Derzeit saisonale Pause

Kraftwerk in Bergkamen soll vorläufig stillgelegt werden

Kühlturm Kraftwerk Bergkamen-Heil
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Das Kraftwerk in Heil soll vom Netz gehen.

[Update] Die Tage des Kraftwerks in Bergkamen-Heil sind gezählt. Das Energieunternehmen Steag hat am Dienstag in einer Pressemitteilung mitgeteilt, dass der Konzern die Stilllegung des Kraftwerkes angemeldet hat.

Bergkamen – Mit einem Antrag auf vorläufige Stilllegung des Kohleblocks im Heiler Kraftwerk sucht die Steag GmbH finanzielle Entlastung beim Betrieb nicht mehr rentabler Einheiten. Das Unternehmen hat diese Anlage mit 717 Megawatt Erzeugungsleistung und zwei weitere im Saarland zur vorläufigen Stilllegung angemeldet und am Dienstag darüber die Presse informiert.

Mit dem Verfahren verbindet sich die Aussicht, dass der hiesige Übertragungsnetzbetreiber Amprion das Kraftwerk Bergkamen in der so eingeleiteten Prüfung als systemrelevant einstuft. In diesem Fall müsste Amprion sich finanziell an den Kosten für das Vorhalten der Kapazitäten beteiligen. Das ist zunächst Verhandlungssache für einen Vertrag unter den Unternehmen. Die Bundesnetzagentur (BNA) ist als Aufsicht erst gefordert, wenn es darum geht, diese Kosten über die Netzentgelte nach dem Gesetz umzulegen.

Dritte Versteigerungsrunde für Stilllegungsprämie läuft

Im Falle das Kraftwerksblocks Walsum 9 in Duisburg ist Steag schon so verfahren, nach eigenen Angaben trotz Bestätigung durch Amprion so aber bei der BNA nicht zum Zuge gekommen. Welche Konsequenzen sich für die etwa 120 Mitarbeiter in Heil ergeben, will Steag entscheiden und kommunizieren, wenn ein Ergebnis aus den Verfahren vorliegt.

Über eine endgültige Stilllegung im Zuge des Kohleausstiegs, wie sie aktuell im Zuge des „Fünf-Standorte-Programms“ für den Ausfall wegbrechender Jobs und Steuereinnahmen diskutiert wird, ist damit noch nichts gesagt. Die nächste Versteigerungsrunde für eine Abschaltung gegen finanziellen Ausgleich über das Kohleverstromungsbeendigungsgesetz – so das Wortungetüm hinter dem Kohleausstieg – ist mit der Antragsfrist zum 30. April gerade angelaufen. Ob der Heiler Ofen dabei ist, darf die Bundesnetzagentur nicht sagen – und die Steag tut es nicht. So war es schon in den beiden vorherigen Runden.

Die Anzeige der vorläufigen Stilllegungsabsicht beinhaltet zwangsläufig die Absicht, das Kraftwerk zu besseren wirtschaftlichen Bedingungen wieder an den Markt zu bringen. So geschieht es seit dem 1. Mai ohnehin schon zum zweiten Mal in Folge mit einer saisonalen Stilllegung. Diese ist gleichfalls nur anzuzeigen, aber nicht genehmigungspflichtig, wie Steag-Sprecher Daniel Mühlenfeld erläuterte. Sie bedeutet, dass von Anfang Mai bis Ende September der für die Grundlast konzipierte Kohleblock kalt bleibt, weil der Strombedarf günstiger aus anderen Quellen gedeckt werden kann, speziell aus den wachsenden Kapazitäten für Solar- und Windenergie.

Finale Abschaltung weiter eine Option

Bei Engpässen könnte der Block in vorgegebenen Fristen wieder angefahren werden, um die Versorgung und Netzstabilität zu gewährleisten. Das ist auch der Punkt, den es bei der Frage nach der Systemrelevanz zu beantworten gilt: Sind die Erzeugungskapazitäten in Heil entbehrlich oder zur Sicherheit nötig? Gleiches wäre auch zu prüfen, entschlösse sich Steag zur Beteiligung an der Ausschreibung zur endgültigen Stilllegung. Das kann die Kraftwerksbetreiberin unabhängig vom aktuellen Vorgang entscheiden.

Dieser Schritt stünde nach Auskunft der Netzagentur auch nicht der Idee im Wege, sich den Standort für die Erzeugung von Energie auf einem anderen Wege – und nach einem neuen Genehmigungsverfahren dafür – zunutze zu machen. Für ihr Kraftwerk in Völklingen-Fenne etwa nimmt Steag ein Wasserstoff-Projekt mit dem Titel „Hydro-Hub Fenne“ ins Visier. Auf die Frage nach derlei Szenarien für Bergkamen hielt sich der Sprecher mit Verweis auf die Gespräche mit der Stadt zu den Ausstiegsszenarien bedeckt. Das Kerngeschäft Energieerzeugung hier anders weiter zu verfolgen, liege aber nahe.

Nach Auskunft des Unternehmens bringen die Maßnahmen zumindest kurzfristig keine Jobs an den Standorten in Gefahr. Im Falle der vorläufigen Stilllegung werde das Gros der Mannschaft in Heil weiter benötigt. Das gelte schon in der gegenwärtigen Abschaltung bis zum 1. Oktober. Ein längerer Stand by muss sich bis dahin erweisen. Ob das Kraftwerk in der aktuellen Runde zur Beendigung der Kohleverfeuerung berücksichtigt wird, erfahren alle miteinander – wenn es denn gerade so läuft – von der Netzagentur mit Fristablauf im August.

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