Trainer gesucht

Kreisliga statt Schulhof: Jugendliche in Bergkamen wollen Basketball-Verein gründen

Basketball Basketballer Bergkamen Ege Kacar
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Ege Kacar (vorne) und seine Mitstreiter wollen ihr Vorhaben in die Tat umsetzen und einen eigenen Basketballverein gründen. 20 Jugendliche sind schon beisammen. Fehlt nur noch ein richtiger Trainer.

Bisher spielen sie nur unter sich auf dem Schulhof der Willy-Brandt-Gesamtschule in Bergkamen. Das soll sich ändern: 20 Jugendliche wollen einen eigenen Basketball-Verein gründen.

Bergkamen – Gefühlt sind es 50 Grad Celsius an diesem Nachmittag. Der Basketballkorb auf dem Schulhof der Willy-Brandt-Gesamtschule streckt sich der unbarmherzig strahlenden Sonne entgegen. Die 15 Jugendlichen belassen es bei einem kurzen Spielchen Schwarz gegen Weiß, ziehen dann den Schatten und Eiswürfel in Cola und Wasser vor.

Hier auf dem Schulhof jagte ein Teil der Bergkamener schon vor mehr als vier Jahren dem Ball hinterher, versuchte von der Freiwurflinie oder aus der Zone einen Korb zu machen. „Wir wollen einen eigenen Verein gründen“, sagt Ege Kacar nun selbstbewusst. Es wäre der erste Basketballverein in Bergkamen-Mitte.

Der Vereinsname ist schon gefunden

Einen Namen hat die Gruppe auch schon. „FC 591er“ soll er heißen. FC steht für die Vergangenheit: „Wir wollten auch schon mal einen Fight Club gründen“, erklärt Kacar diese, „das hat sich zerschlagen. 591er steht für die Postleitzahl Bergkamens.“

Mehr als 20 Jugendliche im Alter von 16 bis 19 Jahre sind aktuell aktiv. Also genug für eine Vereinsgründung. Sich einem bestehenden Verein als Abteilung anzuschließen, kommt nicht in Frage. „Wir wollen selber die Verantwortung übernehmen“, erklärt Kacar. Genau das, was immer gefordert wird von den Erwachsenen. Die Jugend möchte doch bitteschön Engagement fürs Ehrenamt entwickeln.

Die Jugendlichen sind auf dem Schulhof der Willy-Brandt-Gesamtschule aktiv.

Blauäugig ist der 18-Jährige dabei keineswegs. Im Gegenteil – er treibt das Projekt voran. „Ich hab schon mit verschiedenen Leuten aus dem Rathaus gesprochen, mit Heiko Rahn (Sportamt), Christian Scharwey (Jugendamt) und Julia Rehers (Referentin von Bürgermeister Bernd Schäfer)“, sagt er. „Die haben erst einmal vorgeschlagen, dass wir uns TuRa Bergkamen anschließen könnten, aber auch zugesagt, uns zu helfen.“

Zum Beispiel bei den Ritualen einer Vereinsgründung oder danach beim Finden von freien Hallenkapazitäten. Einen Übungsleiter haben die Jugendlichen ebenfalls noch nicht. „Aber wir haben uns schon einen Trainer ausgeguckt“, erläutert Kacar den Stand der Dinge. Eine Liga für den Spielbetrieb ebenfalls – es soll die Kreisliga Unna/Soest sein.

„Ich denke, da können wir mithalten“, urteilt Mitspieler Noah Hohmann. „Wir haben den Ehrgeiz und den Willen. Natürlich werden wir nicht gleich Meister“, gibt er sich realistisch.

Einen, der die Spielzüge ansagt, haben die Jungs auch schon gefunden: Gökdeniz Ücuncu trägt ein Lakers-Trikot, steht aber auf die New Orleans Pelicans. Es gebe aber auch einige Anhänger der Los Angeles Lakers, die sich beim gemeinsamen „NBA gucken“ outen. Recht einig sind sich die Basketballer, was den besten Spieler betrifft. „Shaquille O‘Neal“ singt der Chor.

Stadtverwaltung will unterstützen

Zu den Kreisliga-Spielen wollen die insgesamt 20 Jugendlichen mit Pkw oder Bus und Bahn anreisen. „Wir haben aber auch die Unterstützung einiger Eltern“, erklärt Kacar. Früher war dem nicht so. Sonst wären die Bergkamener Basketballer nun vielleicht in einem anderen Verein beheimatet. „Aber Kamen-(Kaiserau oder Werne waren einfach zu weit für uns“, so der Gründer in spe.

8,50 Euro soll der Mitgliedsbeitrag pro Monat betragen, so viel steht auch schon fest. „Wir brauchen ja Bälle für jeden, Trainingsmaterialien wie Pylone zum Dribbeln und Trikots“, erklärt Kacar, „wir planen auch, denen, die es sich nicht leisten können, Basketballschuhe zu finanzieren.“ Auf Sponsorensuche wird sich die Mannschaft zusätzlich begeben.

Wir haben den Ehrgeiz und den Willen. Natürlich werden wir nicht gleich Meister.

Noah Hohmann

Der Plan für „FC 591er“ steht also. Ein Motto für ihr Unternehmen haben die Bergkamener von Albert Einstein entliehen. „Ich bin all jenen dankbar, die Nein zu mir gesagt haben. Wegen ihnen habe ich es selbst gemacht.“

Die Stadtverwaltung unterstütze die Pläne der Basketballer um Ege Kacar, erklärt Julia Rehers, Referentin von Bergkamens Bürgermeister Bernd Schäfer. Geld gebe es zwar keins, Beratung durch das Jugend- und Sportamt der Stadt aber schon. „Ich habe den Eindruck, man möchte unterstützen“, betont die Referentin. Eine Zusage für notwendige Hallenzeiten sei noch nicht möglich, da die erst nach den Ferien neu zugeteilt würden. „Wir bleiben in Kontakt“, verspricht Rehers den Jugendlichen, deren Engagement sie positiv beurteilt.

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