässigen Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz und Fahrens ohne Fahrerlaubnis berücksichtigte das Schöffengericht bei der Urteilsfindung nur am Rande. Die Taten ließen nicht auf hohe Kriminalität schließen, so der Richter. Der Angeklagte habe Geldnot gehabt und sei das Risiko für seine Kinder eingegangen. Hätten die Kabel nicht bereits abmontiert irgendwo herumgelegen, hätte der Bergkamener sie auch nicht an sich genommen, ist sich der Richter sicher.

Das bestätigte der Angeklagte. Nichtsdestotrotz hat sich der Mann wegen Hehlerei strafbar gemacht. Dafür erklärte ihn das Schöffengericht für schuldig, verwarnte den 43-Jährigen und erließ eine Geldstrafe von 3600 Euro unter Vorbehalt, also auf Bewährung. Führt sich der Angeklagte im Laufe des kommenden Jahres straffrei und meldet jeden Wohnsitzwechsel sofort dem Amtsgericht, wird die Strafe erlassen. Den Wertersatz von 903,20 Euro muss der Bergkamener allerdings erstatten.

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