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Neuer Kredit für alte Schulden: Frisierte Unterlagen bringen Pärchen vor Gericht

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Von: Sylvia Mönnig

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Symbolbild © Patrick Pleul/dpa

Reinen Tisch machen, alte Schulden mit einem gemeinsamen Kredit ablösen. Die Idee eines Bergkamener Pärchens klingt redlich, aber so astrein lief‘s dann doch nicht.

Unna/Bergkamen – Ältere Schulden wollte ein Bergkamener Pärchen mit einem Kredit in den Griff bekommen. Die 23-Jährige und ihr Partner (26) bekamen das Geld – allerdings mit gefälschten Lohnabrechnungen. Die Täuschung, die sie offenbar mit Unterstützung Dritter begingen, bescherte ihnen Bewährungsstrafen.

Neue Beziehung mit alten Lasten

Beide hatten „Altlasten“, die sie mit in die Beziehung brachten und die ihr Glück belasteten. So kamen sie auf die Idee, das Ganze mit einem Kredit auf den Namen der Frau einfacher und übersichtlicher zu gestalten. Sie wandten sich an einen Vermittler. Der forderte Unterlagen wie die besagten Lohnabrechnungen, regelte im Hintergrund und vereinbarte einen Termin bei einer Bank, bei der ein Kreditvertrag über 14 100 Euro abgeschlossen wurde. So weit, so legal bis dahin: Jedoch war sich das Paar dabei durchaus bewusst, dass der gesondert verfolgte Vermittler die Unterlagen offensichtlich zu ihren Gunsten frisierte. Für sein Engagement erhielt er später laut Anklage auch 2500 Euro Provision. Und er war offenbar nicht der einzige Eingeweihte: Der Mitarbeiter der Bank, bei dem die junge Frau aus Bergkamen den Vertrag unterschrieb, zählt ebenfalls zum Kreis der gesondert Verfolgten.

Dann kamen Gewissensbisse

Nach Vertragsabschluss fühlte sich das Pärchen aber ein Stück weit selbst über den Tisch gezogen. Hinzu kam bei der 23-Jährigen sicherlich auch ein Anflug von Gewissensbissen. Deshalb erstattete sie bei der Polizei eine Selbstanzeige – wobei sie die Schuld jedoch im Wesentlichen ihrem Gefährten in die Schuhe schob. Ihre Offenbarung brachte den Stein ins Rollen.

Vom Richter auf Kurs gebracht

Nun musste sich das Paar vor dem Schöffengericht in Unna verantworten und der 26-Jährige versuchte zunächst, sich arglos zu präsentieren. Deutliche Worte von Richter Jörg Hüchtmann und ein Gespräch mit seinem Verteidiger brachten ihn allerdings relativ schnell zur Besinnung und er gab zu: „Ich wusste natürlich, dass etwas geändert werden sollte.“ Seine Partnerin zeigte sich ebenfalls geläutert und versuchte nicht mehr, ihn als alleinigen Täter darzustellen. „Ich habe einen Fehler gemacht und ich bereue das zutiefst.“ Sie sei auch bereit, das erhaltene Geld zurückzuzahlen.

Haftstrafe auf Bewährung

Ihr frühes und sein spätes Geständnis wirkten sich letztlich zu ihren Gunsten aus. Auch sprach für die 23-Jährige, dass sie zuvor noch nicht in Erscheinung getreten war. Das sah bei ihrem Freund etwas anders aus. Strafschärfend musste sich die Schadenshöhe auswirken. Das Pärchen wurde am Ende wegen Beihilfe zur Untreue und Urkundenfälschung verurteilt – die junge Frau zu drei Monaten Haft auf Bewährung und ihr Partner zu sechs Monaten Haft auf Bewährung. Auch müssen sie die komplette Summe zurückzahlen.

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